Vertragen statt klagen

AFP

Von AFP

Sa, 28. Juli 2018

Wirtschaft

Bei Konflikten kommen Verbraucher oft auch ohne den teuren Gang zum Gericht aus.

Vor Gericht streiten wird immer teurer, warnen Rechtsschutzversicherer. Die durchschnittlichen Ausgaben für Anwälte und Gerichte seien zwischen 2012 und 2016 um fast ein Fünftel gestiegen. Tatsächlich kommen Verbraucher in vielen Fällen aber auch ohne den teuren Gang vors Zivilgericht aus. Es gibt nämlich viele gütliche – und günstigere – Streitlösungsangebote.

Verhandeln
Sind Verbraucher mit der Leistung eines Unternehmens unzufrieden, so sollten sie sich zunächst damit in Verbindung setzen und ihr Problem schildern. Viele Unternehmen zeigen allein schon wegen der Kundenzufriedenheit Kulanz. Wer sich seiner rechtlichen Ansprüche nicht sicher ist oder nicht weiß, wie er seine Ansprüche formulieren soll, findet bei den Verbraucherzentralen Hilfe. Ein individueller Beratungstermin dort kostet im Schnitt 15 Euro.

Schlichten
Unternehmen müssen ihre Kunden darauf hinweisen, ob und inwiefern sie an einem Verfahren vor einer Schlichtungsstelle teilnehmen. Viele Branchen wie Versicherungen, Banken, Telekommunikation oder Reisen haben eigene Stellen, an die sich Verbraucher wenden können. Für alle anderen Branchen gibt es die Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle. Dort können die Verbraucher ihren Fall schriftlich einreichen. Der Schlichter versucht dann zwischen Kunden und Unternehmen zu vermitteln und macht im Zweifel einen Schlichtungsvorschlag. Die Parteien können dann selbst entscheiden, ob sie diesen annehmen oder vor Gericht ziehen.

Der Vorteil für die Verbraucher: Das Verfahren dauert in der Regel wenige Wochen, ist für sie kostenlos und sie bekommen eine Einschätzung, ob ihr Anspruch gerechtfertigt ist.
Mediation
Ein Gerichtsverfahren zerstört oftmals persönliche Beziehungen. Wer mit seinem Streitgegner später noch zu tun haben muss, etwa im Fall einer Trennung, für den kann eine Mediation sinnvoll sein. Dabei versuchen speziell ausgebildete Anwälte oder Streitschlichter zwischen den Streitenden zu vermitteln – und zwar auf einer persönlichen Ebene, denn oft sind Rechtsstreitigkeiten Folgen von Problemen im Umgang miteinander. Viele Rechtsschutzversicherungen übernehmen die Kosten einer Mediation. Ansonsten kann so ein Verfahren mehrere hundert Euro kosten.

Güterichter
Wer bereits vor Gericht gezogen ist, kann ein Güteverfahren starten. Zahlreiche Gerichte bieten dies an. Dabei sorgen Güterichter für einen Raum, in dem die Streitparteien ihre Probleme selbst lösen sollen. Ähnlich wie bei einer Mediation sollen die Ergebnisse aus diesen Verfahren eine größere Akzeptanz haben als ein Gerichtsurteil. Oftmals können Termine kurzfristig anberaumt werden und lange Schriftsätze entfallen. Außerdem entstehen neben Anwaltsgebühren keine zusätzlichen Gerichtskosten. Finden die Parteien im Güteverfahren keine Lösung, so hat das keine Auswirkungen auf das streitige Gerichtsverfahren.