Von wegen ortsansässig

dpa

Von dpa

Sa, 29. Juli 2017

Geld & Finanzen

Mancher Schlüssel- oder Handwerker-Notdienst tut nur so, als käme er aus dem Ort, und verlangt dann hohe Anfahrtskosten.

Die Haustür ist zugefallen und drinnen steckt der Schlüssel? Rohrleitungen sind verstopft oder die Heizung defekt – aber der Handwerker des Vertrauens ist nicht greifbar? Dann rufen viele Betroffene einen Notdienst. Doch das kann teuer werden, besonders, wenn hohe Anfahrtskosten für überregionale Unternehmen hinzukommen. Die Netzagentur hat jüngst 52 000 Rufnummern abschalten lassen, mit denen Firmen wie Schlüsseldienste eine Ortsnähe vorgetäuscht haben. Tatsächlich wurden Anrufe aber zu einer Zentrale weitergeleitet. Wie umgehen mit solchen schwarzen Schafen?
Wie kann ich sicherstellen, dass ich

nur die Fahrtkosten zum örtlichen Notdienst bezahlen muss?
Wer einen Notdienst beauftragt, sollte beim Anruf nicht nur nach dem genauen Preis fragen, sondern darauf bestehen, einen ortsansässigen Dienst zu erhalten. Hier ist gut zu wissen: Wer einen Anbieter unter der eigenen örtlichen Vorwahl erreicht, muss nur die Kosten für An- und Abfahrt innerhalb der Ortsgrenzen zahlen, erläutern die Verbraucherzentralen. Auch bei der Internetsuche sollte man auf lokale Anbieter achten: Sie finden sich häufig eher im unteren Teil der Trefferliste. Denn teils kauften sich Unternehmen einen Anzeigenplatz und erscheinen bei der Suche daher weit oben.

Was gilt bei
der Preisverhandlung?
Am besten wird ein Komplettpreis schon vor der Auftragsvergabe am Telefon vereinbart, im Beisein von Zeugen. Dazu muss der Betroffene allerdings die Situation vor Ort auch dem Dienstleister genau schildern, damit der den Preis möglichst konkret kalkulieren kann.

Was, wenn der Handwerker an der

Tür dann plötzlich mehr verlangt?

Trifft man vor Ort auf den Handwerker-Notdienst, unterschreibt man besser erst mal nicht ungeprüft ein vorgefertigtes Auftragsformular, sondern streicht nicht vereinbarte oder gewünschte Passagen, sagen die Verbraucherschützer. Es sollte zum Beispiel bei einem Schlüsseldienst festgelegt werden, dass nur die verschlossene Tür geöffnet wird, aber der Handwerker kein Schloss austauschen soll. Das ist laut Experten in den meisten Fällen nicht nötig. Übt der Handwerker Druck aus, am besten die Polizei rufen. Nötigung ist strafbar.

Was, wenn der Notdienst
extra Gebühren einfordert?
Gebühren für die Bearbeitung oder Buchung, wenn der Verbraucher nicht die Rechnung sofort in bar bezahlt, sind laut einem Gerichtsurteil unzulässig (Landgericht Bremen, Az.: 1 O 725/96). Gleiches gilt für Zuschläge in den üblichen Arbeitszeiten oder Forderungen wie Sofort- oder Bereitstellungszuschläge und Kosten für Spezialwerkzeug (Amtsgericht Frankfurt am Main, Az.: 31 C 63/98-44).