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21. Juni 2012

Gemeinsam lernen bleibt ein Versuch

Kultusministerin besuchte Bötzinger August-Wilhelm-Lay-Schule / Kooperationsprojekt zwischen Haupt- und Realschule läuft aus.

  1. Gefallen fand Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer bei ihrem Besuch an der Bötzinger Schule mit (von links) Schulamtsleiter Manfred Vossler, MdL Christoph Bayer und Bürgermeister Dieter Schneckenburger. Doch eine Zusage zur Fortsetzung der Kooperation Haupt- und Realschule gab es nicht. Foto: julius steckmeister

BÖTZINGEN. Hoher Besuch aus Stuttgart war in der Wilhelm-August-Lay- Schule (WAL) zu Gast. Die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD), informierte sich über das Angebot der Schule, die Haupt- und Realschule unter einem Dach vereint. Vor vier Jahren bewarb sich die WAL außerdem erfolgreich für den schulischen Modellversuch Kooperation Hauptschule-Realschule, der jedoch in diesem Schuljahr nach dreijähriger Laufzeit endet.

Längeres gemeinsames Lernen hat sich die neue Landesregierung auf die Fahne geschrieben. Lieblingskind ist die Gemeinschaftsschule, in der Kinder bis zur zehnten Klasse gemeinsam unterrichtet werden sollen, bevor sich ihre Bildungswege trennen. Dass gemeinsames Lernen in Bötzingen bereits erfolgreich praktiziert wird, wurde der Ministerin von Lehrern und Schülern der WAL eindrucksvoll in kurzen Impulsvorträgen präsentiert.

"Verbundschule signalisiert Innovation", meinte MdL Christoph Bayer (SPD) in seiner Begrüßung und machte den Verbund von Schultypen als wichtigen "Innovationskern" aus. Dagegen machten Bötzingens Bürgermeister Dieter Schneckenburger und Schulleiter Bernd Friedrich noch zu viele bürokratische Hürden für die innovativen Verbundschulen aus. Friedrich unterstrich die Vorzüge des Verbundschulsystems, das sich beim gemeinsamen Lernen durchaus mit der Gemeinschaftsschule – nur ohne Gymnasialzweig – vergleichen ließe.

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Betrübt zeigte man sich in der Lehrerschaft über die Nichtfortsetzung des Ende Juli auslaufenden Modellprojektes Kooperation. Seine wissenschaftliche Auswertung wird im Dezember dieses Jahres abgeschlossen. Drei Jahre lang konnten Hauptschüler, die in den Kernfächern die Durchschnittsnote 2,5 erreicht hatten, in Klasse 5 und 6 gemeinsam mit Realschülern unterrichtet werden. Die jetzige 5. Klasse war aber davon schon ausgenommen worden, da feststand, dass das Modell ja nicht im kommenden Schuljahr, in dem sie in Klasse 6 wechseln werden, fortgesetzt werden sollte.

Das Modell sieht vor, dass Hauptschüler, die sich bewährt haben, dann in Klasse 7 in der Realschule weitermachen, was auch einigen Schülern gelang und im Blick auf das nächste Schuljahr auch gelingen wird. Schüler, die dann doch Schwächen zeigten, können ohne Blamage in den Hauptschulkursen weitermachen.

Kultusministerin Gabriele Warminski- Leitheußer lobte die Verbundschule und den Kooperationsversuch zwar als "einen Schritt in die richtige Richtung", konnte aber keine Hoffnungen auf eine Fortsetzung des Schulversuchs machen. Friedrich deutete an, dass man sich Flexibilität erhoffe, um auch weiter fähige Hauptschüler zu fördern und die erworbene Kompetenz der bei dem Modellversuch beteiligten Lehrkräfte weiter zu nutzen.

Die Ministerin stellte zwar eventuelle bürokratische Erleichterungen für die Verbundschulen in Aussicht, strich aber auch deutlich das Fernziel, ein schrittweises hin zur Gemeinschaftsschule nämlich, heraus. "Das Virus ist bei ihnen sowieso schon gesetzt", so die Ministerin über den Weg hin zum Gymnasialzweig in Bötzingen. Zum Abschluss ihres Besuches trug sich Warminski-Leitheußer ins Goldene Buch der Gemeinde ein.

Autor: Julius Steckmeister


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