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04. Oktober 2011 13:25 Uhr
Kreis Tuttlingen
19-Jähriger aus der Ortenau wurde drei Tage lang wie ein Sklave gehalten
Entführt, geschlagen, gedemütigt: Ein 19-Jähriger aus der Ortenau wurde drei Tage lang wie ein Sklave gehalten. Dabei wollte er eigentlich nur einen schönen Abend mit seiner Internet-Freundin verbringen.
SPAICHINGEN. Es begann alles ganz harmlos mit einer heutzutage nicht außergewöhnlichen Form der Kontaktaufnahme. Ein 19-jähriger Mann aus dem Ortenaukreis lernte per Internet eine gleichaltrige Frau aus Spaichingen kennen. Erste gegenseitige Besuche im Juli dieses Jahres verliefen normal, doch dann nahm das Unheil seinen Lauf.
Bei der nächsten Verabredung holte die 19-Jährige den Bekannten mit ihren beiden Freunden aus der Punker-Szene am Bahnhof ab. Bald kam es zum Streit. Die beiden 20-jährigen Männer zwangen den Gast unter Androhung von Schlägen, ihre Wohnungen zu putzen. Dann nötigten sie ihn, mit zur Freizeitanlage "Ententeich" zu gehen, wo sie ihn brutal zusammenschlugen. "Alle drei traten auf ihn ein und erniedrigten ihn", sagte ein Polizeisprecher. Der eher unbedarfte Mann aus der Ortenau habe sich aus Angst in sein Schicksal ergeben. Die Nacht musste er auf dem Boden in einer Ecke verbringen.
Am nächsten Tag wurde er unter massivem Druck gezwungen, dem Trio in die Stadt zu folgen und ein Handy zu kaufen, das die Täter dann an sich nahmen. Danach musste er nach Tuttlingen mitgehen, um ein Laptop zu kaufen. Mehrere Versuche misslangen, weil die Kunden den Verkäufern nicht vertrauenswürdig erschienen. Als es klappte, musste der Eigentümer das teure Stück abgeben.
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Bei der Rückkehr nach Spaichingen wurde der junge Ortenauer erneut an den Ententeich geführt, wo seine drei Peiniger wieder grundlos auf ihn einschlugen. Als er am Boden lag, traten sie mit den Füßen auf ihn ein. Dann zogen sie ihn über das Geländer einer Brücke und ließen ihn dort eine Zeit lang von oben mit dem Kopf nach unten hängen. Die beiden Punker hielten ihn an den Füßen fest, drohten ihn fallen zu lassen, während die junge Frau zuschaute. Zurück in der Wohnung quälten ihn die drei Täter, indem sie beispielsweise seinen Kopf in eine Mülltonne drückten, und zwangen ihn abermals, die Nacht sklavisch in einer Ecke auf dem Fußboden zu verbringen.
Am nächsten Tag wurde er freigelassen. Er fuhr mit dem Zug nach Offenburg zurück und erstattete Anzeige bei der Polizei. Die traf auf "eine total vermüllte Wohnung und Zustände, wie man das hier bisher nur aus dem Fernsehen kannte", berichtete ein Sprecher auf Anfrage. Das gesuchte Trio war spurlos verschwunden und schlief fortan offenbar im Freien und unter Brücken, wie sich später herausstellte. Erst Wochen später gelang den Fahndern die Festnahme. Aus ermittlungstaktischen Gründen wurde der Fall erst jetzt öffentlich gemacht. Bei den Tätern handelt es sich um drei junge Menschen, die keinerlei Beziehungen zu ihren Familien mehr hatten und von der Jugendpflege betreut wurden. Die Frau kommt aus Spaichingen, die beiden Männer von außerhalb des Kreises Tuttlingen. Alle drei waren in der Punker-Szene aktiv.
"Bei der Vernehmung haben sie keinerlei Reue gezeigt", erklärte ein Beamter, der fassungslos ist "über diese Art der Verrohung" und "über die Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen". Sie seien nicht fähig zu irgendwelchen Mitgefühlen und hätten sich gegenseitig beschuldigt. Ein richtiges Motiv sei nicht zu erkennen. Jetzt sitzen sie wegen dringenden Tatverdachts des erpresserischen Menschenraubes in Untersuchungshaft. Der junge Mann aus der Ortenau ist durch die Schläge und Tritte so schwer verletzt worden, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Die psychischen Verletzungen seien allerdings so schwerwiegend, heißt es bei der Polizei, dass sie nicht so schnell geheilt werden können.
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Autor: Lothar Häring
