Dank Reproduktionstechnik besteht die Kerzenmanufaktur weiter

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Di, 19. Juni 2018

Gengenbach

Kerzenkunst der Franziskanerinnen von Gengenbach ist in einer Ausstellung im Klosterladen zu sehen / Langjährige Künstlerinnen wurden verabschiedet .

GENGENBACH (BZ). "Ich bin das Licht der Welt. Die Kerzenkunst der Franziskanerinnen. Gemalter Glaube auf Wachs" unter diesem Titel präsentiert die Ausstellung im Gengenbacher Kloster der Franziskanerinnen vom göttlichen Herzen Jesu über 30 verschiedene, in großformatige Wachsplatten gravierte Originalvorlagen zur Kerzengestaltung der beiden Künstlerinnen Schwester Roswitha Müller und Schwester Ermelindis Gebele, die über 30 Jahre lang die Kerzenwerkstatt geführt haben.

"Die Schwestern haben sich immer bemüht, mit ihrer Kunst den Glauben auszudrücken, der jeweiligen Zeit entsprechend", würdigte Generaloberin Schwester Michaela Bertsch ihre Mitschwestern, die in den Ruhestand verabschiedet wurden. "Es war unser großes Bestreben das Erbe des Mutterhauses weiterzugeben", betonte sie, denn die Kerzen seien nach wie vor sehr gefragt. Die Kerzenwerkstatt wie auch die Paramentenwerkstatt, wo kunstvolle Stickereien für liturgische Textilien entstanden, gehörten zu den Anfängen der Kongregation, zahlreiche Preise und Auszeichnungen habe es im Laufe der Jahre gegeben. Deshalb sei es den Schwestern wichtig, die Gestaltungsvorlagen der beiden Künstlerinnen zu bewahren und nach deren Motiven auch künftig Kerzen zu verzieren. Zu diesem Zweck wurden sie auf großformatige Wachsplatten graviert und mit Ölfarbe ausgemalt. Noch bis zum Oktober sind sie in der Ausstellung zu bewundern.

Seit 150 Jahren gestalten und verzieren die Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu in ihren Werkstätten Kerzen zu persönlichen und kirchlichen Festen. Diese Wachsarbeiten haben in den Frauenklöstern eine lange Tradition und gehen bis aufs Mittelalter zurück. Neben Christkindern wurden auch Krippenfiguren aus Wachs hergestellt und liebevoll mit reich verzierten Gewändern aus Spitzen oder Goldbrokat bekleidet. Im Kloster Gengenbach wurde bereits nach 1945 mit der künstlerischen Gestaltung von Kerzen begonnen, 1995 übernahm Schwester Roswitha die künstlerische Leitung der Kerzen-und Paramentenwerkstatt, letztere musste Ende 2017 geschlossen werden, das alte Handwerk in der Kerzenwerkstatt wird aber weiterhin gepflegt.

Eine brennende Kerze symbolisiere die Seele, die im dunklen Reich des Todes leuchtet, so die Schwestern. Sie bringe Licht und somit Leben, erklären die Schwestern. Kerzen begleiten die Menschen das ganze Leben. Die Motive für Tauf-, Kommunion- , Hochzeits-, Jubiläums-, Gedenk- oder Osterkerzen sind phantasievoll und bunt und werden in aufwändiger Technik umgesetzt: Kreuz, Kelch, Ähre, Regenbogen oder Lebensbaum sind beliebte Motive, wie auch der Fisch als christliches Zeichen, die Rose als Zeichen der über den Tod hinausgehenden Liebe, die Taube als Friedenssymbol oder der Weinstock als Symbol für die Verbundenheit zwischen Christus und den Gläubigen.

Auf Grund des Ausscheidens der beiden ursprünglichen Künstlerinnen wurde die Produktion jetzt umgestellt, wie Gabriele Rubner, Betriebsleiterin des Klosterladens und der Kunstwerkstätten erläuterte. Die Motive würden als Transferdruck auf die Kerzen übertragen, die dann von den Schwestern beschriftet und verziert würden. Langjähriger Partner der Gengenbacher Ordensfrauen in der Kerzenproduktion ist Johannes Decker-Flügel, Inhaber der Kerzenmanufaktur Jakob Flügel, Montabaur. Seit über 70 Jahren liefert die Firma die Kerzenrohlinge, die 10 Prozent Bienenwachs enthalten, an das Kloster. "Durch diese moderne Drucktechnik haben wir die Möglichkeit, auch weiterhin diese schönen Motive mit einem vereinfachten Verfahren zu übertragen", so Decker-Flügel bei der Ausstellungseröffnung.

Die Technik wird mit einem Dokumentarfilm demonstriert

Zur Ausstellung gibt es ein Begleitheft zur Kerzensymbolik, der Gravur- und Malvorgang wird fortlaufend in einem Dokumentarfilm gezeigt, der in den Klosterwerkstätten gedreht wurde. Auch zur Symbolik und den religiösen Anlässen haben die Schwestern viel Wissenswertes zusammengestellt. Die schönsten Motive sind als Grußkarten und als Wandkalender erhältlich.

Die Ausstellung ist noch bis 31. Oktober zu sehen im Klosterladen der Franziskanerinnen, 77723 Gengenbach, Eingang Scheffelstraße. Geöffnet: Montag bis Freitag 8.30 bis 11.30 Uhr und 13 bis 17 Uhr.