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06. Dezember 2011

Die französische Alternative

Kammerchor Offenburg und Elztalsinfonietta überzeugen mit Saint-Saëns’ Weihnachtsoratorium.

  1. Unter Reinhard Bäders Leitung trafen Chor und Kammerorchester den romantischen Ton. Foto: Christian Heck

GENGENBACH. Wer denkt nicht an Johann Sebastian Bach, wenn er "Weihnachtsoratorium" hört. Seltener ist das gleichnamige Werk des französischen Komponisten Camille Saint-Saëns zu hören. In der evangelischen Kirche in Gengenbach führten der Kammerchor Offenburg und die Elztal Sinfonietta sein Weihnachtsoratorium von 1858 auf, das Verse aus dem Lukasevangelium, dem Johannesevangelium und mehreren Psalmen zur Grundlage hat, und stellten damit den vorweihnachtlichen Reflex auf die Probe.

Zuvor erklangen von Bach die adventliche Kantate "Nun komm der Heiden Heiland" und vier Motetten zur Weihnacht des Freiburger Komponisten Heinz Werner Zimmermann von 1958 über das Lied "Gelobet seist Du Jesu Christ".

Die Bach-Kantate lebt von der Stärke der Solisten, deren Wirken zu Beginn und zum Schluss vom Chor umrahmt wird. Der Tenor Martin Erhard singt Rezitativ und Arie makellos mit heller voller Stimme und schlankem Ton, das Orchester klingt ausgewogen und geschlossen in der Klangfarbe, was bei der trockenen Akustik nicht einfach ist. Im Bass-Rezitativ "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an" spiegelt sich das Anklopfen im Pizzicato der Streicher. Menno Koller singt souverän. Konstanze Ruttloff verfügt über eine vibratoreiche markante Sopran-Stimme, mit der sie in der Gebetsarie "Öffne Dich, mein ganzes Herze" auch die Spitzentöne klar ansetzen kann. Der abschließende Choral beschwört die Ankunft des Heilands kurz und lebendig, knackig, möchte man sagen.

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Das Werk ist auf Steigerung bis zum Schluss angelegt

Die Motetten von Zimmermann bringen synkopische Moderne in das Kirchenschiff, die raffinierte Komposition, bei der die erwähnten Liedstrophen wie ein Continuo, jedoch wechselnd in den Stimmlagen, zu Grunde gelegt sind, schafft ein Lebendiges Hin und Her durch die Akzentuierung der Stimmen. Der hier sehr präsente Chor wird nur vom Rhythmus gebenden Kontrabass begleitet.

Das Hauptwerk des Abends bringt eine hochromantische, gar lyrische Stimmung mit sich. Ganz zart und gedeckt beginnt die Orgel, von Matthias Degott gespielt, wundersam Erwartung erzeugend, was da wohl kommen mag. Dann stimmt das Orchester weich schwingend ein, eine absteigende Quinte wird zum später ausformulierten Hauptintervall. Das Prélude endet entrückt in der Höhe, im gerade noch möglichen Pianissmo. Die folgenden neun Nummern sind geprägt von wechselnden Besetzungen, zu den genannten Solisten kommen Viola da Galgóczy mit ihrer wunderbar warmen Altstimme und Martina Seiferts fülliger Mezzosopran hinzu. Auch wenn in Chor und Orchester mal kleinere Unsauberkeiten zu hören sind, kommt doch die musikalische Aussage rüber und es steckt einige Dramatik darin. Das Werk ist auf Steigerung bis zum Schluss angelegt. Der Schlusschor begeistert restlos, es gibt langanhaltenden Beifall und weil’s so schön war, muss er als Zugabe wiederholt werden.

Autor: Susanne Ramm-Weber