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27. August 2011
Dieses Micro-Blockheizkraftwerk ist kleiner als eine Waschmaschine
Die Stadtwerke Gengenbach nehmen das erste Micro-Blockheizkraftwerk in Gengenbach in Betrieb / Kosten von 14 000 Euro.
GENGENBACH. Kaum zu glauben: Das neueste Blockheizkraftwerk (BHKW) auf Gemarkung Gengenbach hat nicht einmal die Größe einer Waschmaschine, produziert aber ein Kilowatt Strom und sieben Kilowatt Wärme. "Das sind die kleinsten Blockheizkraftwerke auf dem Markt. Sie können mit dieser Leistung den Grundbedarf an Wärme für ein Einfamilienhaus abdecken und gleichzeitig einen Großteil ihres Strombedarfs decken", erläutert Jochen Brosi von den Stadtwerken Gengenbach.
Speziell für Ein- bis Dreifamilienhäuser und Kleingewerbe entwickelt, verspricht der "Whispergen" genauso effizient zu arbeiten wie seine größeren und ganz großen Kollegen. Ob das Micro-BHKW, das sich die Stadtwerke Gengenbach jetzt zugelegt haben, das Versprechen tatsächlich halten kann, muss das Gerät ab sofort beweisen: Die Stadtwerke haben die neue Technik vor wenigen Wochen in einem Mehrfamilienhaus in der Nollenstraße in Betrieb genommen – es ist das erste Kleingerät dieser Art, eines, das laut Betriebsstellenleiter Meinrad Huber ein Kilowatt Strom und sieben Kilowatt thermische Leitung bringen kann.Werbung
Für die Stadtwerke ist der Einsatz von Blockheizkraftwerken nichts Neues. Mehrere Exemplare stehen etwa in der Kläranlage und in der Kinzigtalhalle.
Wie steht es mit der Wirtschaftlichkeit? In die kritische Bewertung der neuen Micro-Anlage fließen etwa Faktoren ein wie Anschaffungskosten, Unterhalt und Zuverlässigkeit, denn: "Wenn wir so ein Gerät in Zukunft öfter einsetzen möchten oder unseren Kunden zur Anschaffung empfehlen, müssen wir sicher sein, dass es zuverlässig läuft", so Jochen Brosi. Immerhin kostete das Gerät laut Huber rund 14 000 Euro.
Vorläufig wird das Micro-BHKW mit Gas gefüttert. Die Kraft-Wärme-Kopplung eines BHKW gehört derzeit zu den effizientesten Techniken, um diesen Brennstoff zu nutzen. Die Stadtwerke sehen deshalb in Blockheizkraftwerken einen wichtigen Baustein für die Umstellung auf erneuerbare Energien. Gerade im Hinblick auf die geplante Biogasanlage, die demnächst in Gengenbach errichtet wird, biete sich da eine große Chance. Brosi: "Wir bekommen ein hochwertiges Produkt aus der Region für die Region – kein arabisches Erdöl und kein russisches Erdgas." Sondern eine Großanlage, die Energie aus nachwachsenden Rohstoffen und Reststoffen, wie Mais und Mist, im großen Rahmen produziert und diese in die Erdgasleitung einspeist. "Aus ökologischer Sicht ist unsere geplante Gaserzeugung aus Biomasse der hiesigen Landwirte sinnvoller, als herkömmliches Gas über weite Strecken aus dem Ausland einzuführen. Langfristig ist es auch wirtschaftlicher", ist Jochen Brosi überzeugt. Der Leiter Versorgung & Service der Gengenbacher Stadtwerke fügt hinzu: "Liefern wir das Bioerdgas, schaffen wir einen erneuerbaren Kreislauf."
Die Stadtwerke Gengenbach haben in den vergangenen Jahren ihre Kompetenz im Bereich erneuerbare Energien stetig ausgebaut. "Wir haben als kommunales Versorgungsunternehmen auch die Aufgabe, die Region mit regenerativen Energien zu versorgen", betont Bürgermeister Thorsten Erny, ein großer Fan eben dieser erneuerbaren Energien. Derzeit arbeiten die Stadtwerke neben der geplanten Biogasanlage auch an anderen Projekten. So wurde bekannt, dass an die Realisierung eines Bürgerwindrades gedacht wird. Um Veränderungen im energetischen Bereich voranzutreiben, sei es eben notwendig, neue Technologien einzusetzen. "Die Stadtwerke Gengenbach sind deshalb die idealen Partner zur Umsetzung von Ideen vor Ort", tritt der junge Bürgermeister bereit als großer Werbeträger für "seine" Stadtwerke auf. Die Energiewende sei vor Ort machbar –"aber nur, wenn die Bevölkerung mitmacht".
Blockheizkraftwerke werden in vielen verschiedenen Größen angeboten – vom Mikro-BHKW mit ein paar wenigen Kilowatt Leistung bis hin zu Heizkraftwerken mit bis zu einigen hundert Kilowatt. Ein kleines Blockheizkraftwerk für Einfamilienhäuser, so wie es die Stadtwerke jetzt eingesetzt haben, lohnt sich immer dann, weiß der Fachmann, wenn die Summe aller Kosten geringer ist als die Kosten, die für die erzeugte Wärme mittels herkömmlicher Methode angefallen wären.
Autor: Hubert Röderer
