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11. Juli 2011

Drei Frauen verhexen das Publikum

KULTURSOMMER: Lindy Huppertsberg in der Stadthalle.

GENGENBACH. Zauberei beim Kultur-sommer: Ausnahme-Kontrabassistin "Lady Bass" alias Linda Huppertsberg & WitchCraft alias Angela Frontera (Drums, Percussion) und Yelena Jurayeva (Piano) haben die sehr gut besuchte Stadthalle in einen Hexenkessel verwandelt.

Es war nicht die Walpurgisnacht, sondern ein gewöhnlicher Donnerstag Abend auf dem Nollen, wohin Lindy Huppertsberg, die freundliche Oberhexe mit dem stattlichen Kontrabass, ihre zwei kleinen Hexen Angela und Yelena beordert hatte. Die kamen ganz geschwind angeritten. Erstere aus Brasilien mit einer ganzen Armada an Besen (samt zugehörigen Trommeln und anderem Schlagwerks). Letztere aus Kasachstan – zwar nicht auf einem Schimmel, doch auf den Schwingen eines edlen Flügels.

Und wie das so ist bei kleinen Hexen, hatten die beiden neben ihrer in vielen Jahren Hexen-Musikschule erlernten Kunst des Trommel- und Klavierspiels noch jede Menge Flausen im Kopf mitgebracht. Sie zum Beispiel beim Singen mit ein paar unerwartet eingeschobenen Klimperläufen zum Lachen und somit aus dem Konzept zu bringen oder mal schnell das bestickte kasachische Käppi zum Sammelhut umzufunktionieren, während sich die zierliche Trommlerin mit wilder Mimik und ebenso wildem Spiel den Anschein gab, sich selbst in Trance zu versetzen – um aber plötzlich wieder quicklebendig auf dem Hocker herumzuwippen und einen kniffligen 7/4-Samba-Rhythmus aufs Tapet zu legen. Optisch als auch musikalisch hatte sich Lindy Huppertsberg als Ruhepol in die Mitte der Bühne zwischen ihre Schützlinge postiert.

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Vorzügliche Interpretationen und Kompositionen

Gebraut hatten die drei Hexen ihren Trunk in den meisten Fällen selbst: ein Maracatú von Angela für Yelena, ein Samba for my parents, ein Bossa für Fritz Rau oder eine lässig gegroovte "Bass-Zentrale" und mehrere spritzige Arrangements wie den "Oktober" oder die Nussknackersuite von Peter Tschaikowsky – alle drei zeigten immer wieder, dass sie nicht nur interpretieren, sondern auch vorzüglich komponieren können.

Wie von Gerd Birsner und Lothar Kimmig eingangs versprochen, wurde das Konzert nicht nur zum Augenschmaus, sondern auch zum Ohrenschmaus. Jede der drei Musik-Magierinnen faszinierte auf ihre ganz eigene Art: Lindy Huppertsberg als ihrem Rieseninstrument voll und ganz gewachsene, cool zupfende oder streichende Bassistin, Angela Frontera als mal wohldosiert zart begleitende, mal heftige Wirbel produzierende Trommlerin und Yelena Jurayeva als sehr emotionale, oft tief über die Klaviatur gebeugte Jungpianistin. Nach mehr als zwei Stunden wie auf dem Hexenbesen vorbeigesaustem Spiel, verabschiedeten sich WitchCraft mit einem feurigen Trommel-Solostück und einem letzten Aufbäumen des Kontrabasses von ihrem wild applaudierenden Publikum.

Autor: Ulrike Le Bras