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30. September 2011

"Ein Urgestein der Polizei"

Adrian Brädle als Chef des Offenburger Polizeireviers feierlich verabschiedet.

  1. Stabwechsel: Adrian Brädle (r., mit Polizeichef Renter) geht, Peter Dieterle (l. mit Ehefrau Petra) kommt. Foto: Fotos: hsl

OFFENBURG/GENGENBACH. Zum letzten Mal hat Adrian Brädle (58) gestern die Polizeiuniform getragen: Der allseits hochgeschätzte Chef des Polizeireviers Offenburg ist nach 41 Dienstjahren gestern in der Gengenbacher Stadthalle am Nollen in den Vorruhestand verabschiedet worden. Mit ihm geht, wie mehrere Redner voller Respekt deutlich machten, "ein Urgestein der Polizeidirektion Offenburg". Zugleich wurde Brädles Nachfolger Peter Dieterle (50) durch den Ortenauer Polizeichef Reinhard Renter begrüßt.

Am meisten vermissen wird er, wie Adrian Brädle gestern vor rund 200 Gästen aus Polizei, Justiz und öffentlichem Leben gestand, den tollen Blick auf die Innenstadt vom Balkon seines Büros im Königshof, wo vor ihm schon Reichsvögte, Großherzöge, Landräte und Polizeidirektoren residierten. Der scheidende Revierleiter und Chef von rund 150 Mitarbeitern durfte sich bei seiner Verabschiedung über größten Respekt, viel Anerkennung und ehrliche Wertschätzung freuen. Mit Talent, Geschick und Persönlichkeit habe der Erste Polizeihauptkommissar seinen Beruf ausgeübt, bescheinigte Reinhard Renter. Er persönlich, so der Polizeichef sichtlich bewegt, habe von Brädles großem Erfahrungsschatz profitiert. Dessen Dienstzeit sei von der Nähe zum Bürger und von großem Engagement geprägt gewesen: "Er hat den Ruhestand verdient", sagte Renter über den Kollegen, der nach einer Herzoperation aus gesundheitlichen Gründen in den Vorruhestand geht.

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"Adrian war der geborene Polizeiführer", bescheinigte der Personalratsvorsitzende Reinhard Grußeck. Brädles Vorgaben seien stets eindeutig gewesen: "Und jeder wusste, in welche Richtung es ging." Mit Brädle gehe ein kompetenter und zielstrebiger Polizeipraktiker, der die Basisarbeit suchte und mochte: "Er war ein loyaler, gerechter, verantwortungsbewusster und großmütiger Vorgesetzter."

Für die Kommunen im Einzugsbereich des Offenburger Reviers lobte der Berghauptener Bürgermeister Jürgen Schäfer die Verlässlichkeit Brädles: "Sie hinterlassen Spuren – wir lassen Sie nur ungern gehen." Von beispielhaft guter Zusammenarbeit schwärmte der Leitende Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer, der als Vertreter der Ortenauer Justiz ebenfalls die Bürgernähe und Vorbildfunktion Brädles hervorhob, zugleich aber auch dessen ruhige und professionelle Art: "Wir werden Sie vermissen."

So geht es auch "der Mannschaft" des Polizeireviers, für die Brädles Stellvertreter Klaus Vetter bescheinigte: "Du warst der ideale Vorgesetzte – wir waren stolz, Dich als Revierführer gehabt zu haben." Brädle selbst dankte in bewegenden Worten, ließ seine 41 Dienstjahre Revue passieren und zollte vor allem jenen Kollegen seine Hochachtung, die im Schichtdienst rund um die Uhr den Gefahren trotzen und dafür "nicht immer die Anerkennung bekommen, die ihnen gebührt."

Auch Brädles Nachfolger Peter Dieterle hob in seiner Antrittsrede darauf ab, das zwar immer "die Polizei" gerufen werde, doch in den Uniformen Menschen mit Gefühlen steckten. Dass Polizeibeamte heute zunehmend attackiert würden und um ihre Gesundheit oder gar ihr Leben bangen müssten, sei "nicht normal" und dürfe es auch nie werden. Der Polizeioberrat bringt Erfahrungen als Chef eines Karlsruher Großstadtreviers mit und bescheinigte seinem Vorgänger, ein gut bestelltes Haus zu hinterlassen: "Es werden ja nur die Teamchefs ausgetauscht – den Erfolg und die Leistung bringt immer noch die Mannschaft."

Autor: Helmut Seller