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28. März 2012

Polstermöbelwerk

Hukla-Insolvenzverfahren: Frist für 286 Mitarbeiter läuft

Kommt nach 61 Jahren am Standort Gengenbach für die Polstermöbelfabrik nun das Aus oder gibt es noch Hoffnung für die Arbeitsplätze der 286 verbliebenen von einstmals 2100 Mitarbeitern?

  1. Einst Zentrum eines kleinen Firmenimperiums mit 2100 Mitarbeitern: Das ehemalige Hukla-Werk in Gengenbach. Foto: ARchivfoto: Heck

Am 30. April läuft die Frist des Insolvenzverfahrens aus, das am 28. Februar eröffnet wurde. Die Gewerkschaft IG Metall will erfahren haben, dass dann das Werk Gengenbach geschlossen wird. Insolvenzverwalter Harald Kroth von der Acherner Kanzlei Schultze & Braun weist das entschieden zurück mit dem Hinweis auf Gespräche mit dem Möbelhersteller Polipol.

Polipol hatte im Januar die Marke Hukla sowie die Werke in Mecklenburg-Vorpommern (Torgelow) und in Polen von den Hukla-Eigentümern Mathias van Roij und Richard Seelen gekauft. Diese hatten ihrerseits erst im September 2011 die verschiedenen Hukla-Werke erworben, es dann aber im Januar 2012 zerschlagen. Das Polstermöbelwerk Gengenbach erhielt bei diesem Deal im Januar die wage Aussicht, als Zulieferer für Polipol weiterhin tätig zu bleiben. Kurz darauf musste das Polstermöbelwerk in Gengenbach aber Insolvenz anmelden. Unter anderem auch, weil Polstermöbelproduktion von Gengenbach nach Torgelow verlagert worden war.

Mittlerweile soll Polipol aber wieder Interesse an Gengenbacher Wertarbeit signalisiert haben. In diese Richtung laufen die derzeitigen Bemühungen des Insolvenzverwalters. "Es gibt derzeit Gespräche, insofern ist mir die Meldung der IG Metall rätselhaft", so Insolvenzberater Kroth. IG Metall-Mann Uwe Acker beruft sich indessen auf eine sichere Quelle für seine Information.

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Gengenbachs Bürgermeister Thorsten Erny ist sich da indessen nicht so sicher. Schließlich hätte der Hukla-Betriebsratsvorsitzende versprochen, sich beim Gengenbacher Rathauschef zu melden, falls es eine neue Entwicklung in der langen Geschichte des Traditionsunternehmens (siehe Info) geben sollte.

Aufstieg und Niedergang

1936: Hukla wird von Hugo Klaussner in Haslach als Matratzenfabrik gegründet



1951:
Eugen Klaussner baut das Polstermöbelwerk in Gengenbach zu einem florierenden Unternehmen aus.

2000: Mit rund 2100 Arbeitnehmern ist Hukla einer der größten Arbeitgeber der Ortenau. Im August erhalten 85 Mitarbeiter die Kündigung.

2001: Im Februar pumpt Eigentümer Hans Jürgen Klaussner einen zweistelligen Millionenbetrag in die Gengenbacher Produktionsstätte, um Zahlungsverbindlichkeiten auszugleichen. Im Juni erhalten zunächst 138, im August 330 Mitarbeiter die Kündigung.

2002: Ende Juli kündigt Hukla den Abbau von noch einmal 220 weiteren Arbeitsplätzen an.

2004: Im Juli stellt Hukla Insolvenzantrag. Von den 1250 Mitarbeitern verlieren 600 ihren Job.

2005: Die Steinhoff-Gruppe übernimmt. Weitere Mitarbeiter müssen gehen.

2006: Jetzt sind es noch 340 Huklaner.

2011: Der Steinhoff-Konzern verkauft Hukla mit ihren nunmehr 300 Mitarbeitern an die Unternehmensgruppe von Mathias van Roij und Richard Seelen.

2012: Die Steinhoff-Gruppe gibt den geplanten Börsengang ihrer Europa-Tochter bekannt, der 1,5 Milliarden Euro bringen soll. Die neuen Eigentümer verkaufen im Januar die Marke Hukla sowie zwei Werke in Mecklenburg-Vorpommern und Polen an die Polipol-Gruppe. Für Gengenbach wird im Februar Insolvenz angemeldet. Die letzten 280 Mitarbeiter von einst 2100 bangen um ihren Job.  

Autor: rab

Autor: Ralf Burgmaier