Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
27. Juni 2011
Musik um den Namen Haag
Kultursommer: Harfe und Marimbaphon bei Hukla.
GENGENBACH. Mit dem neuen Projektleiter des Gengenbacher Kultursommers, Gerd Birsner, gibt es auch einen neuen Veranstaltungsort: Die Hukla-Lounge. Im Eingangsbereich der Möbelausstellung ist reichlich Platz für 150 Stühle mit eigens genähten Hussen, so dass die Lounge als Konzertsaal optisch funktioniert. Akustisch ist es für die Musizierenden sehr schwer bei so viel Schall schluckendem Stoff, der keinerlei Nachhall gewährt.
Die Premiere in der Hukla-Lounge gaben die Musikerinnen Gudrun und Babette Haag aus München, die Mutter Gudrun an der Harfe, die Tochter Babette am Marimbaphon. Da beide Instrumente nicht so häufig in einem Rezital zu hören sind, gaben die beiden Damen eine instrumentenkundliche detaillierte Einführung dazu. Mit der Spielliteratur für diese Instrumente ist es ähnlich, es gibt kaum Solowerke. Dann hilft man sich eben selbst und so begann das Konzert mit einer für Harfe und Marimbaphon umgearbeiteten, ursprünglich für Flöte geschriebenen Sonate C-Dur von Johann Sebastian Bach, die den Interpretinnen gleich Gelegenheit gab, ein gutes Maß an Virtuosität zu zeigen, doch auch die instrument-bedingten Schwächen einer Umarbeitung offenbarte. Während die Flöte im Adagio die Töne lang halten kann, verklingen sie auf dem Marimbaphon zu schnell.
Werbung
Die Harfenisten komponieren gerne für ihr eigenes Instrument, so der Franzose Alphonse Hasselmans, von dem Gudrun Haag ein perlend sprudelndes Stück, "La source" (die Quelle), zu Gehör brachte, gefolgt von einem Prélude im klassischen Stil von Gordon Joung, im Original für Orgel. Noch einmal Bach, aus der Cello-Suite Nr. 4, spielte Babette Haag drei Sätze sehr musikalisch mit kräftigem Klang und differenzierter Ausgestaltung in der Dynamik. Mit sechs rumänischen Volkstänzen von Bela Bartok zwischen herb und lyrisch verabschiedete sich das Duo in die Pause.
Die charmante Moderation von Mutter und Tochter Haag ersetzte das Programmblatt und nach der Pause folgten erst Weisen des Brasilianers Ney Rosauro, dann ein ächzendes Stück, um die Pedale der Harfe, welche die Stimmung der Saiten variieren, zur Geltung zu bringen, wie überhaupt auch diverse Spieltechniken von Zupfen über Reißen, Streichen und der Erzeugung von Flageolett-Tönen hör- und sichtbar wurden. Rainer Lischka aus Dresden hat ein fröhlich, synkopisches Stück eigens für dieses Duo geschrieben, in dem sich der Name "Haag" in Noten wandelt. Wie eine Erzählung ein bisschen zurückhaltender und mit zarter Melodie erklingt wieder ein Stück von Rosauro, bevor das Programm mit einem Ragtime von George Hamilton schwungvoll in den Zugabenteil mündet.
Autor: S. Ramm-Weber
