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05. Juli 2011

Schönster Mozart-Jubel

Die Katholische Bezirkskantorei singt zwei große Mozart-Werke und eine kleine Haydn-Perle.

  1. Unter der Leitung von Bezirkskantor Matthias Degott gelang der Bezirkskantorei, dem Barockorchester Karlsruhe und den vier Solisten ein hervorragender Konzertabend. Foto: Peter Heck

GENGENBACH. Kirchenkonzert und lauer Sommerabend – Bezirkskantor Matthias Degott und die Katholische Bezirkskantorei Ortenau haben das zusammengebracht, am Sonntag in der gut besuchten Gengenbacher Kirche Sankt Martin. Degott hatte dafür zwei vom Charakter her recht unterschiedliche geistliche Werke Mozarts ausgewählt und als Puffer eine kleine Haydn-Perle dazwischen geschoben, das "Salve Regina" für Solistenquartett, Streicher und Orgel.

Es ist eine Marienanrufung: Die Frau, die selbst so sehr gelitten hat um ihren Sohn, versteht die Leiden von uns Menschenkindern – das ist die Grundhaltung des Werks. Und so mischt sich in diese Klage immer auch Zuversicht. Was Haydn da komponiert ist nicht aufregend, nur stimmig. Der Gesang bleibt durch die vier Solisten zierlich, die Stimmen klingen – anders als beim Chor – individuell: Der leidende Mensch ist nicht Masse, sondern er leidet als Einzelner. Die melodischen Linien sind schön. Es gibt keine Brüche, denn Trauer und Zuversicht sind keine Gegensätze in diesem Werk. Immer wieder gehen Seufzer mit Abwärtsbewegungen einher, verhaltenes Flehen wird durch Celli nach unten gestützt, durch eine Solovioline in die Sphären transportiert, immer gemessen, immer leise, innig, intim, wunderbare Musik.

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Nicht ganz so intim aber nicht weniger wunderbar waren die beiden Mozart-Werke. Kernstück der Credo-Messe, KV, 257, ist das Credo, das ihr den Namen gab. In dieser Passage steckt ein dramaturgisches Gespür dahinter, das wir aus Mozarts größten Opern kennen. Der Ruf "Credo, Credo" steht am Anfang. Dann werden die christlichen Glaubenssätze gesungen, in geradezu forschem Tempo: "Wir glauben an den einen Gott, den Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde …" Doch immer wieder unterbricht ein hoch dramatischer "Credo"-Ruf die Litanei, ent-litaneiisiert sie, stellt den Text quasi auf den Prüfstand – stets mit dem Ergebnis: "Credo – ich glaube!"

Dann kippt die Stimmung, aus allegro wird andante. Die Fleischwerdung Gottes durch Jesus lässt Mozart innehalten. So gibt er diesem ungeheuren Vorgang Gewicht. Beim "Cruzifixus etiam – und wurde gekreuzigt …" wird der Chorgesang zum Aufseufzen in tiefem Schmerz. Doch vor dem Aufseufzen steht der "Credo"-Ruf, der wenig später vom Solistenquartett übernommen wird: Die Menge der Christenheit und der einzelne Christ. Im Allegro treibt das Orchester den Glaubensjubel an, im Schmerz scheint die Musik zu erstarren. Das ist nicht nur toll komponiert, dass ist auch toll dargeboten, vom Barockorchester Karlsruhe wie vom Chor. Der ist immer auf der Höhe des Geschehens, ausdrucksstark, glaubhaft bei den Jubelchören wie bei innigen Passagen.

Als Abschluss gab es die Vesper KV 321, ein Werk, das feierlich mit Pauken und Trompeten beginnt und auch so endet. Die Psalmvertonungen dazwischen sind bester Mozart, der Chor und Solistenquartett – Katharina Persicke, Sopran, Anne Catherine Wagner, Alt, Thomas Gremmelpacher, Tenor, und Phlipp Niederberger, Bass – kunstvoll und auf das Engste verzahnt. Ein Höhepunkt ist der Psalm 113, "Laudate dominum", ein herrliches Sopransolo, großartig gesungen, mit makellosen Koloraturen und schön ausgehaltenen Bögen. Bravo.

Autor: rob