01. Juli 2010 17:11 Uhr
Neues Wasserkraftwerk in Gengenbach
Strom kommt künftig aus der Kinzig
Das erste Wasserkraftwerk des E-Werks Mittelbaden ist gestern in Gengenbach offiziell in Betrieb gegangen: Vorsitzender Helmut Nitschke bezeichnete das 3,8 Millionen-Projekt, das die Wasserkraft der Kinzig nutzt, als "innovativen und ökologischen Meilenstein" in der 100-jährigen Geschichte des Unternehmens.
GENGENBACH/LAHR. Bereits während des fünfwöchigen Probelaufs habe sich gezeigt, dass sich die Erwartungen an Technik und Ökonomie mehr als erfüllt hätten, so Nitschke und verwies auf die 300 000 Kilowattstunden Strom, die in diese Zeit erzeugt wurden: "Es läuft äußerst effizient." Künftig sollen 900 Haushalte über die neue Anlage mit CO2-freiem Strom aus heimischer Produktion versorgt werden. Nach Firmenangaben versorgt das E-Werk insgesamt rund 120 000 Haushalte.
Bei dem neuen Kraftwerk handelt es sich um einen Prototyp, dessen kompletter Körper beweglich im Wasser liegt. Die Anlage wird kontinuierlich vom Wasser über- und unterströmt: "Dadurch ist sichergestellt, dass Fische das Gewässer problemlos durchwandern können", wie Nitschke betonte. Ein zusätzlicher Fischauf- und -abstieg vervollständige die "ökologischen Bemühungen zur Durchgängigkeit der Kinzig". Weil sich die Anlage im Wasser befinde und kein Getriebe besitze, sei sie akustisch und optisch kaum wahrnehmbar: "Das ungestörte Rauschen der Kinzig wird auch Naturliebhaber überzeugen", so der E-Werk-Chef.
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Sein Dank galt den beteiligten Firmen, den Geschäftspartner und Erfindern der neuen Technik, Andreas und Peter Roth, Projektleiter Georg Schmid sowie dem Aufsichtsrat, der sich für die ökologische Ausrichtung eingesetzt habe.
Dessen Vorsitzende, Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner, ging auf die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko ein und unterstrich damit die Risiken, mit denen die Förderung fossiler Brennstoffe behaftet sei. Vor diesem Hintergrund freue sie sich besonders, dass jetzt das erste von drei Wasserkraftwerken an der Kinzig starte. Mit diesen Anlagen in Gengenbach, Offenburg und Hausach werde an vorindustrielle Traditionen angeknüpft, als in Europa einige zehntausend Wasserkraftwerke in Form von Mühlen betrieben wurden. Dank moderner Technik komme hier ein innovatives, besonders umweltfreundliches System zum Einsatz. Schreiner wertete es als Erfolg für die Region, dass das Projekt in das EU-Life-Programm der Europäischen Kommission aufgenommen wurde – als einziges in Baden-Württemberg. Es sei bis vor wenigen Jahren durchaus nicht selbstverständlich gewesen, in regenerative Energien zu investieren. Das E-Werk habe im Jahr 2009 rund 11,6 Millionen Euro in diesen Bereich gesteckt: "Wir werden dieses Volumen halten, wenn nicht sogar ausweiten", so Schreiner, auch wenn der Jahresüberschuss 2009 von 12,2 auf 11,4 Millionen Euro zurück ging.
Gengenbachs Bürgermeister Michael Roschach sprach von einem "epochalen Ereignis an historischer Stelle der Wasserkraftnutzung", denn die Firma Köhler baute an diesem Ort bereits 1900 ein erstes Kraftwerk, das 1920 von der Stadt übernommen wurde. Roschach hofft, dass die patentierte Anlage auch Tagestouristen anziehen werde.
Ins Reich der Ingenieurstechnik entführte Peter Roth die Gäste. Der Geschäftsführer der Hydro-Energie Roth stellte das Systemkraftwerk detailliert vor. Anfänglich "haben die Leute uns für verrückt erklärt", so Roth. Inzwischen übertreffe die Anlage die Erwartungen.
Autor: ges




