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26. Juli 2011

Tango Fives Abschiedssinfonie

KULTURSOMMER 1: Als geniale Musikcomedians verabschieden sich die Kultursommerstammgäste.

  1. Unter dem Motto „25 Jahre Bühnenknast“ machten sich Tango Five um Bernd Ruf (mit Klarinette) den Abschied von der Bühne leichter. Foto: Christoph Breithaupt

GENGENBACH. Die Sache selbst war höchst vergnüglich, auch wenn der Anlass ein Trauriger ist. Das Musikcomedy-Quartett "Tango Five" um den Gengenbacher Bernd Ruf wird es ab 2012 nicht mehr geben. Im Herbst geht man auf Abschiedstournee – mit einem "Best of"-Programm, was nach 25 Bühnenjahren eine angemessene Form des Adieu ist.

Beim Gengenbacher Kultursommer waren Ruf und die Kollegen Bobbi Fischer (Klavier), Veit Hübner (Bass) und Gregor Hübner (Geige) Stammgäste, und so haben sie die Premiere ihres Abschiedsprogramms "Schluss mit lustig" vorverlegt. Das Gastspiel in der restlos ausverkauften Gengenbacher Stadthalle war damit nicht nur der Abschluss des diesjährigen Kultursommers, sondern auch der Abschied von Bernd Rufs "Heimpublikum". Dass der Klarinettist das mit einem Dankeschön von der Bühne aus an den früheren Gengenbacher Stadtmusikdirektor Gerhard Geng verband, einen seiner frühesten Förderer, war eine schöne Geste.

Ruf hat eine Professur an der Musikhochschule Lübeck. Als Orchesterleiter arbeitete er mit Beatle Paul McCartney zusammen, begleitete Jon Lord von Deep Purple, Ian Anderson von Jethro Tull, dazu Jazzgrößen Randy Brecker oder Klaus Doldinger. Seine Crossover-Sinfonieprojekte – Irish Symphony, Gypsy Symphony und andere – waren in Lahr zu erleben.

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"Schluss mit lustig" beginnt mit einer neuen Nummer. Die vier Musiker treten als singende Sträflinge auf: "25 Jahre Bühnenknast – Schluss mit Tango Five" mit Männergesangverein-Attitüde. Dann gibt es eine filmische Rückschau auf die Anfänge. Bis hierhin ist alles mehr melancholisch. Dann geht es Schlag auf Schlag. Alte Programme werden ausgeschlachtet und neu zusammengesetzt. Auch wenn man vieles kennt: Es macht Laune. Da gibt es ein herrliches Barbershop-Quartett – jene A-Cappella-Musik, die in den 1920er Jahren in den USA beim Friseur entstand. Während des Wartens auf den Haarschnitt sang die Kundschaft vierstimmig. Tango Five verpassen sich während des Quartett-Singens gegenseitig eine Rasur, mit Schaum ums Kinn und Messer an der Wange. Köstlich.

Vermischung von Rudi Carell und Antonio Vivaldi

Grandios ist ihre Vermischung von "Wann wird’s mal wieder richtig Sommer" mit dem Frühling aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten". Ein Glanzlicht: Leroy Andersons Musikstück "Typewriter", zu dem Bobbi Fischer den Rhythmus auf einer mit Tonabnehmer präparierten Schreibmaschine beisteuert. Nicht nur das Tippen, auch das Papier einspannen, das Umschalten auf die nächste Zeile sowie das Herauszerren und Zerknüllen des Blatts werden rhythmisch eingesetzt. Das kann der PC nicht.

Es gibt eine herrliche Schubert-Parodie – die vier spielen nicht nur gemeinsam ein Dutzend verschiedene Instrumente, sie sind auch großartige Sänger! Es folgt eine bittere Parodie, in der sich Musiker als Kaufhauswerbeträger verdingen und zu dezentem Bar-Jazz Sonderangebote singen: "Brombeerblätter-Tee, heut nur 55 Cent …" Ein Glanzlicht – damals aus ihrem Olympia-Programm "Go vor Gold" – ist das Blockflöten-Synchronschwimmen: Bachs "Air" live gespielt mit Bademützen und mit vierfach synchronen Schwimmbewegungen. Der Applaus war mehr als rauschend.

Doch, liebe Tango Fiveler, wir wissen, was wir verlieren! Ein kleiner Trost: Im Oktober besuchen sie die Reithalle. Auch wollen sie als reines Musik-Ensemble weitermachen, wie Bernd Ruf erklärte. Eine diesbezügliche Kostprobe wurde gleich beigefügt, und die war brillant.

Autor: Robert Ullmann