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20. Dezember 2011

Unforciert in die Weihnachtsstimmung

Kammerorchester Karl Rubi zaubert Weihnachtlichkeit ohne die typischen Kompositionsauswahl.

OFFENBURG. Ein musikalisches Adventsprogramm mit dem "Sommer" von Vivaldi zu beenden – das hat ’was. Wenn man die kurzfristige Programmänderung bedenkt, keimt der Verdacht: Das war Absicht. Schließlich beinhaltet das Werk die musikalische Beschreibung eines Sturms, und wir hatten ja soeben das Sturmtief Joachim ohne allzu große Schäden glücklich überstanden.

Wie dem auch sei, der "Sommer" inklusive Sturmgebraus, dargeboten vom Kammerorchester Karl Rubi mit Konzertmeister und Leiter Frank Schilli als Solist, war eine beeindruckende Sache und zeigte, was für ein klasse Musiker der bescheidene Frank Schilli ist. Bei ihm ist immer Gefühl für das Melodische, die Stimmung, den Charme eines Werks. Aber eben nie zu viel Gefühl. Frank Schilli ist kitschsicher.

Die Kammermusik zum Vierten Advent, vor vielen Jahren begründet von Karl Rubi, gehört zu den geliebten Traditionen der Offenburger. Das Sankt-Andreas-Kirchlein war am Sonntag zweimal ausverkauft. Dass eine Gruppe von exzellenten Musikern um Frank und Rolf Schilli – auch der dritte der Brüder, der Cembalist Markus Schilli, wirkt mit – nach Rubis wohlverdientem Rückzug ins Private diese Tradition fortsetzen, ist erfreulich. Das Programm war diesmal noch reizvoller als sonst, und es war superschön dargeboten, mit dem festlich-fröhlichen Brandenburgischen Konzert Numero 6 als Einstieg. Dem folgte das Haydn-Divertimento mit dem Titel "La Chasse – Die Jagd", eigentlich kein Weihnachtsthema und doch ...

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Das Werk beginnt mit wirbelnden Streichern, mit freudiger Aufgeregtheit, kecken Rufen und fröhlicher Antwort, alles voller Leichtigkeit, da ist nicht eine Note forciert. Das Menuett ist friedvoll, getragen. Haydn spielt mit den Klangfarben, setzt dem Tuttiklang einzelne Stimmgruppen entgegen, etwa wenn plötzlich nur noch die ersten und zweiten Geigen zu hören sind, sich teilen, in einer anmutigen Bewegung wieder finden und zuletzt von den Bratschen, von Celli und Kontrabass wieder ins Tutti eingebettet werden. Ganz anders in der Stimmung ist das Adagio. Die Eingangsequenz monoton, kaum melodische Bewegung, dann ein inniges Thema, das nur ein bisschen Forcierung braucht, um kitschig zu wirken. Doch das wundervolle Kammerorchester ist voller Zurückhaltung, lässt die Musik sich entfalten wie eine Blüte in der Sonne, schlicht, schön, ohne Eile, und es rührt die Seele an.

Danach wirkt der Sprung in die tiefste Romantik mit Tschaikowskis "Souvenir de Florence" schon fast aufdringlich. Der Orchesterklang ist hier satt-füllig, dem Thema angemessen. Es gibt wundervolle Interaktionen, zwischen Geige und Cello, Cello und Kontrabass, zwischen Pizzicato- und gestrichenem Klang, dazu schön getupfte Walzerrhythmik und viel romantischer Schwung.

Gershwins "Lullabye" entzückt mit charmantem Humor und US-amerikanischen Melodiewendungen. Flott gespielt, wäre das eine Art Charleston. Das Kammerorchester Karl Rubi schuf eine weihnachtliche, festliche, friedvolle Stimmung – und das mit einem Programm, das die Häfen allzu bewusster "Weihnachtlichkeit" vollkommen mied.

Autor: rob