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22. Juni 2011

Wortkaskaden wie Kirschkerne ausgespuckt

Pe Werner zelebriert beim zweiten Gengenbacher Kultursommerevent einen furiosen Auftritt mit alten Gassenhauern.

  1. Pe Werner beim Kultursommer Foto: Peter Heck

GENGENBACH. Mit ihrem annähernd zweistündigen, spritzig-frechen Non-Stop-Programm hat Powerfrau Pe Werner am Sonntagabend in der nahezu ausverkauften Gengenbacher Stadthalle am Nollen für jede Menge Kribbeln gesorgt und dafür immer wieder Szenenapplaus sowie stehende Ovationen am Schluss eingeheimst. Als ebenbürtiger musikalischer Begleiter hat Peter Grabinger am Piano überzeugt.

Dass diese Frau ein ganz ausgekochtes Weibsbild ist, darauf war man ja schon vor dem Konzert gefasst. Bringt sie doch seit Jahren alles andere als gefällige Popsöngchen auf den Markt, sondern neigt eher dazu, auch mal mit der Text-Keule auszuholen und zum Rundumschlag anzusetzen gegen abgestandene Beziehungs-Kisten, oberflächliches Etepetete-Gehabe, soziale Ungerechtigkeiten und ähnliches Ungemach. Für so manch frauentypische Seelenpein hatte sie auch die passenden Trostpflastersteine auf Lager. Welche Risiken und Nebenwirkungen es aber in sich birgt, sie nicht nur als äußerst vielseitige Sängerin, sondern auch als talentierte Schauspielerin live auf der Bühne zu erleben – Stimmungs-Doping mit der Gefahr kollektiver Lachkrämpfe, Kontroll-Verlust, hemmungsloses Mitsingen beispielsweise – , davon hatten wohl die wenigsten Besucher im Voraus auch nur die leiseste Ahnung. Zumal auch der Titel des Programms "Eine Nacht voller Seligkeit" das Publikum zunächst kräftig an der Nase herumführt: Wer dahinter zuckersüß-klebrige, sämig ins Ohr rinnende, vor Verliebtheit strotzende Säuseleien vermutet, dem wird schon bei den ersten paar Stücken klar, dass Pe Werner darunter etwas völlig anderes versteht.

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Keine Nacht voller

sentimentaler Seligkeit

Da ist es ein rasantes Vergnügen, ihr dabei zuzuhören, wie sie Wortkaskaden lässig wie Kirschkerne aus dem Mund spuckt. Rotzfrech, prickelnd, schamlos, naiv, aufreizend, unflätig – jedes Mal so, wie es zu den Liedern passt, die sie drum herumgebaut hat. Und das sind beileibe nicht nur die bekannten Gassenhauer und Evergreens vergangener Zeiten wie "Die Männer sind alle Verbrecher", "Bel Ami", oder "Komm’ ein bisschen mit nach Italien", die sie teils im Duett mit Peter Grabinger sowie teils unter interaktiver Beteiligung des Publikums vorträgt.

Was Pe Werner da zusammengestellt hat, ist ein gnadenlos witziger gespielter und gesungener Durchmarsch durch exakt die Jahrzehnte der (aus heutiger Sicht zugegeben oft lächerlich seichten) Schlager- und Zeitgeschichte, die auch das Publikum am eigenen Leib erlebt hat. Ob Hitparade, Werbeslogans, Familien-Idylle, Wirtschaftswunder oder Kultautos – alles und jedes bekommt sein ironisches Fett ab. Auch vor einer Abrechnung mit der Nazizeit macht Werner nicht halt und bringt damit für ein paar Momente nachdenkliche Stille in den Saal.

Als letzte Zugabe nach knapp zwei Stunden vergnügter Unterhaltung durfte dann natürlich der Song nicht fehlen, der auf dem Ticket mit dem Motto "Gengenbach kribbelt" schon angekündigt war und mit dem Pe Werner den Durchbruch als Künstlerin geschafft hatte: "Kribbeln im Bauch".

Autor: Ulrike Le Bars