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20. August 2011
Zwei Ziele, die gut zusammenpassen
Sambuca-Verein setzt auf die Kooperation mit Jugendlichen.
ETTENHEIM-ETTENHEIMMÜNSTER (iko/fi). Als einen Ort der Begegnung und Meditation verstehen die Mitglieder des Vereins Sambuca das Areal am östlichen Ortseingang von Ettenheimmünster. Im ehemaligen Klostergarten soll schon bald das Sambuca-Zentrum stehen, ein Zentrum für altes und neues Heilpflanzenwissen.
Ein wichtiges Element dieses Zentrums bestimmt indes schon seit Jahren und in aller Stille die Arbeit des Vereins vor Ort: die Kooperation mit behinderten Menschen, speziell mit Schülern der Georg-Wimmer-Schule in Lahr. Die jeweiligen Schüler der Abschlussklasse der Lahrer Einrichtung für körperlich und geistig behinderte junge Menschen sind schon seit einem halben Jahrzehnt auf dem Gelände anzutreffen. Sambuca biete den Schülerinnen und Schülern ideale Voraussetzungen, das in der Schule Erlernte auch außerhalb des geschützten Raumes Schule anzuwenden. Sie erhalten dabei das Gefühl, dass ihre Arbeit wichtig ist und einen Wert hat. Genau diese Erfahrung ist den Pädagogen sowohl an der Schule als auch bei Sambuca wichtig.Aus der Kooperation ist inzwischen auch eine feste Konzeption des Vereins geworden, nach Fertigstellung des Zentrums für eben diese Menschen "mit einer besonderen Begabung" – "das Wort Behinderte benutzen wir nicht so gerne", erklärt Heilpädagogin Ursula Gersdorf – feste Arbeitsplätze in Ettenheimmünster zu schaffen.
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Unterdessen ist auch festzuhalten, dass da zwei Ziele – das der Schule und das des Vereins – ganz gut zusammen passen. Denn der an aktiven Mitgliedern noch kleine Verein kann beim Aufbau des Heilpflanzenzentrums jede helfende Hand gebrauchen. Und die besonderen Begleitumstände in der Zusammenarbeit mit Menschen mit einem Handicap entwickeln sich bei Sambuca erst gar nicht zu einem Problem, denn die Vereinsmitglieder wussten von vorneherein, worauf sie achten müssen und worauf sie sich einlassen, erklärt Heike Korus, die Vorsitzende des Sambuca-Vereins. Darüber hinaus wurde inzwischen schon ein dichtes Netz zu Heilpädagogen, Schulen und Therapeuten geschaffen.
Und wie sah der Arbeitstag für die Georg-Wimmer-Schüler bei Sambuca aus? Bei Wind und Wetter haben sie auf der Anlage Wege angelegt, bereiteten ein Kartoffelbeet vor, sammelten Kräuter, aus denen Balsam gemacht wurde, oder lernten, wie herrlich ein Kräutertee duften kann und wie es noch schöner sein kann, die Kräuter hierfür selbst zu sammeln und zu mischen.
Dazu wurde in der Jurte, die als Seminarraum dient, auf einem Holzofen gemeinsam gekocht und und dazu Gemüse geschnippelt, Holz gehackt, Feuer gemacht. Stupide beschäftigt wird hier niemand, jeder lernt unverzichtbare Fähigkeiten. "Anfangs konnten das viele Kinder nicht", erinnert sich Korus, "aber inzwischen sehen die Kinder und Jugendlichen selbst, wo etwas getan werden muss und ergreifen die Initiative. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung hin zu einem selbständigen Leben."
Auch Claudia Krämer, Mutter von Franziska (21), sieht den Fortschritt ihrer Tochter: "Sie schwärmt immer, wenn ich sie abhole, und die Herzlichkeit hier hilft auch uns Eltern." Jessica (20) hat durch das Projekt gelernt, selbstständig öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen und kommt allein von Reichenbach nach Ettenheimmünster. Sie hofft, einmal im fertigen Sambuca-Zentrum eine Arbeitsstelle zu finden: "Mir gefällt’s hier, ich will gar nicht mehr weg!"
Bis dahin muss der Verein allerdings noch ein Stück Weg zurücklegen, denn noch sind bei den Behörden die letzten Signale nicht auf Grün gestellt, um den Startschuss für den Bau des Zentrums mit mehreren Gebäuden zu geben, das ein Gesamtinvestitionsvolumen von rund fünf Millionen Euro beinhaltet. Finanziert soll das Projekt von den Mitgliedern, von Sponsoren und auch über Fördermittel des Landes werden.
Autor: iko
