Pfarrer Zimmermann ist gestorben

Geprägt von tiefer Frömmigkeit und großer Menschlichkeit

Hans Loritz

Von Hans Loritz

Mo, 11. Februar 2019 um 14:12 Uhr

Wehr

Pfarrer Josef Zimmermann ist an seinem 88. Geburtstag gestorben. Sein Engagement und selbstloser Dienst reichten weit über "seine" Pfarrei St. Ulrich Öflingen hinaus

Am Sonntag hätte Pfarrer Josef Zimmermann den 88. Geburtstag feiern können. Doch just an diesem Tag schloss der beliebte katholische Geistliche, versehen mit den Sterbesakramenten, für immer die Augen. Der einstige Seelsorger der Pfarrei St. Ulrich Öflingen wird vielen fehlen.

Aufgewachsen in Slowenien, erlebte Josef Zimmermann als Junge die Unterdrückung seines Volkes durch die deutschen Besatzer. Auch die ihn prägenden Salesianer-Patres wurden aus der Heimat vertrieben. Diese hatten in ihm den Grundstein für den Wunsch gelegt, Priester zu werden. Seine Eltern unterstützen ihn darin, obwohl es damals keine einfache Zeit war. Nach Kriegsende zerstörten die neuen kommunistischen Machthaber die Illusion der Freiheit. Schon als Student der Theologie war er Repressalien durch Lehrer und den kommunistischen Geheimdienst ausgesetzt. Dies konnte Zimmermann aber nicht von seinem Berufsziel abhalten. Am 29. Juni 1958 wurde er im slowenischen Maribor zum Priester geweiht.

Zimmermann wurde zunächst zwölf Jahre in seiner Heimatdiözese Maribor eingesetzt, wo er sich als engagierter Seelsorger auszeichnete. Als immer mehr jugoslawische Menschen in die Bundesrepublik kamen, um hier zu arbeiten, so entstand bei ihnen der Wunsch nach einer Migrantenseelsorge. Zimmermann verweigerte sich der an ihn gerichteten Bitte seines Bischofs nicht und kam 1970 für fünf Jahre nach Mannheim. Ihm wurde die Seelsorge für slowenische Migranten der Diözesen Speyer und Trier übertragen. Er hat viele weite Wege auf sich genommen, um seine Landsleute zu erreichen und ihnen in schweren Stunden beizustehen. Mit ganzem Herzen hat er sich dieser Aufgabe gewidmet, freute sich aber auch, als er nach fünf Jahren wieder in seine Heimat berufen wurde, um die Pfarrei Majsperk zu betreuen.

Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Alsbald trat der Kommunistische Geheimdienst an ihn heran und wollte ihn als Mitarbeiter gewinnen. Er sollte über seine Landsleute in Deutschland und in seiner Pfarrei berichten. Als er dies ablehnte, wurde der Druck immer stärker und es wurden schwerste Repressalien und Haft angedroht. In Abstimmung mit seinem Bischof verließ er Slowenien und floh nach Deutschland. In der Diözese Freiburg freute man sich über den bereits bekannten engagierten Priester. Ab 1976 unterstützte er zunächst in der Pfarrei March-Hugstetten den Pfarrer.

Nach wenigen Wochen wurde er nach Öflingen entsandt, um dort die Pfarrgemeinde St. Ulrich zu betreuen, die ihm danach endgültig übertragen wurde. Für die Katholiken von Öflingen war dies etwas Ungewohntes. Ein Pfarrer, der nicht geschliffen Deutsch sprechen konnte und schon gar nicht Alemannisch. Doch schon bald überzeugte er durch seine großen theologischen Kenntnisse, seine tiefe Frömmigkeit und große Menschlichkeit. Auch ist er immer ein bescheidener Mensch mit großem Pflichtbewusstsein geblieben. In dieser Zeit wurden das 75-Jahre-Jubiläum der Pfarrkirche St. Ulrich gefeiert, die Kirche außen renoviert und das neue Pfarrheim gebaut.

Am 13. September 1982 wurden Zimmermann die Pfarrei St. Maria zum Schnee in Wallbach und die Kranken- und Kurseelsorge in Bad Säckingen übertragen. Gerade die Betreuung kranker und schwerkranker Menschen war ihm eine Herzensangelegenheit. Vielen Menschen konnte er in schwierigsten Situationen Trost spenden. Daneben betreute er eine Blindengruppe und von 1991 bis 1994 noch die Pfarrei Heilig Kreuz in Bad Säckingen als Pfarrverweser.

Als Josef Zimmermann 1998 mit 67 Jahren in den Ruhestand ging, war dies der Beginn eines Unruhestandes. Er bezog eine Wohnung in Öflingen-Oberdorf und unterstützte das Gemeindeleben der Seelsorgeeinheit Wehr-Öflingen-Schwörstadt als Subsidiar tatkräftig und war für Pfarrer Matthias Kirner eine große Stütze. Kein Gottesdienst, keine Andacht war ihm zu viel. Pfarrer Zimmermann war immer bereit für den Dienst an seiner Kirche und den Menschen. Viele Gläubige aus Öflingen suchten immer wieder dankbar das Gespräch mit ihm.

Umso trauriger waren sie, als sie miterlebten, wie eine schwere Krankheit an seinen Kräften zehrte, so dass er nach und nach seine Dienste einschränken musste. Zuletzt lebte er eher zurückgezogen in seiner Wohnung und wurde von Schwester Bernada – einer ehemaligen Krankenschwester, die mit ihm verwandt ist – liebevoll betreut. Vor einem Jahr konnte er noch zusammen mit Pfarrer Kirner und slowenischen Priesterkollegen sein 60-jähriges Priesterjubiläum feiern. Obwohl gesundheitlich schon schwer angeschlagen konnte man ihm die Freude ansehen, nochmals mit vielen Zelebranten einen feierlichen Gottesdienst zu feiern.

Tod der vertrauten Betreuerin war schwerer Schicksalsschlag

Am 8. Januar dieses Jahres traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag, als Schwester Bernada für alle überraschend in der Nacht gestorben ist. Aufgrund seines Gesundheitszustandes und des Schocks wurde er sofort in das Krankenhaus Waldshut eingeliefert. Den Ärzten war sofort klar, dass er nicht mehr in seine Wohnung würde zurückkehren können. So wurde er in das Pflegeheim der Bürgerstiftung Wehr verlegt. So wie er immer bescheiden als Priester gelebt hatte, fand er sich mit der Situation ab und nahm die Pflege dankbar an. Doch wer ihn näher kannte, konnte erahnen, dass die Tage gezählt sind. Die Krankensalbung und einen Gottesdienst von Pfarrer Zimmermann nahm er zufrieden an, obwohl er zum Reden schon zu schwach war.