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17. August 2012 13:28 Uhr

Moskau

Gericht: Zwei Jahre Haft für Pussy Riot

Im Prozess gegen die Punkband Pussy Riot hat ein Gericht in Moskau drei Gegnerinnen von Kremlchef Wladimir Putin wegen Rowdytums aus religiösem Hass zu zwei Jahren Haft verurteilt.

  1. Das Punkgebet gegen Kremlchef Wladimir Putin in einer Moskauer Kirche. Foto: dapd

  2. Die Künstlerinnen vor Gericht. Foto: dpa

Die Angeklagten hätten mit ihrem Protest in der Erlöserkathedrale in Moskau am 21. Februar die Gefühle der Gläubigen auf das Gröbste verletzen wollen, urteilte Richterin Marina Syrowa. Die Untersuchungshaft von einem halben Jahr wird auf die Haft angerechnet.

Vor dem Gericht protestierten zahlreiche Anhänger der jungen Künstlerinnen gegen den Schuldspruch. Die Polizei nahm mehrere Menschen fest, darunter die Oppositionsführer Sergej Udalzow und Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow. Der Menschenrechtsbeauftragte des Kreml Michail Fedotow nannte den Schuldspruch einen gefährlichen Präzedenzfall, wie die Agentur Interfax meldete. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte den Schuldspruch.

Amnesty geht davon aus, dass die Frauen nur aufgrund ihrer legitimen Meinungsäußerung verurteilt wurden. Deshalb seien sie politische Gefangene.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die Aktivistinnen Nadeschda Tolokonnikowa (22), Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (30) drei Jahre Gefängnis beantragt, die Verteidigung Freispruch.

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Die Künstlerinnen hatten in der Erlöserkathedrale ein Punkgebet gegen Putin und den russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill aufgeführt. Insgesamt hatten die Ermittler 3000 Seiten Unterlagen zu dem etwa einminütigen Gebet zusammengetragen. Die Frauen verfolgten die Urteilsverkündung sichtlich gelassen in einem Kasten aus Plexiglas im Stehen.

Die Anwälte von Pussy Riot wollen das Urteil in der nächsten Instanz anfechten. Einem Gnadengesuch an Putin erteilten die Künstlerinnen schon im Vorfeld eine klare Absage. "Machen Sie Witze? Natürlich nicht. Eher sollte er uns und Sie um Gnade bitten", schrieb Tolokonnikowa der regierungskritischen Zeitung Nowaja Gaseta.

Sie glaube nicht an ein unabhängiges Urteil, meinte die Aktivistin weiter. "Das ist eine Illusion", hieß es. "Wir sind glücklich, dass wir unabsichtlich das Epizentrum eines großen politischen Geschehens geworden sind, das so viele verschiedene Gruppen einbezieht", meinte Tolokonnikowa. Eine Flucht ins Exil lehnte sie wie ihre Mitangeklagten ab. Die Organisation Amnesty International erkennt die Frauen als politische Gefangenen an.

Weltweit demonstrierten Menschen für eine Freilassung von Pussy Riot, darunter auch in Berlin (Fotos). In Moskau und Bulgarien stülpten Anhänger der jungen Frauen Denkmälern bunte Sturmhauben über, das Markenzeichen von Pussy Riot. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew fällte eine Aktivistin der feministischen Gruppe Femen ein großes Holzkreuz mit einer Motorsäge. Ultranationalisten und strenggläubige orthodoxe Christen demonstrierten hingegen für eine Verurteilung.
Pussy Riot

Die feministische Punkband Pussy Riot gründete sich im Herbst 2011 in Moskau, ihr gehören etwa zehn junge Frauen an. Die Mitglieder traten seither auf öffentlichen Plätzen mit Protestaktionen gegen den Kreml und Demokratiedefizite in Russland in Erscheinung. Dabei trugen die Teilnehmerinnen bunte Masken mit Augenschlitzen.
Drei Mitglieder der Band standen seit Juli in Moskau wegen eines nicht genehmigten Kurzauftritts in der orthodoxen Christ-Erlöser-Kathedrale vor Gericht. Mit einem "Punkgebet" hatten sie dort am 21. Februar gegen Wladimir Putin demonstriert, der damals für das Präsidentenamt kandidierte. Den Aktivistinnen wird Rowdytum und religiöse Hetze vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft hat drei Jahre Haft beantragt. Das Urteil soll am Freitagmittag verkündet werden.
Die drei angeklagten Frauen, die seit Anfang März in Untersuchungshaft sitzen, sind:
  • Maria (Mascha) Aljochina (24), Journalistik-Studentin, Dichterin und Umweltschützerin, Mutter eines fünfjährigen Sohnes.
  • Nadeschda (Nadja) Tolokonnikowa (22), Philosophie-Studentin, Mutter einer vierjährigen Tochter, wirkte schon früher bei kremlkritischen Kunstaktionen mit.
  • Jekaterina (Katja) Samuzewitsch (30), Informatikerin und Künstlerin, hat ein Fotografie-Studium absolviert, nahm schon in der Vergangenheit an Aktionen der radikalen Kunstszene teil.

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Autor: unseren Agenturen, aktualisiert um 16 Uhr