Airbus

Gestrichene Arbeitsplätze sollen an anderer Stelle ersetzt werden

Thomas Magenheim

Von Thomas Magenheim

Do, 08. März 2018 um 11:03 Uhr

Wirtschaft

Das Luftfahrtunternehmen hat Schwierigkeiten. 3700 Arbeitsplätze sind bedroht. Doch der Konzern verspricht, dass nicht benötigte Mitarbeiter an anderen Stellen unterkommen.

Schwierigkeiten mit dem weltgrößten Passagierflugzeug A 380 und dem Militärtransporter A 400 M bedrohen beim Flugzeugbauer Airbus 3700 Arbeitsplätze. Weil aber gleichzeitig andere Flugzeugprogramme boomen, will Airbus die beim A 380 und 400 M nicht benötigten Mitarbeiter vorzugsweise konzernintern verlagern.

Darüber hat das Unternehmen am Mittwoch den europäischen Gesamtbetriebsrat am Firmensitz Toulouse sowie Betroffene an mehreren Standorten auch in Deutschland informiert. Über den Jobabbau würden nun Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen. In welchem Ausmaß es einzelne Werke trifft, sagt der Flugzeugbauer nicht. "Airbus ist zuversichtlich, den meisten der betroffenen Mitarbeitern in Programmen, die sich derzeit im Hochlauf befinden, neue Stellen innerhalb des Unternehmens anbieten zu können", gab der Konzern bekannt. Mit einer solchen Praxis habe man Erfahrung und sei dabei schon in der Vergangenheit erfolgreich gewesen.

Bei Premium Aerotec in Augsburg sollen Stellen gestrichen werden

Härter treffen könnte es Leiharbeiter. So will der Bayerische Rundfunk erfahren haben, dass bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec in Augsburg mehrere hundert Leihkräfte ihre Jobs verlieren.

Wie groß die Schwierigkeiten bei den beiden Krisenprogrammen sind, zeigt die Drosselung der Produktion beider Flugzeuge. Beim A 380 soll sie bis 2020 auf jährlich nur noch sechs Maschinen halbiert, beim A 400 M im gleichen Zeitraum von 15 auf acht Flugzeuge reduziert werden. Bei beiden Problemfliegern hat Airbus aber die Hoffnung auf neue Aufträge noch nicht aufgegeben. Bei einem Produktlebenszyklus, der sich bei Flugzeugen in mehreren Jahrzehnten bemisst, ist das nicht völlig illusorisch.

A 320 neo ist ein Verkaufsschlager

Abgesehen von den Problemfliegern sitzt Airbus auf vollen Auftragsbüchern. Der Nettogewinn lag im Vorjahr bei fast drei Milliarden Euro. 2017 sind die Bestellungen um fast ein Fünftel auf 158 Milliarden Euro gestiegen. Der Auftragsbestand summiert sich auf 997 Milliarden Euro für 7300 Flugzeugbestellungen. Um diesen Berg abzuarbeiten, werden die Kapazitäten derzeit für besonders wachstumsträchtigen Flugzeugmodelle wie den Verkaufsschlager A 320 neo oder den Langstreckenflieger A 350 aufgestockt.

Die Fertigung der A 380, die einmal mit großen Hoffnungen und Milliardenaufwand entwickelt worden ist, stand dagegen sogar ganz vor dem Aus. Dann hat die Fluggesellschaft Emirates als Airbus-Großkunde das Überleben des Programms in letzter Minute gesichert.

Beim A 400 M hat sich der Konzern übernommen und Bestellern wie Deutschland Flugeigenschaften versprochen, die der Flieger trotz langer Projektverzögerung immer noch nicht erreicht. Die Vertragsstrafen dafür summieren sich mittlerweile auf acht Milliarden Euro.

Die Augsburger Airbus-Tochter könnte für Lösungen Pate stehen

Wie eine interne Jobverlagerung funktionieren könnte, zeigt das Beispiel der Augsburger Airbus-Tochter. Dort werden zwar Teile des Rumpfs der A 400 M gebaut und Komponenten für den A 380, aber auch Teile für vorzüglich laufende Modelle. Da die Arbeiten vergleichbar sind, kann Personal relativ einfach von einem zu einem anderen Modell verschoben werden. Relativ unkompliziert wäre es auch, gefragte Flieger wie den A 350 in Hamburger Werkshallen zu lackieren, die wegen der Flaute beim A 380 leerstehen.

Betroffen sind Beschäftigte wohl nicht nur in Augsburg und Hamburg, sondern auch in Bremen und Stade, dem britischen Filton und vor allem am Ort der Endmontage des A 400 M im spanischen Sevilla.