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11. August 2009 06:12 Uhr

FAQ

Fragen und Antworten: Was tun gegen Schweinegrippe?

Küssen verboten: Das Schweinegrippenvirus scheint nichts mehr aufzuhalten – 9213 Fälle meldete die Überwachungsbehörde Robert-Koch-Institut zuletzt. Wir geben Antwort auf die wichtigsten Fragen.

  1. Hände waschen ist das A und O im Kampf gegen die Schweinegrippe. Foto: ddp

  2. Ein Arzt schützt sich und seine Patienten vor der Schweinegrippe. Foto: dpa

In Deutschland haben sich zwar 162 angesteckt, während die restlichen Betroffenen die Grippe als ungewolltes Souvenir aus dem Urlaub mitbrachten. Dennoch lautet die Einschätzung der Seuchenwächter: Die weltweite Ausbreitung der Grippe ist nicht zu stoppen – auch in Deutschland nicht. Zeit also, sich mit dem Erreger vertraut zu machen. Ein kurzer Steckbrief mit den wichtigsten Informationen

Woran erkenne ich, ob ich mich angesteckt habe?
Im Prinzip kommt die Schweinegrippe daher wie eine normale Grippe. Plötzliches hohes Fieber stellt sich ein, meist begleitet von Kopf- und Gliederschmerzen, trockenem Husten, Mattigkeit und fehlendem Appetit. In manchen Fällen klagen die Betroffenen auch über Übelkeit und Darmbeschwerden. Dies alles sind aber nur Verdachtsmomente, letztendlich klären, ob dahinter tatsächlich das Schweinegrippe-Virus H1N1 steckt, kann nur der Arzt im Labor.

Wie steckt man sich an?
Bisher deuten alle Erkenntnisse darauf hin, dass das Virus genauso übertragen wird wie seine Verwandten, die Erreger der gewöhnlichen, saisonalen Grippe. Beim Sprechen, besonders aber beim Husten und Niesen entstehen kleine Tröpfchen, diese können die Viren durch die Luft auf die Schleimhäute anderer Personen übertragen. Am wahrscheinlichsten ist eine solche Infektion in einem Abstand von bis zu einem Meter zwischen kranker und gesunder Person. Eine Übertragung per Tröpfchen ist aber auch in bis zu zwei Meter Entfernung möglich. In Einzelfällen kann man sich sogar in einem Abstand von drei Metern noch nicht sicher fühlen.

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Vermutlich kann die Übertragung aber auch über Oberflächen wie Türgriffe oder Tischplatten erfolgen, wenn diese mit virenhaltigen Sekreten verunreinigt sind. Über die Hand gelangen die Erreger dann in Nase oder Mund des Betroffenen. Wie hoch die Erfolgsquote von H1N1 ist, wenn er über diesen Umweg den Patienten entert, ist nicht bekannt.

Wie lange dauert es, bis Symptome auftreten?
Ähnlich wie bei der saisonalen Grippe braucht der Erreger einige Zeit, bis er sich von den Schleimhäuten in die Zellen des Infizierten vorgearbeitet hat. Erst nach ein bis vier Tagen treten Symptome auf. Das Gemeine ist, dass die Patienten aber oft schon vorher – weniger als 24 Stunden nach dem Viruskontakt – selbst ansteckend sind. Ohne dass Husten oder laufende Nase den Mitmenschen warnen. Sicher in der Gegenwart des Infizierten darf man sich laut dem Berliner RKI erst eine Woche nach deren Virenkontakt fühlen.

Was soll man tun, wenn man befürchtet, erkrankt zu sein?
Die erste Reaktion sollte ein Anruf beim Hausarzt sein – ein Anruf wohlgemerkt, kein Besuch. Die Vorwarnung am Telefon gibt dem Mediziner Gelegenheit, sich selbst zu schützen, und verhindert, dass man im Wartezimmer noch andere Patienten ansteckt. Auch generell sollte enger Kontakt zu anderen Menschen vermieden werden. Öffentliche Verkehrsmittel sind tabu, beim Husten und Niesen empfiehlt es sich, Mund und Nase zu bedecken – und sei es nur mit dem Ärmel. Das Einmaltempo sollte das Stofftaschentuch ablösen und sicher entsorgt werden. Weitere Ratschläge für den Infizierten: Räume intensiv belüften und vor allem, solange man krank ist zu Hause und fern der Arbeit zu bleiben.

Kann man dem Ergebnis des Labortests trauen?
Dem Ergebnis des Labortests schon, nicht aber dem des sogenannten Schnelltests. Eine solche "patientennahe Diagnostik mittels Antigennachweis" übersieht nämlich in rund der Hälfte eine H1N1-Infektion. Wird die Probe vom Arzt dagegen in ein Labor zum PCR-Test eingeschickt, ist an dem Ergebnis selten zu rütteln.

Wie kann ich vermeiden, mich anzustecken?
Vor allem durch das Einhalten wichtiger Hygieneregeln:
  • Vermeiden Sie einem Infizierten die Hand zu geben und ihn mit den Fingern an Auge, Nase oder Mund zu berühren
  • Schluss ist mit Begrüßungsküsschen
  • Bleiben Sie größeren Menschenansammlungen wie Konzerten, Fußballspielen oder Volksfesten fern. Ist das nicht möglich, wird ein Mindestabstand von einem Meter zu anderen empfohlen.
  • Waschen Sie sich nach Personenkontakten gründlich die Hände, ebenso vor dem Essen und nach dem Toilettengang. Das Gleiche gilt nach dem Kontakt mit Gegenständen, die mit Sekreten des Erkrankten in Berührung gekommen sein könnten. Die Hände sollten dabei mindestens 20 bis 30 Sekunden lang mit Seife und Wasser oder mit Desinfektionsmitteln auf Alkoholbasis gereinigt werden.
Hilft eine Schutzmaske?
Eine Hygienemaske über Mund und Nase verringert in erster Linie die Anzahl der Erreger, die vom Kranken ausgeatmet werden. Vor dem Einatmen großer Tröpfchen oder Spritzer schützt die Maske nur in begrenztem Maße.

Wer muss besonders auf der Hut sein?
Sollte die Impfung im September tatsächlich kommen, stehen zuerst einmal Schwangere, chronisch Kranke wie Astmatiker oder Herzkranke und Menschen mit einem sehr schwachen Immunsystem auf der Liste. Nicht ohne Grund, denn wie die Fachzeitung Lancet berichtet, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangere mit einer H1N1-Infektion tatsächlich im Krankenhaus zu landen, viermal höher als beim Rest der Bevölkerung. Neben den Schwangeren wurde die Krankheit bisher wenn überhaupt, dann vor allem für chronisch Kranke lebensgefährlich. Fast alle bisherigen Schweinegrippeopfer hatten noch eine andere Krankheit oder eine Immunschwäche.

Wie gut hilft Tamiflu?
Zwar wurden schon in einzelnen Staaten Viren entdeckt, die resistent gegen das Anti-Virenmittel waren, aber bisher ist in Deutschland noch kein einziger derartiger Fall bekannt geworden. Eine Übertragung resistenter Viren auf andere Personen konnte laut Weltgesundheitsorganisation ebenfalls nicht nachgewiesen werden. Allerdings muss Tamiflu wie sein Verwandter, das Grippemittel Relenza, binnen 48 Stunden nach der Infektion eingenommen werden. Nur dann kann es die Dauer der Erkrankung um anderthalb Tage verkürzen und die Symptome mildern. Andere Grippemittel wirken nicht. Genauso wenig wie billige Tamiflu-Kopien aus dem Internet. Bei einem nicht-rezeptpflichtigen Präparat handelt es sich in der Regel um eine Fälschung mit manchmal gefährlichen Nebenwirkungen. Tamiflu bekommt man nicht ohne ärztliche Verschreibung und es sollte auch nicht ohne ärztliche Begleitung eingenommen werden – sonst drohen Resistenzen.

Autor: Michael Brendler