Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. Juli 2012 17:00 Uhr

Saison 2011/12 in Baden-Württemberg

Gewalt in Stadien: Zahl der Verletzten hat sich verdoppelt

Abgebrannte Pyros, Randale und Prügeleien: In der vergangenen Saison hat sich die Zahl der Verletzten bei Fußballspielen im Südwesten mehr als verdoppelt. Der Ruf nach einer Verschärfung der Stadionverbote wird lauter.

  1. Beim Spiel KSC gegen Eintracht Frankfurt zünden Frankfurter Fans Feuerwerkskörper. Foto: dpa

"Die zurückliegende Fußballsaison war rekordverdächtig. Allerdings nicht in sportlicher Hinsicht, sondern mit Blick auf die Ausschreitungen und die Gewalt", erklärte Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall bei der Konferenz "Sicherheit bei Fußballspielen" am Donnerstag in Stuttgart.

Im Vergleich zum Vorjahr habe sich in Baden-Württemberg die Zahl der Verletzten bei Fußballspielen in der Saison 2011/2012 mit 149 mehr als verdoppelt. Unter den Verletzten seien 68 unbeteiligte Zuschauer und 42 Polizisten gewesen – im Vorjahr waren es noch 12. Würden Spiele außerhalb des regulären Ligenbetriebs dazugezählt, liege die Zahl sogar bei 252 Verletzten.

"Darunter fallen Verletzungen durch Pyrotechnik, Auseinandersetzungen oder auch wenn jemand geschubst wurde", sagte Andreas Schanz, Leiter der Pressestelle des Innenministeriums, der Badischen Zeitung. So überschattete etwa Anfang April der unkontrollierte Einsatz von Pyrotechnik im Freiburger Fanblock des Mage-Solar-Stadions das Bundesligaspiel zwischen dem SC Freiburg und dem 1. FC Nürnberg. Eine Frau wurde verletzt.

Werbung


Verbände sollen über Stadionverbot entscheiden

Geht es nach dem Willen von Gall, sollen Stadionverbote künftig auch nicht mehr von den Vereinen verhängt werden, sondern von den Fußballverbänden. Eine entsprechende Stelle sollte beim Deutschen Fußball Bund (DFB) oder bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) angesiedelt werden, forderte der SPD-Politiker. Notwendig seien einheitliche Standards bei Stadionverboten auf Bundesebene. Die Schwelle müsse niedriger angesetzt werden, so Gall auf der Konferenz, an der auch Vertreter aller baden-württembergischen Vereine der ersten vier Ligen teilnahmen.

Wer sich vermumme oder im Stadion Pyrotechnik abbrenne, müsse ein Stadionverbot bekommen. Bei der Konferenz kritisierte Gall die Scheu einzelner Vereine, entsprechende Verbote zu erlassen. Deshalb sollten sich die Verbände dieses Themas annehmen. Diese verfügten über die notwendige Distanz gegenüber Problemfans und besäßen die erforderliche Neutralität. Gall sprach sich zugleich für eine bessere Zusammenarbeit vor Ort aus. In Einzelfällen müssten auch die Ordner besser geschult werden.

Derzeit würden größere Ausschreitungen oftmals nur durch ein hohes Kräfteaufgebot der Polizei verhindert. "Es ist aber keinesfalls Aufgabe der Polizei, strukturelle Defizite auszugleichen, für die ein Veranstalter verantwortlich ist", hob der Innenminister hervor.

SC Freiburg reagiert zurückhaltend

Beim SC Freiburg wurde die Forderung aus Stuttgart, die Stadionverbote in die Hand der Fußballverbände zu legen, zurückhaltend aufgenommen. "Wir haben in unserem Stadion das Hausrecht, und das nehmen wir auch wahr", sagte der erste Vorsitzende, Fritz Keller. In Freiburg versuche man das Gewalt- und Störpotenzial im Keim zu ersticken. Wer gegen geltendes Recht verstoße, beispielsweise in Sachen Pyrotechnik, werde schon heute konsequent ausgeschlossen.

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther unterstützte Galls Vorstoß. "Es wäre natürlich eine Erleichterung, wenn künftig das gesamte Stadionverbortsverfahren ein Verband zentral regelt." Er kritisierte aber die Polizei. Oftmals seien die Tatsachengrundlagen, die von der Polizei vorgelegt würden, zu dürftig. Wegen Fan-Randalen in der vergangenen Saison muss Fußball-Drittligist Karlsruher SC das erste Heimspiel am 28. Juli gegen den Halleschen FC voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen.

Nach Angaben des Innenministeriums wurden in der vergangenen Saison 2010/2011 bundesweit 11.900 Prüffälle für Einlassverbote vorgelegt und schließlich nur 983 Verbote verhängt. Aktuell gebe es bundesweit 3435 Stadionverbote, teilte Gerhard Klotter, der Inspekteur der Polizei mit. Im Südwesten gebe es aktuell 266 Verbote. Einem Stehplatzverbot in den Stadien steht Gall kritisch gegenüber. Der Fußball lebe auch von Emotionen. "Wenn ich mir den VIP-Bereich im Stadion anschaue, dann vermisse ich dort die Emotionen." Ein Stehplatzverbot komme nur infrage, wenn alles andere nicht mehr fruchte.

Mehr zum Thema:

Autor: sill, doe, mit dpa


8 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Die veröffentlichten Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

Frank Reiger

Registriert seit: 03.07.2012

Kommentare: 766

12. Juli 2012 - 18:22 Uhr

Müssen hier auch die Veranstalter die Kosten für die Polizei tragen wie bei Facebook Parties?

Verstoß gegen Netiquette melden

Alois M. Jung  

Alois M. Jung

Registriert seit: 25.04.2012

Kommentare: 247

12. Juli 2012 - 19:05 Uhr

Nein!
http://www.focus.de/sport/fussball/national-polizeieinsaetze-weiter-keine-kostenbeteiligung_aid_684268.html

Sehr wohl aber die Kosten für den Sicherheitsdienst innerhalb des Stadions. Die Polizei ist erstmal nur für die Bereiche außerhalb des Stadions zuständig.

Verstoß gegen Netiquette melden

Peter Pellin  

Peter Pellin

Registriert seit: 15.04.2011

Kommentare: 229

12. Juli 2012 - 19:24 Uhr

riesige Sprenkleranlagen über den Sitz- und Stehplätzen, wenn dann ein Bengalo o.ä. hochgeht, werden diese einfach eingeschalten...Feuer aus!

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Felix Weber

Registriert seit: 31.01.2011

Kommentare: 40

12. Juli 2012 - 19:34 Uhr

@ Peter Pellin:

Weil sich Bengalos neuerdings mit Wasser löschen lassen... Clevere Idee!

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Michael Riedle

Registriert seit: 17.07.2011

Kommentare: 573

12. Juli 2012 - 21:47 Uhr

Peter Pellin

keine Ahnung, von der aber viel......

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Patrick Metzger

Registriert seit: 04.08.2009

Kommentare: 19

13. Juli 2012 - 07:45 Uhr

Und wieviele Steuereinnahmen bringt eine Facebookparty im Vergleich zu einem Wirtschaftsbetrieb mit mehreren Millionen Umsatz im Jahr?

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Martin Diehr

Registriert seit: 16.01.2012

Kommentare: 275

13. Juli 2012 - 14:36 Uhr

Facebook macht ja angeblich auch Mrd. Umsätze und Irgendwo werden sie auch Steuern Bezahlen. Vielleicht sollte man Facebook Direkt in die Haftung nehmen für die Schäden welche durch die Plattform Entstehen? Dort wo die Gewinne Hinfliesen, dort sollte die erste Anlaufstelle sein wenn es um Schadensregulierung bzw. entstehende Unkosten für die Allgemeinheit geht. Sowohl bei der Bundeliga als auch bei Facebook.

Verstoß gegen Netiquette melden

Charles David  

Charles David

Registriert seit: 19.07.2012

Kommentare: 68

19. Juli 2012 - 09:59 Uhr

Diese Bengalos kannst du nicht auslöschen. Das sind Unterwasserfackeln. Enthalten Phosphor und sind extrem heiss! Die gehören §§ verboten. Erst wenn einmal ein Geschädigter Klage erhebt bzw. klagt und ein LG Köln (Beschneidungskammer) ein entsprechendes Urteil fällt; dann vielleicht passiert etwas. Vermutlich eine §§-liche Legalisierung, wie bei der Beschneidung.

Verstoß gegen Netiquette melden



Weitere Artikel: Sportpolitik