Gewerkschaft kritisiert Befristungen

Jannik Jürgens

Von Jannik Jürgens

Di, 21. August 2018

Kreis Waldshut

730 neue Azubis im Kreis / In einigen Branchen gibt es bei der Übernahme wenig unbefristete Verträge / Verband widerspricht.

KREIS WALDSHUT. Ausbildungsvertrag in der Hand, aber was kommt danach? Im Landkreis Waldshut können sich derzeit rund 730 Neu-Azubis über eine Lehrstelle freuen. So viele versorgte Bewerber zählte die Arbeitsagentur zum Start des Ausbildungsjahres. Doch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert, dass nach der Ausbildung oft befristete Verträge warten. Der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hält dagegen: Die Situation der Arbeitnehmer sei so gut wie nie zuvor.

Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind insbesondere in der Nahrungs- und Genussmittelbranche Befristungen weit verbreitet. Bundesweit sind knapp 54 Prozent aller Übernahmen befristet. Ähnlich sehe es bei den Neueinstellungen aus: Hier zählt die Branche mit einer Befristungsquote von 73 Prozent zu den Spitzenreitern. Auch in Hotels und Gaststätten gibt es viele befristete Arbeitsverträge zum Berufsstart, laut IAB sind 35 Prozent aller Übernahmen befristet. Claus-Peter Wolf, Geschäftsführer der NGG-Region Baden-Württemberg-Süd, spricht von einer "Unternehmer-Unsitte". Es könne nicht sein, dass Betriebe trotz Hochkonjunktur in vielen Branchen so stark auf Befristungen setzten. "Wer als Job-Starter eine Familie gründen oder einen Kredit für die Wohnungseinrichtung bekommen will, der braucht einen sicheren Arbeitsplatz und keinen Zitter-Vertrag", sagte Wolf. Daniel Ohl, Pressesprecher des Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) widerspricht: "Die Quote der befristeten Stellen in unserer Branche erscheint mir nicht besonders hoch." Außerdem suche die Branche händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern. "Die NGG zieht da ein Scheinproblem hoch", sagt Ohl. Wer qualifiziert sei, könne überall in Baden-Württemberg eine Stelle finden. "Die Befristung ist kein Ausdruck von unsicheren Arbeitsverhältnissen, sondern branchenüblich und macht den Job nicht weniger attraktiv", sagt Ohl. Er verweist darauf, dass im Hotel- und Gaststättengewerbe seit 2010 ungefähr 30 000 neue sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen worden seien.

Die Gewerkschaft NGG sieht das anders. "Wer nach der Ausbildung nur einen Vertrag auf Zeit anbietet, der muss sich nicht wundern, dass sich Schulabgänger woanders umsehen." Spezialisten von morgen gewinne man nur mit guten Löhnen, attraktiven Arbeitsbedingungen und klaren Karriereperspektiven, so der Gewerkschafter. Befristungen sollten die Ausnahme und nicht die Regel sein. Zu den wirklich zwingenden Gründen einer Befristung gehörten etwa eine Probezeit oder Schwangerschaftsvertretung.

"In den Betrieben haben wir es aber immer häufiger mit Befristungen nach dem 08/15-Prinzip zu tun. Jobs auf Zeit werden zur gängigen Praxis", behauptet Wolf. Das Bundesarbeitsministerium plane zwar, solche Arbeitsverhältnisse einzudämmen. Befristungen ohne Sachgrund sollen danach auf 18 Monate begrenzt werden und maximal 2,5 Prozent der Belegschaft betreffen. Allerdings wären Betriebe mit weniger als 75 Beschäftigten vom Gesetz ausgenommen.