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18. November 2011
Braun gewinnt WM-Bronze
Bonndorfer Gewichtheber trainiert in der Garage und wächst in Zypern über sich hinaus.
GEWICHTHEBEN. Jürgen Braun ist Bronzemedaillengewinner der Weltmeisterschaften im Gewichtheben. In Limassol auf der Insel Zypern erzielte der 45-jährige Bonndorfer, der in der Landesliga für die Gewichtheber-Vereinigung Eisenbach an die Hantel geht, seinen bislang größten sportlichen Erfolg in der Altersklasse III (45 bis 49 Jahre) der Gewichtsklasse über 105 Kilogramm.
Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr, hat der Steuerberater doch trotz einer 50- bis 60-Stunden-Arbeitswoche noch nie so intensiv trainiert wie vor dieser, für ihn nunmehr fünften Weltmeisterschaft mit rund 500 Teilnehmern aus 34 Nationen. In der Vergangenheit war Braun neben drei Bronzemedaillen bei Europameisterschaften noch nie über den fünften Platz bei einer Weltmeisterschaft hinausgekommen, nun reichte es endlich für einen Podestplatz.Genau ein Kilogramm trennte den Bonndorfer von der Silbermedaille, die sein russischer Konkurrent erhielt. Um 1000 Gramm ließ Braun seinen slowakischen Konkurrenten hinter sich, den er nicht zuletzt dank kluger Taktik auf Platz vier verwies. Während Jürgen Braun nach dem Reißen noch sechs Kilogramm hinter dem slowakischen Heber lag, übertrumpfte er diesen im Stoßen, seiner Paradedisziplin an der Hantel, um sieben Kilo. Die Trainingsbedingungen des Schwarzwälders werden von den Sportkollegen aus aller Welt belächelt. In drei bis sechs wöchentlichen Einheiten verbessert der Familienvater Jürgen Braun Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Technik. Mal geht’s in der Mittagspause rasch ins Fitnessstudio, mal reicht’s nach Feierabend allenfalls für ein Krafttraining in der Garage.
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Im besten Fall trainiert er bei seinen Vereinskollegen in Eisenbach oder bei den Gewichthebern in Donaueschingen. Damit erreicht Jürgen Braun gerade mal 60 Prozent des Trainingsumfangs seiner internationalen Konkurrenten. Erst in den letzten 16 Wochen vor der Weltmeisterschaft bereitete sich der Schwerathlet auf Basis eines ausgefeilten Trainingsplans intensiv auf die Weltmeisterschaft vor. Seine besondere Stärke liegt in der Fähigkeit, punktgenau im Wettkampf die individuelle Maximalleistung abrufen zu können. Ihm gelingt auch vor großer Zuschauerkulisse höchste Konzentration, während andere nervös werden und sich ablenken lassen.
Mentale Stärke spielt bei einem Gewichtheber-Wettkampf eine wesentliche Rolle. Innerhalb einer Minute nach Betreten der Bühne muss der Athlet nämlich das Gewicht stemmen, da bleibt wenig Spielraum für eine angemessene Konzentrationsphase. Im Vergleich zur finanziellen sowie ideologischen Unterstützung, die Gewichtheber in anderen Staaten erfahren, sind die deutschen Kollegen mehr oder weniger auf sich gestellt. Das bedeutet freilich auch einen hohen finanziellen Einsatz für diesen Sport, zumal die Austragungsorte der Turniere nicht um die Ecke nebenan liegen. Australien, Aserbaidschan, Ukraine oder Russland hätte Jürgen Braun kaum je bereist, wären dies nicht Wettkampfstätten gewesen.
Kurios ist, dass Jürgen Braun, der in Memmingen geboren wurde und seit seinem sechsten Lebensjahr in Eisenbach wohnte, aufgrund einer Rückenverkrümmung bei diesem Sport landete. Seit 1989 lebt der Schwerathlet mit seiner Frau Isabella und mittlerweile zwei Kindern in Bonndorf. Hier singt er im "Let’s-Fetz"- Chor mit, was das Training vortrefflich ergänzt.
Jürgen Braun engagiert sich für seinen Sport und gegen Doping, macht sich für eine gezielte Nachwuchsförderung stark und ist inzwischen Vizepräsident des baden-württembergischen Gewichtheberverbandes. Dieser ist seit Jahren führend in der Nachwuchsförderung und erlebt derzeit spürbaren Aufwind durch die Popularität des Olympiasiegers und Weltmeisters Matthias Steiner. Jürgen Braun freut sich schon jetzt auf die Weltmeisterschaft 2012 im ukrainischen Lemberg. Ein weiterer Höhepunkt wird die Teilnahme an den "World-Games-Masters" 2013 in Turin.
Autor: Martha Weishaar
