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12. November 2011

Kaffee und Gebäck statt WM und Hanteln

Olympiasieger Matthias Steiner ist bei der WM nicht dabei und muss um Olympia 2012 fürchten.

  1. So kann er derzeit nicht heben: Olympiasieger Matthias Steiner Foto: dpa

HEIDELBERG (dpa/gg). Wenn am Sonntagnachmittag die stärksten Männer der Welt unter der Last von fast fünf Zentnern Eisen ächzen, sitzt Matthias Steiner auf dem heimischen Sofa. Kaffee und Gebäck werden nicht weit sein, ebenso die Fernbedienung des Fernsehers. Entspannt verfolgt der Olympiasieger den Wettkampf der superschweren Gewichtheber bei der Weltmeisterschaft in Paris via TV allerdings nicht. Der Muskelmann muss tatenlos zuschauen und wird leiden. "Ich ärgere mich über die Situation", behauptet der 29 Jährige, der jetzt in Heidelberg wohnt.

Steiner ist nach der Operation am linken Knie noch bis Jahresende außer Gefecht gesetzt. Die Quadrizepssehne im linken Bein, die Kniescheibe und Oberschenkelmuskel verbindet, war im September eingerissen. "Ich hatte mich optimal auf die WM vorbereitet und war super drauf. Deshalb ist die Verletzung ein besonders harter Rückschlag", sagt der Olympiasieger von Peking 2008, der vor rund drei Jahren selbst den Ruhm von Fußball- und Rennfahrer-Millionären verblassen ließ und die Herzen der Zuschauer im Sturm eroberte – und das trotz seines Einsatzes in einem Sport, in dem Doping an der Tagesordnung ist.

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Weil Steiner aber sein Ziel Olympische Spielen in London nicht aus den Augen verloren hat, quält er sich täglich. "Sechs Stunden am Tag werde ich am Olympia-Stützpunkt Heidelberg betreut", erzählt der 145-Kilo-Recke. Krankengymnastik, Oberkörper- und Beintraining sind angesagt. "Was du nicht regelmäßig trainierst, verkümmert. Das Knie macht soweit mit. Ich kann in die Hocke gehen. Kniebeugen mit Gewicht gehen aber noch nicht." Das Hanteltraining muss bis Januar warten.

Ob er es bis zu den Europameisterschaften im April in Antalya schaffen wird, ist zu bezweifeln. "Wenn ich zur EM fahre, dann will ich konkurrenzfähig sein. Davon kann man derzeit nicht ausgehen. Denn dreieinhalb Monate sind zu wenig, um auf Topniveau zu kommen." Folglich müssten seine Kollegen die Kohlen aus dem Feuer holen. Denn bei der Weltmeisterschaft in Paris laufen sie ohne Frontmann Steiner Gefahr, aus der Wertung der besten 24 Nationen zu fallen. Damit wären die drei Olympia-Startplätze, die Deutschland bislang innehat, futsch. Die letzte Qualifikationschance besteht dann bei der Europameisterschaft. Misslingt aber die Qualifikation, muss der gebürtige Österreicher auf ein Freiticket durch den Weltverband hoffen. Denn er war 2010 Vizeweltmeister.

Autor: dpa