Auf König Artus’ Spuren

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Sa, 08. September 2018

Gundelfingen

Beim Gundelfinger Ferienprogramm lernen 40 Kinder einiges über die Geschichte der Kelten und veranstalten ein Ritterturnier.

GUNDELFINGEN. Holzschwerter, die aufeinander schlagen, Pfeile, die durch die Luft zischen – am Donnerstag war hinter dem Gundelfinger Waldstadion ganz schön was los. Der Tageselternverein Gundelfingen organisierte dort im Rahmen des Ferienprogramms ein Ritterturnier mit Speerweitwurf, Memory-Slalom und Eierlauf. Zuvor begaben sich 40 Jungs und Mädchen eine Woche lang auf die Spuren der Kelten und lernten einiges über König Artus, Ritter, Drachen und Zauberer.

Im vergangenen Jahr habe Harry Potter auf dem Programm gestanden, sagt Ursula Weiß von den Tageseltern. Warum sie dieses Jahr ausgerechnet die Kelten thematisieren, weiß sie schon gar nicht mehr. "Das hat sich irgendwie ergeben und es ließ sich gut mit der Artus-Saga kombinieren", so Weiß. Dabei sei es am Ende nicht einfach gewesen, die ganze Gewalt, die vielen Kämpfe und Überfälle, die Teil der Erzählung sind, kindgerecht zu verpacken, sagt sie. Dennoch lernen die Kinder in der Woche viel über die Kelten und ihren König.

Hinters Licht führen lassen sie sich dabei aber nicht. So soll Artus ein Schwert namens Excalibur besessen haben, wie die elfjährige Freja erzählt. "Excalibur war angeblich magisch. Doch das glaube ich nicht", sagt sie. Erst vor ein paar Tagen habe sie eine Geschichtsdoku im Fernsehen gesehen, in der es hieß, das Schwert habe keine Zauberkräfte besessen.

Am ersten Tag bauen sich die Kinder im Wald aus Ästen und Kordel mehrere Unterschlüpfe. Die Holzfäller, eine Gruppe von Jungs im Alter von acht bis zwölf, hat sogar an eine Garderobe für ihre Rucksäcke gedacht. Auch die Waffen, mit denen die Kelten vor 2000 Jahren durch die Wälder Europas zogen, bauen die Kinder nach. Aus Holz schnitzen sie Schwerter und Speere, Lanzen und Steckenpferde. Dazu formen sie Tonschalen und stricken bunte Gewänder und Tücher.

Am Donnerstag steht dann das große Ritterturnier auf dem Plan. Mit Pfeil und Bogen aus Holz zielen die Kinder auf einen Pappkarton. Ole trifft sogar einmal in die Mitte und holt zehn Punkte für sein Team, das ihn daraufhin kräftig bejubelt.

Das Programm in der letzten Ferienwoche werde immer gut angenommen, berichtet Weiß. Viele Eltern müssen wieder arbeiten, die Kinder haben noch frei, können sich aber in der Woche wieder an das frühe Aufstehen gewöhnen. Beim Speerwurf macht Flora eine gute Figur und wirft ihren Holzspeer weit über die Zielmarke hinaus. Die Frage, ob sie schon Erfahrung im Speerwerfen habe, verneint sie verlegen und erzählt dann, dass sie in ihrer Freizeit Handball spiele, was wiederum erklären dürfte, warum sie so viel Kraft in den Armen hat.

Weniger um Kraft als vielmehr um Geschicklichkeit geht es bei der Station Eierlauf. Dort müssen die Kinder einen roten Ball auf einem Löffel balancieren. Was bei manchen Chamäleons, einer Gruppe von Jungs im Alter von sechs bis acht, recht geschmeidig aussieht, stellt manch Älteren vor Koordinationsprobleme.

Gefragt waren Geduld und Teamarbeit

Und weil die Kelten nicht nur raubeinige Krieger waren, sondern auch wussten, wie man feiert und schlemmt, gibt es eine Genußstation, bei der die Kinder mit verbundenen Augen Rosinen, Apfel- und Paprikastücke, Smarties oder Essiggurken erschmecken müssen. Anspruchsvoller ist die letzte Station, der Memory-Slalom-Parcours. Zunächst müssen die Kinder im Vollsprint einen Baumstumpf umkurven und unter einem Seil herkriechen, bevor sie am Ende ein Memory lösen sollen. "

Geduld, Schnelligkeit und Teamarbeit sind hier gefragt", erklärt Burgfräulein Clara, eine der fünf jungen Betreuerinnen und Betreuer, die als Kinder selbst beim Ferienprogramm teilgenommen haben. Nach vier Minuten und 50 Sekunden löst die Gruppe "keltische Mädchen" das Memory. Zu diesem Zeitpunkt hat die gleichaltrige Jungengruppe nicht mal das erste Pärchen aufgedeckt. "Die Mädchen sind konzentrierter und kommunizieren mehr miteinander", sagt Clara. "Dafür zeigen die Jungs mehr Körpereinsatz." Und tatsächlich rennen sie und schmeißen sich auf den Boden, als sei eine Horde Römer hinter ihnen her.

Am Ende gibt es sowieso nur lachende Sieger. Egal, wen man fragt – die Antworten fallen ähnlich aus: "Geil", "Super", "Voll gut." Na dann kann mit der Schule der Ernst des Lebens ja wieder beginnen.