Ferienfreude an heißen Tagen

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mi, 01. August 2018

Denzlingen

Kolpingfamilie ermöglicht bedürftigen Familien einen gemeinsamen Besuch im Denzlinger Bad / Unterstützung auch bei Freizeiten.

DENZLINGEN/GLOTTERTAL. Glückliche Ferienzeit – dies gilt nicht für alle. Es gibt Familien, die leben in beengten Verhältnissen, können sich keinen Urlaub und noch nicht einmal den Eintritt ins Schwimmbad leisten. Diese Lücke füllt die Kolpingfamilie in Denzlingen.

Was für den überwiegenden Teil der Bevölkerung fast nicht vorstellbar ist, ist für andere harte Realität, weiß Veronika Scherzinger aus eigener Anschauung. Die Gemeindereferentin der Kirchengemeinde an der Glotter kennt sie, die Familien in Denzlingen, Glottertal, Heuweiler, Vörstetten und Reute, deren Budget nicht einmal einen gemeinsamen Badbesuch erlaubt.

"20 Familien können wir in diesem Jahr den Badbesuch ermöglichen, zwei von ihnen haben, bei einer kleinen Kostenbeteiligung, sogar eine Saisonkarte erhalten", sagt Wolfgang Humpfer erfreut über den Erfolg der Aktion "Ferienfreude im Mach‘ Blau". Bereits im dritten Jahr könne die Kolpingfamilie Kindern und Erwachsenen einen Badbesuch in Denzlingen oder im Glottertäler Freibad ermöglichen und zum ersten Mal seien auch die Kommunen mit im Boot, sagt der Sprecher des Vorstandes der Kolpingfamilie. "Großzügig unterstützt wurde die Aktion aus beiden Rathäusern", betont Veronika Scherzinger, ohne dies zu spezifizieren. Zudem wurde durch Privat- und Firmenspenden, Mitteln der Erzdiözese und des Elisabethenvereins der Pfarrei St. Blasius der Finanzierungstopf gefüllt, so dass das vorerst auf 1500 Euro veranschlagt Projektbudget gedeckt ist.

"Eine Summe, die wir benötigen werden", betont Humpfer mit Verweis auf die steigende Zahl der Bedürftigen. 20 Familien mit 51 Kindern und Jugendlichen sowie 31 Erwachsenen kann in diesem Jahr der Eintritt ins Schwimmbad ermöglicht werden. Im Vorjahr seien es noch 17 Familien mit 35 Kindern und Jugendlichen und 25 Erwachsenen gewesen. Im Premierenjahr lagen die Zahlen noch darunter. "Es wird niemand abgewiesen, dessen Not bekannt ist", erklärt Humpfer.

"Die entsprechenden Kontakte ergeben sich auch über andere Aktionen für Alleinerziehende und einkommensschwache Familie wie die Ausflugsfahrten in den Zoo oder die Christbaumspende im Advent", erklärt Sonja Reichert vom Arbeitskreis Caritas und Soziales der Kirchengemeinde. Auch gebe es gelegentlich Hinweise von sozialen Einrichtungen wie dem Sozialdienst katholischer Frauen. Auf einen Aufruf im Wochenblatt, in Frage kommende Familien mögen sich melden, habe es keine Reaktion gegeben. Für Scherzinger ist dies auch Ausdruck einer Haltung, sich für Bedürftigkeit zu schämen. Es sei keineswegs selbstverständlich, dass Bedürftige diese Unterstützung annehmen, oft sei die persönliche Beziehung eine Brücke.

Der Besuch im Schwimmbad ist gerade für Kinder und Jugendliche, aber auch die Erwachsenen, die auch aus finanziellen Gründen keine Urlaubsreise machen können, oft die einzige Abwechslung in den Ferien. Das ist nicht nur wegen der Abkühlung an heißen Tagen wichtig, sondern auch, weil dort soziale Kontakte geknüpft und gepflegt werden. Scherzinger kennt aber auch Familien, die in einfachsten Wohnmöglichkeiten leben und die es genießen, in dieser Zeit richtig duschen zu können. Ganz abgesehen davon, dass dadurch Nebenkosten gespart werden. "Den Kampf um Pommes oder Eis, den müssen die Eltern dann immer noch durchstehen", betont sie.

"Es gibt richtig Not", sagt die Gemeindereferentin und erinnert an eine andere Hilfe in der Ferienzeit. "Es kann nicht sein, dass nur ein Kind aus finanziellen Gründen nicht an einer Ferienfreizeit der Jugendgruppen in der Kirchengemeinde teilnimmt", betont sie und erklärt, dass die Teilnahme gefördert werde. Dies mit kleinen Beiträgen, aber auch mit der vollen Übernahme der Kosten und gelegentlich auch mit Hilfe bei der Anschaffung eines Ruck- oder Schlafsacks.