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03. Januar 2012

Glottertal feiert: 900 bewegte Jahre

Am Neujahrstag wurde die Dauerausstellung eröffnet - Bernhard Hoch und Hubert Strecker habe die Geschichte zusammengetragen.

  1. 900 bewegte Jahre feiert die Gemeinde Glottertal dieses Jahr: Hubert Strecker (links) Bernhard Hoch haben die Ausstellung zusammengestellt. Mit dabei ein Porträt von Engelwirt Josef Strecker. Er war als der „Vetter“ im vergangenen Jahrhundert eine der prägenden Gestalten im Glottertal. Foto: christian ringwald

GLOTTERTAL. Ein ganzes Jahr lang feiern die Glottertäler ihr 900-jähriges Gemeindejubiläum. Aus diesem Anlass haben die Heimatforscher Bernhard Hoch und Hubert Strecker eine Ausstellung zusammengetragen. Am Neujahrstag wurde sie in der Eichberghalle offiziell eröffnet.

Das Glottertal wird erstmals im Jahr 1112 in der "Rotulus Sanpertrinus" erwähnt. Somit gilt 1112 als "Gründungsjahr" des Glottertales; gleichwohl ist das Tal schon länger besiedelt: Otto der Große belehnte 962 den heutigen "Mauracher Hof" an den Bischof von Konstanz. In dieser Urkunde ist das Glottertal nicht explizit genannt, gleichwohl gehörten 18 Lehen im oberen Glottertal zu "Muron" wie der Mauracher Hof damals hieß.

Das Glottertal war in seiner Geschichte vor allem durch die Landwirtschaft und den (katholischen) Glauben geprägt. Dazu kamen Einflüsse von außen, wie Kriege und politische Veränderungen, die sich auch wiederum auf den Glauben und die Landwirtschaft auswirkten. Einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Tales zur "Fremdenverkehrsgemeinde" leistete auch das "Glotterbad".

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Schon Jahrzehnte vor der "Schwarzwaldklinik" war das "Glotterbad" europaweit bekannt. Vor allem durch das (alte) Sanatorium mit seinem Direktor Ernst Rossmy. Er hatte Zugang zu den höchsten Kreisen und gilt heute als Begründer der Tourismuswirtschaft in Glottertal. Neben dem "Glotterbad" war Schloss "Winterbach" über mehrere Jahrhunderte prägend für das Tal. Der letzte Schlossherr, Karl von Kleinbrodt, gilt als Begründer des Weinbaus. Kleinbrodt bepflanzte um 1780 sechs Jauchert Reben auf dem Schlossberg. Die heutige Gemeinde entstand 1970 durch den (freiwilligen) Zusammenschluss der ehemals vier Talgemeinden Föhrental, Unterglottertal, Oberglottertal und Ohrensbach. In den 900 bewegten Jahren gab es im Glottertal mehrere Grundherrschaften. Die größeren Besitzer in den ersten Jahrhunderten waren im Obertal der Bischof von Konstanz und das Kloster St. Peter sowie das Kloster Sankt Margarethen (Waldkirch) im Untertal. Föhrental und Ohrensbach gehörten zunächst zum Kloster Einsiedeln und gingen dann an die weltlichen Falkensteiner über.

1567 ging ein Großteil an Kaiser Ferdinand und damit an das Haus Österreich; die waren ab 1754 Herr über das Tal. Die Zugehörigkeit zu Vorderösterreich endete am 30. Juli 1806. 1898 machten Großherzog und Gemahlin Station im Glotterbad. Im Dritten Reich war das Glottertal keine "Insel der Seligen"; mit Ausnahme des Föhrentals hatte die NSDAP eine Mehrheit. 161 Glottertäler sind im Zweiten Weltkrieg gefallen, am 15. Januar 1945 fielen im Obertal Bomben. Landwirtschaft und Religion hätten das Leben im Tal maßgeblich bestimmt, geprägt worden sei es aber immer durch Menschen. Dabei kamen immer wieder "Impulse" von Personen, die zugezogen waren neben Ernst Rossmy und Erich Heilmann beispielsweise auch die Pfarrer Adolf Schlegel und Franz Gluitz. Pater Georg Schurhammer – ein Sohn der Gemeinde – brachte es als Wissenschaftler zu Weltruhm. Bis zu seinem Tod – er verstarb vor 40 Jahren in Rom – war er dem Glottertal als Ehrenbürger verbunden.

Über die Jahrhunderte hatten die Höfe – und vor allem ihre Bauern – eine große Bedeutung. Auf den Höfen gab es eine "Zweiklassengesellschaft". Über Jahrhunderte wurde in der Regel nur innerhalb des Tales geheiratet – überhaupt war der Lebensraum recht begrenzt: Talauswärts durch das protestantische Denzlingen und talaufwärts gab es lange keine Straße. Neben den wichtigen Stationen der Geschichte haben Bernhard Hoch und Hubert Strecker auch vieles über die Gasthäuser, Höfe, Taglöhner- und Berghäusle zusammengetragen. Auf alten Bildern wird dieser Teil der Geschichte lebendig. Das Untertäler Gemeindewirtshaus "Zum Engel" ist bis heute eines der markantesten Gebäude im Tal, seine Geschichte reicht bis vor den 30-jährigen Krieg.

Zur Vernissage begrüßte Bürgermeister-Stellvertreter Karl-Josef Herbstritt die Gäste. Die Ausstellung nannte er ein "großes Geschenk" und dankte den beiden Machern Bernhard Hoch und Hubert Strecker für ihre Arbeit. Umrahmt wurde die Vernissage durch eine Abordnung der Trachtenkapelle. Die Ausstellung läuft das ganze Jahr 2012; der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 16.30 Uhr.

Weitere Infos zum Jubiläum auf http://www.glottertal.de

Autor: Christian Ringwald