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07. Januar 2012

Im Glottertal wehten 2011 recht steife Brisen

JAHRESRÜCKBLICK 2011: Standortsuche für Windenergie sorgte für heftige Diskussionen / Neues Leitbild soll Tourismus ankurbeln.

  1. Ob sich Glottertal doch noch an der Suche nach neuen Windräderstandorten beteiligt, ist fraglich. Derzeit liegt die Initiative allein bei den Nachbargemeinden. Foto: markus donner

  2. Gut besucht: Die Frühstücksaktion der Landfrauen am Kapellenhof kam sehr gut an. Foto: christian ringwald

GLOTTERTAL. Beherrschendes politisches und gesellschaftliches Thema im Glottertal war 2011 nach der Katastrophe in Fukushima die Einsicht, dass die Gemeinde eigene Energiequellen verstärkt nutzen sollte. Neben Biomasse wurden auch das Einspeisen von zusätzlicher Windenergie und der Bau eines zentralen Nahwärmenetzes in der Ortsmitte mittels einer Hackschnitzelheizung diskutiert.

Zum Thema Nahwärmenetz wird bereits am 16. Januar einen weiteren Informationsabend für interessierte Betriebe und Familien stattfinden. "Viel Wind" gab es indes um die Nutzung der Windenergie. Eine Bürgerbefragung zu diesem Thema war quer durch die Fraktionen umstritten. Bürgermeister Eugen Jehle schlug sich auf die Seite der Befürworter für einen Urnengang, um ein repräsentatives Meinungsbild der Bürger zu bekommen. 47,8 Prozent Abstimmungsbeteiligung waren ihm und der CDU-Fraktion dann aber doch nicht genug. 55,2 Prozent der abgegebenen Stimmen hatten für eine intensivere Nutzung außerhalb der "Platte" am Kandel plädiert. Als einziger Berg bliebe noch der Brombeerkopf, da nach zwei Informationsveranstaltungen klar war, dass kaum ein Glottertäler auf dem Scherersköpfle oder dem Wuspeneck Rotoren wollte. Der Gemeinderat votierte dann aber mit sieben zu sechs Stimmen gegen Windräder auf dem Brombeerkopf, was selbst den neuen Landesminister auf den Plan rief.

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Auch die Nachbargemeinde jenseits des Bergkammes, Stegen, hatte sich nämlich dafür ausgesprochen, den Standort Brombeerkopf untersuchen zu lassen. Dieses Votum bekräftigte die Nachbargemeinde im September und machte klar, dass durchaus dort Windkraftanlagen denkbar seien – notfalls auch ohne Glottertäler Beteiligung auf dem nördlichen Teil des Gipfels.

Einigkeit herrschte im Glottertäler Rat in der letzten Sitzung des Jahres, auf der "Platte" weitere Anlagen zuzulassen, was mit St.Peter und St.Märgen auch so abgesprochen war – allerdings ohne Glottertäler Beteiligung.

Am zweiten Sonntag des Jahres starb Altbürgermeister August Strecker mit 88 Jahren, der mit dafür gesorgt hatte, dass sich die vier selbstständigen Gemeinden Ober- und Unterglottertal, Föhrental und Ohrensbach zur Gemeinde Glottertal zusammenschlossen. Er forcierte den Bau der Schurhammerschule, musste aber 2011 noch miterleben, dass die Hauptschule der Werkrealschule in Denzlingen angeschlossen wurde.

14 Jahre lang war Bernhard Würzburger Sprecher der Glottertäler Vereine, sein Amt gab er zu Jahresbeginn nach längerer Suche an seinen Gemeinderatskollegen Claus Vorgrimler ab. Mit Hochdruck bereiteten sich Vereine, Kirchen und Gemeinde aufs Jubiläumsjahr 2012 vor, das unter dem Motto "900 Jahre bewegtes Glottertal" steht.

Eine neue Perspektive gibt es für die Feuerwehren in Glottertal und in Heuweiler. Denn wenn dort aufgrund der Höhe der Gebäude eine Drehleiter zum Einsatz kommen muss, kann auf die aus Denzlingen zurückgegriffen werden, die im Ernstfall schneller als die Freiburger Berufswehr am Einsatzort sein dürfte. Dies wurde bereits Ende Februar mit der Denzlinger Freiwilligen Feuerwehr geprobt. Für jede der Gemeinden wurde ein Feuerwehrbedarfsplan erstellt, der nun nicht mehr an der Kreisgrenze Halt macht, wenn weitere Retter gebraucht werden. 23 Einsätze wurden in der Jahreshauptversammlung 2010 bilanziert. Einen Tag der offenen Tür gibt es Ende Mai, als der Rotkreuzanbau an das Feuerwehrhaus für die Bevölkerung zu Besichtigung offen steht. Rund 560 000 Euro kostete die Umgestaltung; Zuschüsse flossen in Höhe von 300 000 Euro.

Hohe Landeszuschüsse fördern die Kinderbetreuungsangebote

Aus dem Regelkindergarten "Zum Schutzengel" wird nun ein Ganztageskindergarten. Hierzu schließen die politische und die Kirchengemeinde einen neuen Vertrag. Die gute Nachricht kommt am Ende des Jahres von der neuen Landesregierung: Die Kinderbetreuung wird mit zusätzlichen Mitteln nun vom Land finanziell unterstützt.

Mit 28 Gold und zwei Silbermedaillen wird die Winzergenossenschaft ausgezeichnet. Wermutstropfen: Pro Liter Wein sinkt die Vergütung für die nunmehr 168 Winzer um drei Cent. Udo Opel bleibt Vorstandschef und Gottfried Sillmann Aufsichtsratsvorsitzender. Die Kontinuität tut auch dem Jubiläum gut: 60 Jahre besteht die WG nun bereits. "Rebhiisli-Touren", Kulturabende bei heimischem Wein oder Wanderungen mit dem "Rote Bur auf Tour" finden eine gute Resonanz. Festakt und Festwochenende sind Anfang September, an dessen Ende sogar das Trio "Papagaio" des ZMF mitwirkte.

Aus dem Landeskonjunkturprogramm wird der Gemeinde ein Zuschuss von 163 000 Euro für die laufende rund 592 000 Euro teure Badsanierung vom CDU-Abgeordneten Schüle zugesagt. Der verliert allerdings sein Landtagsmandat bei den März-Wahlen an die Grünen. Reinhold Pix (Grüne) ist der Sieger der Landtagswahl im Hochschwarzwald, im Dreisamtal und im Freiburger Osten. Mit einem Zugewinn von mehr als zwölf Prozent gegenüber 2006 auf 34,5 Prozent jagte er Klaus Schüle (CDU) das Direktmandat im Wahlkreis 46 ab.

13 000 Tonnen Asphalt werden auf die Landesstraße 112 zwischen Denzlingen und den "Ränke" aufgebracht, um den desolaten Belag zu ersetzen.

Dauerthema ist auch das neue Leitbild Glottertals, in dem der Tourismus eine bedeutende Rolle ausfüllen soll. "Anspruchsvolle Gäste" sollten als Besucher ins Glottertal gelockt werden, so lautet ein Ergebnis. Der Ort solle künftig als Synonym für "Wein, Wald und Wärme" dienen, was die "Gruppe drei" aus Villingen mit Professor Alexander Doderer erarbeitet hat.

Die Landfrauen probieren dieses neu Motto bei ihrem "z’ Morge esse" im Juli gleich aus. Rund 300 Gäste waren hierzu auf dem Kapellenhof zu Gast. Damit die Feriengäste auch weiterhin ohne Auto mobil im Glottertal bleiben können, stimmte der Gemeinderat für weitere fünf Jahre dem sogenannten "Konus"-Angebot zu.

Mit ein Folklore-Höhepunkt war die Schlager- und Volksmusiknacht, die der Sportverein Rot-Weiß mit Reiner Kirsten organisierte. Rund 500 Besitzer alter Zugmaschinen machten im Sommer wieder beim Schlepper-Treffen mit, das die Trachtenkapelle alljährlich organisiert und das viele Gäste ins Tal lockt. Dies gilt auch für Metzger Reichenbachs Almabtrieb, der wieder gut besucht war.

In ökumenischem Gleichklang werden vor den Sommerferien noch die 40 Jahre gefeiert, die das kleine evangelische Kirchlein an der Kandelstraße besteht – am Tage der Bürgerbefragung in Sachen Windenergie ein ruhender Pol.

Änderungen gibt es in der Gewerbestruktur des Tales. Metzger Linder will künftig einen Großteil seiner Produktion nach Denzlingen verlegen. Friedrich Drayers Fachhandel für Baumpflege und Seiltechnik zieht dagegen im Gewerbegebiet ein. Andreas Meder freut sich als Zimmermannsmeister über seine Auszubildenden Alexander Fässler und Jonathan Heck, die zu den Innungsbesten zählen. Die Gemeinde sucht neue Gewerbeflächen, neuer Wohnraum soll unterhalb es Rotburenhofs beim Heldhansenhof bereitgestellt werden. Diese Planungen werden den Gemeinderat im nun begonnenen neuen Jahr beschäftigen.

Autor: Frank Kiefer