Glottertal

Unfall beim Almabtrieb – Polizei ermittelt wegen Körperverletzung

Max Schuler, aktualisiert heute um 14 Uhr

Von Max Schuler & aktualisiert heute um 14 Uhr

So, 24. September 2017 um 13:32 Uhr

Glottertal

Bei einem Fest anlässlich des Almabtriebs ist es in Glottertal zu einem Unfall gekommen. Eine Kuh, die in einem Festzelt Besuchern zur Schau gestellt wurde, ging durch und verletzte ein Dutzend Personen - darunter drei Kinder.

GLOTTERTAL. Kilometerweit staut sich der Verkehr und das Glottertal zeigt sich von der schönsten Seite. Mehrere tausend Besucher wollen am Sonntag bei Prachtwetter den Almabtrieb der Metzgerei Reichenbach sehen. Doch dann kommt es für viele Gäste zum Schockmoment: Beim Verlassen des Festzeltes reißt sich die Leitkuh von Metzgermeister Ulrich Reichenbach los und galoppiert unkontrolliert in die Menschenmenge.

Knochenbrüche und verletzte Kinder

Zwölf Besucher werden laut Polizei verletzt. Darunter sind auch drei Kinder. Zwei erwachsene Personen (79 und 66 Jahre alt) verletzten sich schwerer und erlitten auch Frakturen, sie werden laut Polizei stationär behandelt. Ein Kind (2 Jahre alt) wurde leicht- bis mittelschwer verletzt und befindet sich ebenfalls noch stationär in Behandlung. Die Polizei ermittelt mittlerweile wegen fahrlässiger Körperverletzung. Was ist am Sonntag genau passiert?

Mutter steht unter Schock

Kurz nachdem die Kuh am Sonntag in die Zuschauer rennt, sind vom Kinderwagen nur noch Einzelteile übriggeblieben. Die Mutter hält ihr weinendes Kind auf den Armen und scheint unter Schock zu stehen. Sie sagt die ganze Zeit: "Die Kuh ist direkt über den Kinderwagen gerannt". Wenige Meter weiter liegt ein alter Mann auf dem Boden und wird von anderen Besuchern betreut. Ein Verkaufsstand mit Schmuck und Taschen ist verwüstet. Bergaufwärts steht die Verursacherin der Szene: die mit Blumen geschmückte Leitkuh. Während die Mitarbeiter der Metzgerei versuchen sie einzufangen, heulen die Sirenen der Krankenwagen auf. Die Blasmusik im Zelt spielt unterdessen fröhlich weiter.

120 Rinder ins Tal getrieben

Rund eine Stunde zuvor rennen etwa 120 Rinder vom Stall auf die freie Wiese im Glottertäler Gewerbegebiet. Tausende Menschen beobachten die Viehtreiber und die Tiere dabei. Gelegentlich wirken die Kühe etwas wild und nervös, doch insgesamt trotten sie sehr kontrolliert ins Tal. Dort herrscht Volksfeststimmung. Entlang der Strecke haben sich viele Eltern mit Kindern positioniert. Kameras und Smartphones halten die Schritte der Tiere fest. Wen man auch fragt, ob Feuerwehrhelfer oder Bürgermeister, alle sind sich einig: So viele Besucher kamen noch nie zum Almabtrieb.

Der Metzger verliert die Kontrolle

Mitten in der Menschenmenge steht Metzgermeister Ulrich Reichenbach und hat seine Kuh am Seil. Er spricht von einem liebgewonnenen Haustier, das sich auch nicht vor dem Schlachtermesser fürchten muss. Mit ihm ist er beim Almabtrieb vorneweg gelaufen. Noch zwei Lieder sollen sie im Festzelt spielen, dann will er das Tier feierlich hineinführen. Es ist eng um den Bierstand. Kinder sitzen auf dem Rücken der Kuh und streicheln das Fell. Drinnen im Festzelt hält Reichenbach dann seine Ansprache an die Gäste. Noch mehr Augen werden auf das Tier gerichtet. Jetzt will er das Tier nur noch nach draußen, zurück auf die Wiese führen. Doch dann verliert der Metzger die Kontrolle – und die Kuh rennt in die Menschenmenge.

Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung

Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung. Überwiegend handele es sich bei den Verletzungen um Prellungen und verdrehte Knie. Matthias Reinbold, Pressesprecher vom DRK Kreisverband Freiburg, sagt, dass keine der Verletzungen lebensgefährlich ist: "Das war aber Glück im Unglück. Das Ganze hätte auch wesentlich schlimmer ausgehen können." Nachdem die Mitarbeiter der Metzgerei das verschreckte Tier eingefangen haben, wird es in einen Tiertransporter gesperrt.

Hatte die Kuh zu viel Stress?

Reichenbach war es, der das Tier hinter den Elektrozaun führte und mitten hinein in die Besuchermenge. War das zu viel Stress für die Kuh? Der Metzger geht nicht davon aus: "So etwas ist noch nie passiert." Er veranstaltet seit vielen Jahren den Almabtrieb im Glottertal auf ähnliche Weise. Die Kuh sei auf dem Weg aus dem Festzelt aufgeschreckt worden – durch was, konnte der Metzger nicht sagen. Danach habe sie sich vom Seil losgerissen. Die neunjährige Kuh sei schon bei mehreren Almabtrieben dabei und bisher nicht auffällig gewesen, so Reichenbach. Es handle sich um ein ruhiges Tier.

Zwiespältige Reaktionen nach Unfall

Das Fest wird nicht unterbrochen. Nach dem Unfall herrscht eine zwiespältige Stimmung zwischen Panik und Party. Etliche Besucher, die das wildgewordene Tier beobachtet haben und sich vor ihm in Sicherheit bringen mussten, verlassen das Gelände und zeigen sich geschockt. Darunter sind viele Eltern mit Kindern. Andere Besucher stehen offenbar unbeeindruckt in der Schlange, um sich ihre Bratwurst abzuholen. Welche Konsequenzen Reichenbach aus dem Zwischenfall ziehen will, kann er unmittelbar nach dem Unfall nicht sagen.
Polizei sucht Zeugen

Der Polizeiposten Gundelfingen hat die Ermittlungen aufgenommen. Besucher und Zeugen des Vorfalls, insbesondere die Personen, die Bilder oder Videoaufzeichnungen zur Verfügung stellen können, werden gebeten sich telefonisch mit dem Polizeiposten Gundelfingen in Verbindung zu setzen Tel. 0761/5036590. Wie bekannt wurde, soll ein Gast Drohnenaufnahmen von der Veranstaltung gefertigt haben. Diese Person wird aufgerufen sich ebenfalls mit der Polizei in Verbindung zu setzen.