Mal zarte Töne, mal raumgreifende Klänge

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Mo, 19. Juni 2017

Glottertal

Glottertäler St.-Blasius-Kirche ist zum Konzert der Trachtenkapelle voll besetzt.

GLOTTERTAL. Es ist zur Tradition geworden, dass die Trachtenkapelle Glottertal neben den Weihnachtskonzerten ein Kirchenkonzert an Fronleichnam gibt. Diese Veranstaltung wird sehr gut angenommen: am Donnerstag war die St.-Blasius-Kirche voll besetzt. Und voll besetzt war auch der Altarraum. Knapp 80 Bläser nahmen ihre Plätze ein: vor, neben und hinter Altar und Taufbecken.

Der Glanz des Blechs wetteiferte mit dem Gold im Kirchenraum. Nach einigen Gedanken über den Titel des Konzertes "Deo Gratias" wünschte Hausherr Pfarrer Franz Reiser den Zuhörern "musikalische Denkanstöße" zu den Aspekten des Dankes. In den Nummern war diese Vielfalt zusammengesucht bei den unterschiedlichsten Komponisten und Bearbeitungen. Wenn ein großes Blasorchester derart gut intoniert spielt, ausdrucksvoll differenziert und überzeugend interpretiert, dann unterliegen Vorbehalte jeder Art von Blasmusik gegenüber schnell der charismatischen Ausstrahlung und dem Charme des Bläserklanges.

Zarte Töne einzelner Bläsergruppen standen raumgreifender Klangmacht gegenüber. Transparentes Umeinanderranken in den Stimmen wechselte ab mit gewaltigen Tutti-Akkorden, dramatische Wendungen (Tomaso Albinoni) mit meditativer Ruhe im Lied von Morten Lauridsen. Es war programmatisch klug von Dirigent Stephan Rinklin, zwischen den einzelnen Stücken Raum zu geben, die vielfältigen musikalischen Formen nachklingen zu lassen und den Zuhörer anzuregen, diesen nachzuspüren. Pfarrer Reiser vertiefte die klangliche Vielfalt durch eine meisterhaft gespielte Orgeltoccata (Marcel Lanquetuit). Das Zusammenspiel der Orgel mit einem Bläserquintett durch die Weite des Kirchenraumes bei "Grand Choeur Dialoguè" von Eugène Gigoutwar war bewundernswert exakt.

Wie verschieden die Farben des Bläserklangkörpers sein konnten, zeigte sich in der Bearbeitung des "Adagio cantabile" aus Beethovens Pathetique-Klaviersonate. Dieses Stück zeigte: Wenn Bearbeitungen von Originalliteratur gut gemacht sind, bedeuten sie erweiterte Hörerlebnisse, ohne das Original zu beschädigen. Das traf an diesem Abend ausnahmslos für die ausgewählten Bearbeitungen zu.

Stephan Rinklin leitet die Trachtenkapelle seit 20 Jahren. Dass der Dirigent selbst Hornist ist, bedeutet in seiner Arbeit mit dem Ensemble eine Kompetenz für Blasinstrumente, die der Orchesterarbeit zugute kommt. Sein ausdrucksvolles Dirigieren wurde vom Orchester höchst konzentriert aufgenommen. Es war zu spüren, wie gut die Kommunikation ist. Ergebnis einer professionellen Probenarbeit, in der sich auch die Leidenschaft Rinklins für das Blasinstrument motivierend ausdrückt. Dafür spricht auch, dass für das große Konzert keine extra Proben nötig waren. Großer, begeisterter Applaus für eine herausragende Leistung aller. Die Zugabe, eine Bearbeitung des bekannten "Dona nobis pacem" von Thomas Doss, ließ aufhorchen: durch die Besetzung mit Blasinstrumenten und überraschende Verfremdungen wurde dieser Kanon zu einer feinsinnigen Novität.