Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
28. Januar 2010
SAGEN SIE MAL: "Man stößt natürlich auf Vorurteile"
BZ-INTERVIEW mit Sibylle Reinhold, die mit dem Akkordeon aufgewachsen ist und jetzt den Glottertäler Verein leitet
GLOTTERTAL. Am vergangenen Sonntag wurde Sibylle Reinhold zur Vorsitzenden der Akkordeon-Trachtengruppe Glottertal gewählt. Die 30-jährige Dirigentin des Jugendorchesters tritt damit die Nachfolge von Hubert Rombach an. Christin Lang sprach mit ihr über Jugendarbeit und die Vorzüge ihres Vereins.
BZ: Frau Reinhold, wie kam es, dass Sie sich als Kind nicht für ein populäreres Instrument wie Klarinette oder Klavier entschieden haben?Reinhold: Unser damaliger erster Vorsitzender hatte es sich zur Aufgabe gemacht, verstärkt für Nachwuchs zu werben. Nach der Kommunion ist er dann von Tür zu Tür gegangen und hat uns Kinder gefragt, ob wir nicht Lust hätten Akkordeon zu spielen. Es hat mir gefallen, und jetzt bin ich schon seit 20 Jahren dabei. Ich bin also mit dem Verein groß geworden.
BZ: Der Verein bietet mittlerweile auch Keyboard und Schlagzeug an. Ist das ein Versuch, das Angebot für junge Leute attraktiver zu machen?
Reinhold: Ja und nein. Mit den beiden Instrumenten haben wir einerseits eine Alternative zum Akkordeon geschaffen, andererseits handelt es sich um Instrumente, die sich in das Orchester gut integrieren lassen. Das Musizieren in der Gemeinschaft ist ja gerade das Schöne.
Werbung
BZ: Wie reagieren Ihre Freunde, wenn Sie erzählen, dass sie in der Akkordeon-Trachtengruppe sind?
Reinhold: Man stößt natürlich auf Vorurteile. Viele verbinden das Akkordeon noch immer nur mit Volksmusik, und auch die Bezeichnung Trachtengruppe wirkt abschreckend. Dabei hat sich das Spektrum in den vergangenen Jahren sehr gewandelt: Von Klassik bis Filmmusik lässt sich heute fast alles umsetzen. In unserem letzten Konzert haben wir beispielsweise "Fluch der Karibik" gespielt.
BZ: Kann sich die Jugend überhaupt noch mit Trachten identifizieren?
Reinhold: Bei uns kommt sie von klein auf damit in Berührung. Zum einen bieten wir ab dem dritten Lebensjahr einen spielerischen Volkstanzkurs an, in dem die Kinder gleichzeitig das Akkordeon und unsere moderne Musikrichtung kennenlernen. Zum anderen fördert die Gemeinde Glottertal die Trachtentradition: Zur Kommunion tragen die Kinder bereits Trachtenkleider, und auch zur Kirche erscheinen nicht wenige darin. Zudem organisiert der Verbund Heimat und Volksleben Probenwochenenden und Jugendzeltlager, an denen viele Trachtengruppen teilnehmen. Die Kinder lernen dort nicht nur viele Gleichgesinnte kennen, sie sind auch stolz darauf, Glottertal präsentieren zu dürfen. Ich habe oft beobachtet, wie sie dabei regelrecht aufblühen.
BZ: Wie schaffen Sie es, in Konkurrenz zu "moderneren" Vereinen junge Menschen für ihr Konzept zu begeistern?
Reinhold: Zur Zeit haben wir etwa 90 Kinder und Jugendliche in Ausbildung. Darunter sind einige, die sich auch im Fußball, in der Leichtathletik oder bei den Ministranten engagieren. Wir versuchen die Proben mit den anderen Terminen abzustimmen. Generell haben wir aber gerade bei den jüngeren Jahrgängen gute Zuwächse. Das liegt sicherlich auch am Erfolg des letzten Jugendkonzerts, an dem wir das Thema Zirkus musikalisch, tänzerisch und schauspielerisch umgesetzt haben. Viele Kinder sind da auf uns zugekommen und wollten ebenfalls mitwirken.
BZ: Wie bringen Sie verschiedene Leistungsniveaus und einen Altersunterschied von 12 Jahren unter einen Hut?
Reinhold: Wenn ich neue Musiknoten auswähle, dann schreibe ich schon mal die eine oder andere Stelle um, damit das Stück für alle spielbar ist. Außerdem kümmern sich die Großen wirklich ganz toll um die Kleinen.
BZ: Was werden die Highlights in diesem Jahr sein?
Reinhold: Nach zwei Jahren findet im Juni wieder ein Jugendkonzert statt. Im Herbst feiert die Volkstanzgruppe ihr 40+1 Jubiläum, nachdem der Terminkalender im letzten Jahr zu voll für eine Veranstaltung in diesem Rahmen war. Hier werden auch befreundete Trachtenvereine mitwirken. Im November wird das Hauptorchester unter Leitung des neuen Dirigenten Frank Fakler sein Jahreskonzert geben.
Autor: lan
