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27. Januar 2010
SAGEN SIE MAL: "Sonnenblumenkerne geben mehr Glanz"
BZ-INTERVIEW mit Martina Gohlke aus Glottertal, deren roter Zwerg in der Slowakei Europameister der Kaninchen wurde
GLOTTERTAL. Auf eine erfolgreiche Schausaison blickt der Kleintierzuchtverein C55 Glottertal zurück. Mit seinen rhönfarbigen Zwergwidder-Kaninchen gewann Pius Schweizer in Karlsruhe den deutschen Meistertitel in den Wertungen "Sammlung" und "Einzeltier". Und bei der EM im slowakischen Nitra hatten diesmal die roten Farbenzwerge von Martina Gohlke die Ohrenspitzen vorne. Christin Lang sprach mit der neuen Europameisterin.
BZ: Frau Gohlke, Sie wurden mit Ihren roten Zwergen sowohl Europameisterin als auch Champion. Was bedeutet das?Gohlke: Es handelt sich einmal um die Wertung "Sammlung", hier werden vier Tiere gemeinsam bewertet. Davon hat eines die Einzelwertung gewonnen, es darf sich jetzt Europa-Champion nennen.
BZ: Wie heißt der Champion denn?
Gohlke: Ich nenne sie bloß rote Zwerge, die haben keine einzelnen Namen.
BZ: Wie haben Sie es geschafft sich für die EM zu qualifizieren?
Gohlke: Bei uns gibt es da keine Zulassungskriterien. Ob bei einer Lokal-, Bundes- oder Europaschau, solange das Kaninchen das Tattoo eines Zuchtvereines besitzt, kann es grundsätzlich teilnehmen. Für Glottertal ist das C55.
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BZ: Welche Motivation steckt dahinter, wenn man – laut Routenplaner – 1036 Kilometer zu einer Ausstellung fährt?
Gohlke: Die Europameisterschaft ist neben der Bundesschau die größte Veranstaltung für deutsche Kleintierzüchter. Für mich und meinen Mann, der ebenfalls mit zwei Sammlungen am Start war, ist die ein absolutes Highlight. Unter Züchtern fühlt man sich wie in einer großen Familie. Wenn dann noch die Preisrichter die eigene Zuchtlinie bestätigen, ist das natürlich ein tolles Gefühl.
BZ: Was ist Ihr Erfolgsrezept? Mischen Sie eine Geheimzutat unter das Futter, werden ihre Zwerge täglich gekämmt?
Gohlke: Ich bürste sie nur, wenn das Winterfell langsam ausgeht. Damit das Fell mehr Glanz erhält, gebe ich Sonnenblumenkerne dazu, andere schwören auf Leinsamen. Künstliches Verschönern, etwa Färben, ist dagegen verboten und kann sogar zum Verbandsausschluss führen. Das kommt aber so gut wie nie vor.
BZ: Ab wann erkennen Sie, ob es sich um einen Champion handelt?
Gohlke: Das ist schwierig. Manchmal glaubt man, dieser oder jener hat das Zeug dazu, und dann entwickeln sie sich ganz anders. So ab einem halben Jahr kann man das aber ganz gut abschätzen und die Tiere auf einer Jungtierschau präsentieren. Ab neun Monaten gehören sie dann schon zu den alten Hasen und starten auf den Alttierschauen.
BZ: Und was passiert mit den Kaninchen, die sich nicht für Schauen eignen?
Gohlke: An Ostern, wenn der sogenannte Ausschuss noch jung ist, holen sich viele Familien ein Tier als Spielhasen.
BZ: Dressieren sie Ihre Kaninchen für die Schauen ?
Gohlke: Nein, meine roten Zwerge sind es von klein auf gewöhnt, gestreichelt und hochgehoben zu werden. Also macht es ihnen nichts aus, wenn die Preisrichter sie anfassen.
BZ: Wie wurden Sie Kleintierzüchterin?
Gohlke: Durch meinen Mann. Der züchtet Kaninchen schon viel länger und gab mir gerade zu Anfang viele Tipps. Ich bin zwar mit Tieren aufgewachsen, das waren aber hauptsächlich Schlachttiere.
BZ: Können Sie nun als Europameisterin Ihren Job an den Nagel hängen?
Gohlke: Bisher habe ich lediglich eine Urkunde bekommen. Wie hoch das Preisgeld sein wird, weiß ich nicht. Unterm Strich wird man aber nicht reich dabei, allein die Standgebühr für eine Sammlung beläuft sich auf 100 Euro. So darf man das aber auch nicht sehen, die Kaninchen wiegen das allemal auf.
Autor: lan


