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10. März 2010

Und wieder streiken die Ärzte

Mediziner der Rehaklinik Glotterbad fühlen sich ausgetrickst.

  1. Zweiter Streik in diesem Jahr: Ärzte der Glotterbad-Klinik Foto: ringwald

GLOTTERTAL. Bereits zum zweiten Mal binnen zweier Monate traten gestern die Ärzte in der Rehaklinik Glotterbad in den Ausstand. Beim zweistündigen Streik  in der "Schwarzwaldklinik" ging es den Medizinern vordringlich nicht um ihren "Gehaltszettel", sondern um die Würdigung ihrer Arbeit und um die Reha allgemein.

  Am gestrigen Ausstand beteiligten sich sieben Ärztinnen und Ärzte, also alle Anwesenden bis auf die beiden, die den Notdienst versahen. Vier Kollegen nahmen an der zentralen Kundgebung der Ärztegewerkschaft "Marburger Bund" in Leipzig teil, zwei hatten Urlaub und zwei der insgesamt 17 im "Glotterbad" tätigen Mediziner waren schließlich selbst krank.

Verärgert sind die Ärzte, dass die Geschäftsleitung der Deutschen Rentenversicherung (DRV), zu der die Glottertäler Fachklinik gehört, versucht, die nichtärztlichen Klinikmitarbeiter gegen die streikenden Ärzte aufzubringen. Für Olaf Laskowski ist klar: ein Klinikbetrieb geht nur mit Ärzten. Als nächsten Satz ergänzt Laskowski sogleich: "Aber auch nicht ohne die anderen".

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Waren im Januar noch alle Stellen der psychosomatischen Fachklinik Glotterbad besetzt, so sieht es derzeit anders aus: Seit dem 1. März ist eine Stelle vakant. Trotz Ausschreibung fand sich kein Arzt, der zu den gegebenen Konditionen bereit war, den Dienst in der Glotterbad-Klinik aufzunehmen.

Durch Umorganisationen ist die Sache übergangsweise geregelt, so dass die Patienten nach wie vor gut versorgt sind. Gleichwohl ist die Belastung der einzelnen Kräfte gestiegen. Diese Mehrbelastungen, so befürchtet Jutta Schlicht, könnten zu einer Verschlechterung des Betriebsklimas führen, also in einem Teufelskreis enden.Wenn der gewünschte Tarifvertrag nicht bald komme, dann könne es mit der ärztlichen Versorgung in den Rehakliniken bald düster aussehen. In Einrichtungen der Rehabilitation liege das Durchschnittsalter der Mediziner deutlich über 50 Jahren. Vor allem sei es höher als in Akuthäusern.

Durch eine Vielzahl von unterschiedlichen Tarifen in Akut- und Reha-Einrichtungen sei es schwierig, genaue Beträge zu nennen. Ein junger Arzt in der Uniklinik könne aber gut und gerne monatlich 1000 Euro mehr verdienen. Und da kommt in der Runde Ärger auf: Obwohl die DRV den ärztlichen Mitarbeitern eine angemessene Entlohnung verwehre, wird in Stellenausschreibungen mit "leistungsgerechter Bezahlung" gelockt und um Gehaltsvorstellungen gebeten.

Kraft schöpfen die Glottertäler aus der Solidarisierung der Kollegen in den Partnerkliniken: So wurde gestern in mindestens vier der neun baden-württembergischen DRV-Häusern gestreikt. Somit ist der Streik keine einsame Angelegenheit im "Glotterbad", als den die Deutschen Rentenversicherung noch den Januarstreik darzustellen versucht hatte.

Autor: Christian Ringwald