Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

17. August 2013

Zünftiges Vesper in der guten Stube

UNTERWEGS IN DER HEIMAT: Von St. Peter zum Wuspenhof und von dort aus nach Glottertal / Einkehr mit Kandelblick.

  1. Malerisch gelegen: der Wuspenhof auf etwa 650 Metern Höhe. Foto: Christian Ringwald

  2. Beim Brand nicht zerstört wurde die Kapelle des Wuspenhofs. Ob beim Wandern oder beim Vespern: Die Aussicht gibt’s gratis. Foto: Christian Ringwald

  3. Foto: Christian Ringwald

GLOTTERTAL. Der Wuspenhof von Familie Hilzinger liegt ganz schön abseits. Die nächsten Häuser sind fußläufig etwa eine Stunde entfernt. Aber wie nach Rom, führen auch hier hinauf viele Wege. Von Oberglottertal – dort wo Blasius Hilzinger, der Bauer auf dem Wuspenhof, zur Schule ging – sind es fußläufig gut eineinhalb Stunden. Die BZ wählte für ihre Wanderung die Strecke über St. Peter: Sie hat den Vorteil, dass es nur wenig bergauf und oft bergab geht.

Hinauf nach St. Peter fahren wir mit dem Südbadenbus; er fährt tagsüber im Stundentakt ab dem Bahnhof Denzlingen und braucht für die Strecke etwa 30 Minuten. Auf der Passhöhe – unweit des Campingplatzes – beim Parkplatz "Hornweg" verlassen wir den Bus und machen uns auf den Weg Richtung Glottertal. Rechter Hand – also im Norden – sehen wir den Kandel mit dem St. Petermer Ortsteil Rohr, nach wenigen Metern gibt der Wald im Süden den Blick nach St. Peter mit der beeindruckenden und bekannten barocken Klosteranlage frei.

Die ersten paar Hundert Meter geht es auf der asphaltierten Straße (Kandel-Höhenweg, roten Raute mit einem K), dann halten wir uns links (auf der Route mit der gelben Raute), gehen auf einem Grasweg über die Wiese leicht ansteigend immer Richtung Westen. Nach wenigen hundert Metern treffen wir wieder auf die asphaltierte Straße und gehen beim Hornhof Richtung Lindlehöhe. Im Süden sehen wir hinüber bis zum Feldberg und runter in Dreisamtal, mal mit Blick nach Kirchzarten, dann mal wieder nach Freiburg-Kappel. Bei der nächsten Weggabelung verlassen wir den Kandel-Höhenweg, halten uns rechts und gewinnen schnell an Höhe. Auf dem Langeck mit seinen 862 Metern haben wir den höchsten Punkt der Wanderung erreicht, was aber nicht heiß, dass es nur noch bergab geht – schließlich müssen wir immer mal wieder kleinere Steigungen bewältigen.

Werbung


Auf dem Langeck lässt sich ein letzter Blick ins Dreisamtal genießen, dann sieht man schon ins Glottertal hinunter oder zum Kandel hinüber. Wir folgen immer der gelben Raute und kommen über die Lindlehöhe zum Lindlehof. Obwohl wir nur etwa knapp drei Kilometer vom Kloster St. Peter entfernt sind, gehörte der Lindlehof bis zur Gemeindereform vor 40 Jahren zum Glottertal oder genauer gesagt: zum Föhrental, was etwa zehn Kilometer entfernt ist. Den Lindlehof passieren wir oberhalb des Ökonomiegebäudes und gehen immer weiter Richtungen Wuspeneck beziehungsweise Wuspenhof.

Bevor wir den Lindlehof erreichen, sehen wir schon zum Wuspenhof, allerdings nicht die Gebäude, sondern nur die Weide und die Obstanlagen, der Hof liegt geschützt hinter der Kuppe. Über Wiesen und durch den Wald erreichen wir nach etwa 5,5 Kilometern – was einer Gehzeit von eineinhalb bis zwei Stunden entspricht – den Wuspenhof von Familie Hilzinger. Hier oben auf etwa 650 Meter Höhe, in völliger Ruhe, lebt Blasius Hilzinger mit seiner über 90-jährigen Mutter. Die Milchviehhaltung hat Hilzinger schon vor einem Jahrzehnt aufgegeben, ein paar Jahre hat er dann noch mit einer Muttertierherde die Flächen freigehalten, heute weiden Scharfe rund um den Hof.

Früher haben die Hilzingers Gästezimmer vermietet, aber auch dieses Standbein nutzt Blasius Hilzinger immer weniger. Die Zimmer, so erzählt d’Bläsi, wie in die Einheimischen nennen, seien nicht mehr modern genug, als dass man sie fortlaufend vermieten könnte. Und investieren will er nicht mehr. So werden die Zimmer nur noch sporadisch an Stammgäste vermietet, und ein kleines Zubrot verdient sich Hilzinger mit dem Verkauf zünftiger Vesper, Most und eigenem Apfelsaft. Die Speisekarte ist klein, Bauern-, Speck und Schinkenvesper, alles um die fünf Euro, die Produkte aber sind von hervorragender Qualität und alle aus der Hausschlachtung eines befreundeten Landwirts und Metzger von der Platte, also aus dem Nachbarort St. Peter.

Auf der Wanderung wurden wir von Hubert Strecker, Heimatforscher und Lehrer im Glottertal, begleitet. D’ Lehrer und d’ Bläsi kennen sich seit Jahrzehnten. Oft sei er schon als Jugendlicher und später auch als Student an der Freiburger Pädagogischen Hochschule mit Freunden aus dem Tal zum Wuspenhof hinausgestiegen, mit Winter sogar mit Langlaufskiern, erzählt Strecker. Nach langen Cego-Abenden sei der Abstieg, gerade im Winter mit den Skiern, nahezu abenteuerlich gewesen. Als junger Familienvater, habe er sogar den Kinderwagen hochgeschoben, erzählt Hubert Strecker. Die vielen schönen Stunden um den Kachelofen in der Stube des Wuspenhofes, will der Pädagoge nicht missen.

Blasius Hilzinger ist nicht der große Erzähler; aber auf Fragen gibt er bereitwillig Antwort. Der Winter sei lange gewesen, im Mai habe es schon seit Jahren nicht mehr so viel geregnet wie dieses Jahr. Zusammen mit seinem Neffen habe er im Wald gearbeitet. Die Bäume seien seine Haupteinnahmequelle. Seit Mai sind auch die (Pensions-) Scharfe, nach denen er täglich schaut, wieder auf seinem Gelände. Trotz des schlechten Wetters im Frühjahr sei das Geschäft mit dem Vesper relativ gut gelaufen, auf jeden Fall besser als gedacht. Dann erzählt Hilzinger von früher, etwa vom langen Schulweg nach Oberglottertal. Der Wuspenhof gehört eigentlich zur ehemaligen Gemeinde Ohrensbach, der Weg ins dortige Schulhaus sei aber noch weiter gewesen.

Kein Spaziergang, aber

auch für Ungeübte geeignet

1961 ist der Wuspenhof nach 1822 schon zum zweiten Mal abgebrannt. Da der Weg hier hoch weit ist, konnte die Feuerwehr nichts mehr retten. Vom Brand habe er damals in der Schule erfahren, erzählt Hilzinger. Er sei sofort los und die ganze Strecke hoch gerannt, aber als er ankam, war schon alles dem Erdboden gleich. Die Familie habe den Hof dann wieder von Grund auf aufgebaut.

Der Wuspenhof ist kein richtiges Gasthaus, gegessen wird entweder in der Wohnstube oder vorm Haus. Auch von der Stube aus hat man einen herrlichen Blick runter ins Tal und zum Kandel hinüber. Nach einer Stunde Aufenthalt mit Vesper, Most und Verrisserli machen wir uns wieder auf den Weg, an der Hofkapelle vorbei Richtung Glottertal. Jetzt geht’s nur noch bergab, zunächst über die Steinhole zur Lache, dort gabelt sich der Weg: Weiter geht es entweder über das Ahlenbach Richtung Ortsmitte oder über den Glotterrainhof ins Obertal. Eine schöne Wanderung, die zwar kein Spaziergang ist, aber in drei Stunden sind die zwölf Kilometer auch für den wenig geübten Wanderer machbar, zumal es auf dem Wuspenhof die Möglichkeit zur Einkehr gibt.

WUSPENHOF

Der Wuspenhof hat etwa 25 Sitzplätze in der Stube sowie Plätze im Freien. Die Vesperteller kosten rund fünf Euro.
Kontakt: Blasius Hilzinger, Wuspenhof, 79285 Glottertal, Tel. 07684 / 441

Weitere Informationen gibt es unter http://www.glottertal.de/wuspenhof  

Autor: cri

Autor: Christian Ringwald