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21. März 2017

Infoabend zur gesperrten Albtalstraße

Am heutigen Dienstag zeigt das Regierungspräsidium, wie es mit der L 154 weitergeht / Quednow hofft auf starkes Interesse.

  1. Auf eine volle Halle in Schachen am heutigen Infoabend zur gesperrten Albtalstraße hofft man in Görwihl. Foto: Archivfoto: Martin Köpfer

GÖRWIHL/ALBBRUCK. Entscheidet sich am heutigen Dienstag die Zukunft der gesperrten Albtalstraße L 154? Das wohl nicht, aber auf der Informationsveranstaltung in der Halle in Schachen informieren die Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer und Landrat Martin Kistler darüber, welche Schritte als nächstes eingeleitet werden.

Die Veranstaltung beginnt heute, Dienstag, um 19 Uhr in der Mehrzweckhalle in Albbruck-Schachen. Sie wird von den Bürgermeistern der von der Sperrung der Landesstraße betroffenen Kommunen sehnlichst erwartet. Für Dachsberg, St. Blasien und Görwihl ist die Straße durch das wildromantische Albtal eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Verbindung an den Hochrhein.

Gesperrt ist der Abschnitt zwischen der Tiefensteiner Brücke bis Hohenfels auf der Gemarkung Albbruck seit Pfingsten 2015. Bereits 2013 hatte es einen Felsabgang gegeben. Die Hoffnung auf eine baldige Öffnung zerstob im vergangenen Januar, als bekannt wurde, dass die Straße bis mindestens Juni gesperrt bleiben würde. Als im Mai das Ergebnis eines Gutachtens bekannt wird, sieht es noch düsterer aus: Mehrere hochgradig gefährliche Abschnitte werden darin ausgemacht, deren Beseitigung zeitlich aufwändig und finanziell sehr teuer wäre. Rund 2,8 Millionen Euro soll das mindestens kosten.

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Dabei ist die Frage noch gar nicht geklärt, ob entlang der Strecke, die überwiegend in einem schutzwürdigen FFH-Gebiet liegt, diese Felssicherungsarbeiten überhaupt in Angriff genommen werden dürfen. Im vergangenen Sommer machten sich Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, Landrat Martin Kistler und Clemens Ruch vom Landesamt für Geologie, Bergbau und Rohstoffe ein Bild von der Lage vor Ort.

Im Juli 2016 dann gab es eine Zusicherung aus dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg für FFH-Verträglichkeitsprüfungen und die Artenschutzprüfung entlang der Strecke. Ein erster kleiner Schritt, aber den Anrainern der Albtalstrecke war das nicht genug.

Zwei Demonstrationen gab es in der Zeit der Sperrung bislang, Schätzungen gehen von rund 700 Teilnehmern aus. Aber das war noch nicht alles. Mit einer Unterschriftenliste, die die Bürgermeister im vergangenen Dezember Verkehrsminister Winfried Herrmann persönlich in Stuttgart übergaben, untermauerten sie die Wichtigkeit dieser Straße für die Bevölkerung: 11 000 Menschen hatten die Liste, die in den Rathäusern von Albbruck, Görwihl, Dachsberg und St. Blasien ausgelegen war, unterschrieben.

Auf diese Unterstützer hofft am heutigen Dienstag auch Görwihls Bürgermeister Carsten Quednow: "Wichtig ist, dass die Bürger der Aufforderung folgen und den Wünschen der Region durch ihr Kommen entsprechenden Nachdruck verleihen", ruft Quednow zum Besuch der Infoveranstaltung auf. Das Schlimmste wäre eine leere Halle. Das Albtal sei ein Stück der Region und der Heimat, das touristisch wichtig sei. "Wir wollen uns wieder an seiner Schönheit erfreuen." Es könne nicht sein, dass das, was Generationen vorher geschaffen haben, jetzt plötzlich nicht mehr pfleg- und unterhaltbar sei, so Quednow.

Abgeordnete machen sich stark für eine Öffnung der Straße

Auch die Abgeordneten der Region brechen für die gesperrte Strecke eine Lanze. Landtagsabgeordneter Felix Schreiner (CDU) fordert das Regierungspräsidium auf, "das Gutachten auch schnellstmöglich umzusetzen". Es ärgere ihn maßlos, so Schreiber in einer Pressemitteilung, "wie kaltschnäuzig hier mit den vielen betroffenen Bürgerinnen und Bürgern in der Hochrheinregion umgegangen" werde. Nach vielen Protestbriefen und 11 000 gesammelten Unterschriften müsse es der Straßenverwaltung "doch klar sein, wie wichtig die Albtalstrecke für die Hochrheinregion ist. Man könne den Eindruck gewinnen, dass hier auf Zeit gespielt wird. Das wäre nicht akzeptabel", schreibt Schreiner weiter.

Einen "klaren Fahrplan zur Wiedereröffnung der Albtalstraße" von der Landesregierung erwartet auch Rita Schwarzelühr-Sutter, SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin am heutigen Infoabend. Es sei für sie "nicht nachvollziehbar, dass unsere Region mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürger seit zwei Jahren über die Zukunft der Straße im Unklaren gelassen wird". Sollte das FFH-Gutachten zu dem Schluss kommen, dass die erforderlichen Hangsicherungsarbeiten zu erheblichen Beeinträchtigungen für den betroffenen Lebensraum führen, könnte das Regierungspräsidium "ein Ausnahmeverfahren bei der EU-Kommission beantragen – ähnlich wie bei der B 31 im Höllental".

Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer teilte am Montag per Pressemitteilung mit, dass ihre Behörde die Sorgen und Anliegen der Bürger "sehr ernst" nehme. Allerdings habe man die Albtalstraße nicht grundlos gesperrt, die Sicherheit habe oberste Priorität. Ihre Behörde wolle Rede und Antwort stehen, man möge aber "auf Basis von Argumenten diskutieren". Das Verträglichkeitsgutachten prüfe die Auswirkungen einer Sanierung auf die Lebensräume und erst danach "werden wir wissen, ob wir die Europäische Kommission einzubinden haben".

Autor: Michael Krug