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13. Juni 2012
Pfarrer zieht zurück, Diakon bleibt dabei
Debatte bei den Katholiken.
GÖRWIHL (kss). Wie geht die katholische Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen um? Darüber wird derzeit in der Kirche heftig debattiert. Eine Gruppe von Priestern hat dazu eine Erklärung verfasst und alle Priester und Diakone der Erzdiözese Freiburg eingeladen, mit ihrer Unterzeichnung das Begehren zu unterstützen. Zu den Unterzeichnern gehören auch der Görwihler Diakon Günter Kaiser und – zumindest zeitweise – auch der Görwihler Pfarrer Jörg Lichtenberg.
Dieser hat seine Unterschrift inzwischen zurückgezogen. Die Bestätigung der Initiatoren liege ihm vor, erklärte er auf Nachfrage der Badischen Zeitung. Er halte die Ausmaße, die diese Initiative inzwischen annehme, für in einem Maße politisch, dass er derzeit nicht die Freiheit spüre, sich dazu persönlich zu äußern.
Diakon Günter Kaiser meint, im Memorandum selbst komme schon recht deutlich zum Ausdruck, wie dringend der Gesprächsbedarf sei. Er habe mit seiner Unterzeichnung der Erklärung auch nicht Kritik üben, sondern den Gesprächsbedarf in der Sache betonen wollen. Im Übrigen sieht er sich als gespannter Beobachter dessen, was sich aus dieser Initiative in naher Zukunft ergeben wird.
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Aber um was geht es eigentlich? Die Unterzeichner fordern dringend einen lebensnäheren Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und bekennen offen, dass sie in ihren Gemeinden den Katholiken, die nach einer Scheidung eine neue Ehe eingegangen sind, die Kommunion und andere Sakramente nicht verweigern. Damit aber verstoßen sie gegen geltendes Kirchenrecht.
Die Aktion schlägt innerhalb des Erzbistums Freiburg entsprechend hohe Wellen. Am Freitag hatte das Erzbischöfliche Ordinariat den Druck erhöht – Generalvikar Fridolin Keck hatte per Brief an alle Dekane die Priester dazu aufgefordert, die Erklärung nicht zu unterschreiben oder aber ihre Unterschrift zurückzuziehen. Letzteren Weg ist Pfarrer Jörg Lichtenberg gegangen.
Erzbischof Zollitsch nannte die Erklärung mittlerweile "weder hilfreich noch konstruktiv". Er verwies darauf, es gebe in dieser Frage keine einfachen Rezepte und verurteilte die Förderung einer undifferenzierten Praxis mit dem Hinweis darauf, dass jeder Seelsorger bereits jetzt im konkreten Einzelfall die Möglichkeit besitze, eine verantwortlich getroffene Gewissensentscheidung zu respektieren und damit den Empfang der Sakramente zu gestatten.
Ihre Wurzeln hat die Erklärung in einem vor gut einem Jahr veröffentlichten Memorandum von 311 Theologieprofessoren aus ganz Deutschland unter dem Titel "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch". Sie forderten dazu auf, dringende Reformen innerhalb der katholischen Kirche anzugehen. Auf dieses Memorandum bezogen sich 302 Priester und Diakone der Erzdiözese Freiburg, die mit ihrer Unterschrift die Initiative unterstützten und die ernsthafte Einleitung eines Dialogprozesses forderten. Darunter befanden sich schon damals als Unterzeichner auch der Görwihler Pfarrer Jörg Lichtenberg und Diakon Günter Kaiser.
Die aktuelle Initiative wurde von 176 Priestern und Diakone unterzeichnet.
Autor: kss



