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19. Oktober 2010
Umzug nach Afrika perfekt
Angelika und Claes Göran Dahlin engagieren sich schon seit Jahren für Menschen in Tansania.
GÖRWIHL-NIEDERWIHL. Sich für eine gute Sache ehrenamtlich zu engagieren, ist an sich schon lobenswert. Doch das Ehepaar Dahlin geht noch weiter. Der Gynäkologe und die Lehrerin aus Niederwihl setzen sich seit Jahren gegen die Beschneidung von Mädchen in Tansania ein. Demnächst wollen sie sich ganz dieser Aufgabe widmen. Ihre Zukunft sehen beide in Afrika. Spätestens im Herbst 2011 soll ihr Umzug nach Tansania über die Bühne gegangen sein.
Am 1. April 2011 wird Claes Göran Dahlin (Jahrgang 1950) seine Praxis in Laufenburg schließen und ehrenamtlich in einem Krankenhaus in Tansania arbeiten. Angelika Dahlin (Jahrgang 1953) wird ein Sabbatjahr von ihrer Arbeit als Lehrerin für geistig Behinderte in Tiengen einlegen und schon am 7. November dieses Jahres nach Tansania fliegen. So ist es derzeit geplant.Angefangen hatte alles in den 70er Jahren, als der damalige schwedische Medizinstudent Claes Göran Dahlin für in Jahr nach Tansania ging. Dort lernte er seine jetzige Frau Angelika kennen. Die beiden teilten nicht nur die gleiche Weltanschauung, sondern auch rasch das Interesse für Afrika. Nach einigen gemeinsamen Jahren in Deutschland und Schweden bereiste das Ehepaar verschiedene afrikanische Länder. Als Benediktiner-Mönche in Tansania einen Arzt für ein Krankenhaus brauchten landeten Dahlins Mitte der 80er Jahre in Tansania. Mit zwei kleinen Kindern in einem Ort ohne Busverbindung, ohne Polizei, ohne große Einkaufsmöglichkeiten. "Wir wollten es und es war richtig so", sagen sie heute. Vier Jahre blieben sie dort. Das dritte Kind wurde in Tansania geboren. Als die Kinder eingeschult wurden, ging es zurück nach Deutschland. Erst hier wurden sie auf ein Problem aufmerksam, das seither großer Bestandteil ihres Lebens ist, die Genitalverstümmelung von Frauen und Mädchen im Norden Tansanias. Sie lernten eine Frau kennen, die Mitarbeiter suchte, um ein Netzwerk zu gründen, das in Deutschland Spenden sammeln und das Thema mehr in die Öffentlichkeit bringen sollte. Beide sind nun schon seit sieben Jahren im "Netzwerk Rafael" tätig.
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Das Paar lernte, dass die weibliche Beschneidung ein jahrhundertealtes Ritual in vielen Ländern Afrikas und in anderen muslimisch geprägten Ländern ist. Frauen, die nicht beschnitten sind, bekommen keinen Ehemann, werden angefeindet. Da Frauen in vielen afrikanischen Ländern generell niedriger gestellt sind als Männer, verstärkt die Beschneidung noch die Dominanz des Mannes. "Die Männer wollen die weibliche Sexualität beherrschen", so Claes Dahlin. In Tansania ist die Beschneidung offiziell verboten, trotzdem wird sie weiter praktiziert. Viele Mädchen sterben aufgrund von Blutungen und Infektionen. Sie müssen unerträgliche Schmerzen ertragen, ganz zu schweigen von dem Trauma, das sie erleiden. Die psychischen Folgen einer Beschneidung sind unabsehbar.
"Es geht nicht nur um die Beschneidung an sich", erzählt Angelika Dahlin. So gab es zum Beispiel ein Treffen, bei dem man die Aufklärung gar nicht durchführen konnte, weil die Anwesenden zu sehr Hunger litten. Das bedeutet, man muss auch an anderen Stellen handeln. Angelika Dahlin betreut ein Projekt mit Solarkochern in Tansania, unterstützt durch den Zonta-Club Bad Säckingen. Dadurch können die Frauen unabhängiger werden, vielleicht ein eigenes Restaurant eröffnen. Auch geben die Solarkocher die Möglichkeit, den ehemaligen Beschneiderinnen eine neue Arbeitsstelle zur Verfügung zu stellen. Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das die beiden Niederwihler anstreben, arbeitsintensiv und belastend. Doch sie erfahren viel Unterstützung. Bei ihren zahlreichen Reisen in das Land lernten sie Pater Thomas Msagati kennen, der das interreligiöse Gespräch auch mit dem Islam sucht und gegen die Beschneidung predigt.
Das Paar hat mittlerweile viele Freunde in Tansania, deshalb fällt ihnen die Entscheidung, dorthin zu ziehen, nicht so schwer. Beide sprechen die Amtssprache Kisuaheli. Einfach wird es nicht und beiden ist klar, dass es irgendwann auch wieder Zeit sein wird, in die eigene Kultur zurückzukehren. Ihr Haus in Niederwihl werden sie behalten und die Kinder bleiben in Deutschland.
Einen Wermutstropfen gibt es allerdings. Seit kurzem sind sie Großeltern und dass sie den kleinen Enkel nicht immer sehen können, wann sie wollen, wird ihnen fehlen. "Aber wir haben sowieso vor, alle unsere Freunde und Familienmitglieder immer wieder nach Tansania einzuladen", sagt Angelika Dahlin.
Autor: Felicitas Rohrer
