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29. August 2008 16:52 Uhr

Google Street View

Google fotografiert Stuttgart und Karlsruhe

Derzeit rollt ein schwarzer Opel durch Stuttgart und Karlsruhe. Auf seinem Dach sind Kameras montiert, die lückenlos alle Straßenzüge der beiden Städte fotografieren – für Google, das im Internet sein Angebot von Landkarten um "Street views" weltweit erweitern will.

  1. Foto: dpa

  2. Foto: BZ

STUTTGART. Ein schwarzer Opel rollt derzeit auffällig langsam durch die Landeshauptstadt. Auffällig ist das Auto auch sonst: Ein knappes Dutzend Kameras auf einem Dachständer schießen alle zwei Sekunden ein Bild. Komplette Straßenzüge lässt die Internet-Suchmaschine Google derzeit auch in Deutschland ablichten – zum Verdruss der machtlosen Datenschützer.

"Wir sehen das durchaus kritisch", heißt es aus dem Stuttgarter Innenministerium – aber verbieten lässt sich die Fotografiererei des "Google-Mobils" dennoch nicht. Der Internetkonzern steht auf solider rechtlicher Basis, wenn er demnächst auch in Deutschland bieten will, was in den USA, Australien und Japan bereits üblich ist: Straßenzüge im Internet nicht nur als Landkarte und Satellitenbild zu veröffentlichen, sondern auch als Foto aus der Perspektive eines Fußgängers.

Google-Sprecher Stefan Keulich schwärmt von der neuen Technik und deren Informationsgehalt: Im Mai vergangenen Jahres hatte das Unternehmen angefangen, alle Straßenzüge in vier US-Städte lückenlos abzufotografieren. Heute finden sich Bilder von bereits mehr als 40 nordamerikanischen Großstädten und Naturparks im Netz. Auch in Europa ist damit begonnen worden: Für die Tour de France hat Google den ganzen Kurs abgefahren, aufgenommen und ins Netz gestellt. München, Frankfurt und Berlin sind ebenfalls schon fotografisch erfasst. Bis zum Start in Deutschland (dessen Datum Google für sich behält) soll eine ganze Reihe von Großstädten abrufbar sein. Weil nur bei wirklich schönem Wetter fotografiert wird, wird es noch dauern, ehe die Street View genannte Ergänzung des Landkartenprogramms Google Maps flächendeckend zur Verfügung steht. In Baden-Württemberg wird derzeit neben Stuttgart nur noch Karlsruhe bearbeitet – für alle anderen Städte hat Google noch keinen Zeitplan.

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Nicht alle sind glücklich über die virtuellen Stadtrundgänge, sondern kritisieren die neue Datenflut aus Street View. Im Stuttgarter Innenministerium, das gerade eine Bundesratsinitiative zum besseren Schutz privater Daten vorbereitet, fürchtet, dass sich die Google-Bilder mit öffentlichen Datensammlungen wie Adress- und Telefonbüchern verknüpfen lassen. Gleichwohl liegen bisher keine Beschwerden von Anwohnern vor, die ihr Anwesen lieber nicht fotografiert sehen wollen. Sie würden ohnehin nur weitergereicht – an die Datenschutzbehörde der Hansestadt Hamburg, dem deutschen Firmensitz von Google. Auch dort ist man skeptisch, bloße Bedenken aber reichen nicht für ein gerichtsfestes Verbot.

Bundesdatenschützer Peter Schaar ruft deshalb nach gesetzlichen Grenzen: Google soll die Fotos nur nutzen dürfen, wenn Anwohner und Passanten einverstanden sind. Google betont, es gehe nur ums Stadtbild, nicht um zufällig aufgenommene Fußgänger oder Anlieger. Dennoch hält man den Fahrplan des Kamerawagens geheim: So lasse sich vermeiden, dass gezielt Botschaften oder gar Werbung in die Google-Bilder eingeschmuggelt würden. Ein Stück kam Google den Kritikern indes entgegen: Autos, die von den Kameras erfasst werden, sind zwar scharf erkennbar, die Kennzeichen allerdings sind ebenso verschleiert wie Gesichter von Passanten.

Autor: Andreas Böhme