Allein unter Männern mit einem 11 CV

Marius Uhl

Von Marius Uhl

Sa, 11. September 2010

Gottenheim

BZ-SERIE "SCHÖN ALT – ROLLENDE KLASSIKER": Sissi Bühler sorgt als Präsidentin des Citroën-Veteranenclubs für Schwung.

GOTTENHEIM. Viel zu lange haben die Veteranen in Garagen und Scheunen gestanden, mit der Sonne kommen auch sie wieder raus auf die Straßen. Die BZ-Redaktion Breisgau widmet den Klassikern auf vier und zwei Rädern eine Serie. Es werden verschiedene Modelle vorgestellt, gefragt, wer ihre Besitzer sind und was die Faszination Oldtimer ausmacht. Heute: ein Besuch in Gottenheim bei Sissi Bühler und ihrem Citroën 11 CV.

Wer würde nicht spontan an alte Herren denken, die bei Sonnenschein und warmem Wetter ihre Oldtimer spazieren fahren, wenn er vom Citroën-Veteranen-Club (CVC) hörte? Die Ente zum Beispiel – klar, die ist nun mal eine Sache für Oldies. Und Autoliebhaber – noch klarer: Männersache. Doch weit gefehlt! Der CVC-Landesverband Baden-Württemberg Süd wird von einer Präsidentin, nicht Kaiserin, namens Sissi Bühler geführt, und die hat die Vierzig noch nicht erreicht. Grund genug, alte Klischees zur Faszination Auto und Oldtimer zu überdenken.

Doch Klischees irren nicht immer, wie die Präsidentin selbst zugeben muss. Sie erinnert sich noch gut an ihr erstes Präsidententreffen: "Alle Männer saßen am Tisch links und ich als einzige rechts. Am Anfang wurde ich schon misstrauisch beäugt."

Von dreizehn Landespräsidenten ist sie die einzig weibliche. Was, außer Selbstvertrauen, bewegt eine Frau, sich allein unter Männer zu begeben? "Schon als Kind habe ich lieber geschraubt, als mit Puppen gespielt", erzählt Bühler, die von Beruf Lehrerin ist. "Und als mein Mann und ich uns vor zwei Jahren einen Traction 11CV gekauft haben, sind wir mit Jürgen Czajkowski in Kontakt gekommen."
Czajkowski ist seit 1977 Mitglied im CVC, den es seit 1975 gibt. Ursprünglich wurde der Club gegründet, weil es zwar viele Citroën, aber wenig Ersatzteile gab. Nun handelt Czajkowski selbst mit Ersatzteilen, so dass der Engpass längst überwunden ist. Er ist es auch, der auf die Idee kam, wieder Schwung in den regionalen CVC zu bringen. Einer musste Präsident sein und so fragte er Sissi Bühler, die prompt zusagte: "Ich mach’s!"

Die Vorsitzende muss auch Touren organisieren

Zu ihren Aufgaben gehören nun Dinge wie Stammtische organisieren und kleine Touren ins Elsass, in den Kaiserstuhl oder Schwarzwald planen. Für derlei Unternehmungen muss freilich das Wetter mitspielen.

Besonders unvorhergesehene Regenfälle und schlechte Sichtverhältnisse können dafür sorgen, dass lange Fahrten zu Abenteuern werden, haben die Oldtimer drahtdünne Scheibenwischer und schlechte Scheinwerfer. Außerdem sollte man von der Heizung nicht zu viel erwarten. "Auf großen Touren gibt’s immer mal beschlagene Scheiben und nasse Knie", kann Czajkowski davon ein Lied singen.

Die Leute winken den Oldtimern zu

Die schönen Momente überwiegen jedoch, findet Bühler. "Die Leute draußen winken einem zu und freuen sich, wenn man mit einem Oldtimer vorbeifährt. Jeden faszinieren diese Autos." Sie selbst hat den Traction Avant 11CV wegen seiner ausladenden Kotflügel gewählt. Allerdings haben Citroën-Oldtimer ihren Preis: 18 000 Euro kostete das ausgezeichnet erhaltene Wunschobjekt. Glücklicherweise sei der Motor des Traction sehr robust, Rostgefahr bestehe auch kaum.

Und was, wenn doch mal was kaputt geht? Dann repariert die Präsidentin schon mal selber. Im Citroën lässt sich nämlich noch alles ausbauen und zerlegen, so auch die Benzinpumpe, die bei neuen Autos üblicherweise einfach ausgetauscht wird.
Wer das begehrte "H-Kennzeichen" besitzt, kommt auch steuerlich mit 191 Euro günstig weg, viele Versicherer bieten darüber hinaus spezielle Oldtimertarife an. Sogar Großstädte dürfen die Veteranen dann ansteuern, da für sie Umweltplaketten nicht benötigt werden. Das alleine macht die Faszination am Oldtimer-, speziell am Citroën fahren, natürlich noch nicht plausibel. Bühler und Czajkowski sind sich in ihrem Erklärungsversuch einig: "Es kommt nicht alleine auf das Alter des Autos an.

Ganz exotische Fahrzeuge sind nicht so beliebt. Am besten gefallen einem doch Autos, die man aus seiner Kindheit kennt. Wenn man die auf der Straße sieht und sich erinnert, wie man früher darin mitgefahren ist, freut man sich einfach." So wird am Ende wohl jede Generation an "ihren" Oldtimern Gefallen finden.