Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
27. Mai 2009
Auch die Fasnacht hat ihren Preis
Gottenheimer "Krutstorze" beklagen Auflagen und Platzprobleme und bekommen ihrerseits Kritik wegen Standgebühren am Umzug
GOTTENHEIM. Auf eine arbeitsreiche Fasnetskampagne konnte die Narrenzunft "Krutstorze" in ihrer Jahreshauptversammlung zurückblicken. Im Mittelpunkt stand dabei auch die finanzielle Lage. So gab es auch Diskussionen über die Standgebühren, die der Musikverein beim Narrenumzug entrichten musste.
Lothar Schlatter, der als Zunftvogt wiedergewählt wurde, hatte auf die schwierigen Bedingungen verwiesen, unter denen die Fasnacht im Dorf stünde. Trotz guter Einnahmen bei den Veranstaltungen schaffe es die Zunft kaum, ihre Kosten zu decken. Nicht zuletzt wegen mangelnder Infrastruktur im Dorf, besonders wegen der fehlenden Halle und immer neuen bürokratischen Auflagen. Schlatter sah die Schmerzgrenze erreicht. "Leider können wir als eine dem Brauchtum verpflichtete Narrenzunft unsere Veranstaltungen nicht woanders austragen, denn die Fasnacht gehört ins Dorf".Der stellvertretende Vorsitzende des Gottenheimer Musikvereins, Peter Schlitter, beschwerte sich über die 40 Euro Standgebühr für die Bewirtung während des Sonntagsumzugs beschwerte. Man überlege daher, so Schlitter, ob der Musikverein in der kommenden Saison weiterhin bei Veranstaltungen der Narren auftrete. Schlatter verwies auf die zahlreichen Unkosten für die Narrenzunft und auf die guten Verdienstmöglichkeiten, die sich dem Musikverein an seinem Stand während und nach dem Umzug böten. Da sei die Standgebühr nur ein kleiner Obolus, zudem sei dies ja während der Sitzung der Vereinsgemeinschaft besprochen worden.
Werbung
"Ohne die vielen kleinen Dinge haben wir im zurückliegenden Geschäftsjahr rund 190 Termine absolviert", bilanzierte Zunftvogt Lothar Schlatter. Die Details erläuterte Schriftführerin Melanie Schmidle. So habe die Narrenzunft an zahlreichen Veranstaltungen im Dorf teilgenommen, unter anderem dem Seifenkistenrennen, dem Sommerferienprogramm und dem Hahlerei- Fest. Närrische Termine waren zum Beispiel die Häs-Putzete in der Kenzinger Narrenschau, die Teilnahme an sechs Umzügen und sieben Abendveranstaltungen befreundeter Zünfte, die zwei eigenen Zunftabende sowie die heiße Phase der Fasnacht im Dorf. 22 Aktive zähle derzeit die vereinseigene Guggemusik "Krach und Blech", berichtete Karsten Klotz. Sie probten dabei 31-mal und traten bei 21 Gelegenheiten auf. Außerdem bereite man die Gründung einer Jugendguggemusik vor, ergänzte Zunftvogt Schlatter. Man wolle dabei mit dem Musikverein zusammenarbeiten und keine Konkurrenz sein.
Den Verdienstorden des Verbandes für herausragende Leistungen erhielt Klaus König. Seit 42 Jahren ist er aktiver Narr und war in einer Vielzahl von Vorstands- funktionen in der Zunft und der Guggemusik tätig. Weiterhin ist er als Chronist tätig und als "Krutschnieder" und Narrentäufer alljährlich an der Pflege närrischen Brauchtums im Dorf beteiligt.
Von einem kleinen Plus in der Kasse berichtete Kassiererin Juliane Pfeil. Der Sprecher der Vereinsgemeinschaft, Walter Hess, lobte den Einsatz der Narren: "Es ist schön, dass es in Gottenheim wieder eine richtige Fasnet gibt". Zur Kritik des Musikvereins meinte er, dies solle bei der nächsten Sitzung der Vereinsgemeinschaft geklärt werden. Von der Wichtigkeit fasnächtlichen Brauchtums in einer katholischen Gemeinde sprach auch Bürgermeister Volker Kieber. Zur fehlenden Halle meinte das Gemeindeoberhaupt, er sei mit dem aufgestellten Zelt während des Umzuges sehr zufrieden, schmunzelnd ergänzte Kieber, er wolle daher dem Gemeinderat vorschlagen, künftig sogar ein Zirkuszelt aufzustellen.
Wahlen: Kasse: Juliane Pfeil; Jugendleitung: Simone Armbruster; Beisitzer: Dirk Schwenninger; Chronist ohne Vorstandssitz: Klaus König (bisher Beisitzer). Ehrungen: Kleiner Hausorden an Petra Hess und Michaela Gauchel. Für besonderen Einsatz und mindestens 22 aktive Jahre silberner Verbandsorden des Verbands Oberrheinischer Narrenzünfte und Hausorden der Zunft an Eckart Briem und Sabine König. Briem sowie Thea Schlatter, für ihre langjährige Mitarbeit, werden Ehrenmitglieder. Termine: Teilnahme am Sommerferienprogramm; Guggemusiktreffen mit Fackelumzug am 16. Januar 2010. Mitglieder: 55 aktive, 221 passive, dazu 25 Jugendliche unter 16 Jahren. Kontakt: Lothar Schlatter, Tel. 07665/ 5551, Internet: www.krutstorze. de
Autor: Mario Schöneberg
