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20. Oktober 2010
Auf die richtigen Reifen kommt es an
Viele Autofahrer rüsten frühzeitig auf Winterreifen um, aber die Politik will die Winterreifenpflicht noch klarer regeln.
BREISGAU. Die Tage werden kürzer und die Nächte kälter. Da wird auch der erste Schnee oder das erste Glatteis auf den Straßen auch in den tieferen Lagen nicht mehr lange auf sich warten lassen. Dann hat man sich am besten schon vorher Winterreifen besorgt. Das soll nun auch eine Neufassung der Straßenverkehrsordnung beschleunigen.
Laut Peter Pauk, Lagerist im Autohaus Kandziorra aus Denzlingen, werden die meisten Fahrzeuge bereits gegen Ende Oktober umgerüstet. "Von Jahr zu Jahr verkaufen wir früher Winterreifen", berichtet auch Frank Schmidt, Betreiber des Reifenhandels Schmidt in Hugstetten. Dennoch hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer vor, die gesetzliche Regelung in Bezug auf Winterreifen nun zu verschärfen. Diese geplante Änderung ist auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg zurückzuführen, das die bisherige Regelung als zu vage und damit für verfassungswidrig erklärt hatte. In §2 Abs. 3a der StVO heißt es: "Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen. Hierzu gehören insbesondere eine geeignete Bereifung." Diese schwammige Formulierung sagt aber weder etwas über die Art der Wetterverhältnisse, noch etwas über die Art der geeigneten Bereifung aus. Um Fahrzeugführern und Behörden nun Klarheit zu verschaffen will Peter Ramsauer noch vor Weihnachten eine "konkrete Winterreifen-Pflicht" einführen Hierbei geht es aber nicht um einen festen Zeitraum, sondern darum, bei welchen Witterungsbedingungen Winterreifen Pflicht sind. Ulrich Brecht, Pressesprecher der Polizei Freiburg, hält dies aus Sicherheitsgründen für absolut sinnvoll.Werbung
Denkbar ist, dass bei Inkrafttreten der konkretisierten Formulierung die Nachfrage für Winterreifen steigen werde. Frank Schmidt rechnet aber nicht mit viel mehr Ansturm, da die meisten Kunden schon mit Winterreifen eingedeckt seien. Ali Bakir dagegen, Betreiber der Autowerkstatt Auto Bakir aus Gundelfingen, erwartet einen steigenden Umsatz, weil er bis jetzt viel mehr Sommerreifen als Winterreifen verkauft habe. Auch Thomas Gutmann, Betreiber des Autohaus Gutmann in Ehrenkirchen, ist der Meinung, dass die Nachfrage steigen werde. René Mutschler, Betreiber des Reifenhandels Mutschler in Gottenheim, geht ebenfalls von einer steigenden Nachfrage für Winterreifen aus, befürchtet aber auch, dass dies zu einer geringeren Nachfrage für Sommerreifen führen könnte.
Momentan gelten Reifen mit der Kennzeichnung M+S oder Reifen mit einem Schneekristallsymbol als Winterreifen. Es gibt jedoch keine festgelegte Norm, welche technischen und baulichen Kriterien ein Reifen erfüllen muss, um für den Einsatz im Winter geeignet zu sein. Maximilian Maurer, Pressesprecher des ADAC aus München, erklärt, dass weder die Kennzeichnung M+S, noch das Schneeflockensymbol eine eindeutige Aussage über die Qualität eines Reifens machen. Bei den europäischen Herstellern dürfe man jedoch getrost davon ausgehen, dass ein Reifen mit der Kennzeichnung M+S auch hält was er verspricht. Denn die Reifen großer Hersteller unterlägen laufend Tests, und eine große Firma könne sich den Verlust ihrer Glaubwürdigkeit nicht leisten könne, so Maurer. Ein Problem gebe es bei einzelnen asiatischen Herstellern, die die Kennzeichnung M+S zu Verkaufszwecken auch auf Reifen minderer Qualität drucken. Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen wird derzeit auch auf EU-Ebene an einer verbindlichen Kennzeichnung für Winterreifen gearbeitet.
Ein Problem könnte es dieses Jahr bei der Menge an Winterreifen geben. "Ich habe bisher nur 50 Prozent der bestellten Winterreifen erhalten", sagt René Mutschler. Diese Knappheit des Angebots sei darauf zurückzuführen, dass einige asiatische Produkte preislich unattraktiv geworden seien. Wer also diesen Winter nicht auf sein Auto verzichten möchte und noch keine Winterreifen für diese Saison besitzt, sollte mit dem Kauf nicht mehr allzu lange warten.
Ein Bußgeld für Fahren mit ungeeigneter Bereifung könne zwar heute schon verhängt werden, aber die Anzahl der Fälle werde beim Einführen der Pflicht jedoch steigen, vermutet Polizeisprecher Brecht. Nach der momentanen Gesetzeslage kann ein Bußgeld von 20 oder 40 Euro für das Fahren mit ungeeigneter Bereifung verhängt werden. Wesentlich teurer wird es bei einem Unfall, da dann bisher mindestens eine Teilschuld angenommen wurde, wenn keine Reifen mit M+S Symbol oder dem Schneekristall aufgezogen waren. Häufigere oder gezielte Kontrollen werde es aufgrund der geplanten neuen Regelung allerdings nicht geben, da hierzu schlichtweg das Personal fehle, meint Brecht. Er rät Autofahrern, sich beim Kauf eines Winterreifens an aktuellen Tests zu orientieren, wie sie zum Beispiel vom ADAC oder der Stiftung Warentest gemacht werden.
Autor: Jan Birmele
