Vielversprechender Start in die Lese

Badischer Winzerkeller verarbeitet die ersten 200000 Kilogramm Trauben für Neuen Süßen

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Di, 14. August 2018 um 16:59 Uhr

Breisach

So früh wie noch nie hat am Dienstagmorgen beim Badischen Winzerkeller die Lese für den Neuen Süßen begonnen. Bis am Abend lieferten die Winzer rund 200 000 Kilogramm Trauben der Sorten Solaris und Müller-Thurgau ab. Die Qualität war sehr gut. Den Neuen Süßen wird es ab Montag in der Breisacher Kellerei und in der kommenden Woche deutschlandweit im Handel geben.

Vorteile im Handel
Christian Schätzle, Qualitätsmanager des Badischen Winzerkellers, und Vorstandsmitglied Eckart Escher können sich nicht daran erinnern, dass die Winzer jemals so früh zur Lese von Trauben für den Neuen Süßen, der auch Federweißer genannt wird, ausgerückt sind. Der heiße Sommer habe dies möglich gemacht. Für die Breisacher Kellerei hat der frühe Termin wirtschaftlich gesehen durchaus Vorteile. "Die großen Handelsketten haben sonst immer zuerst ein oder zwei Wochen Neuen Süßen aus Italien verkauft. In diesem Jahr fangen sie gleich mit unserem an", sagt Schätzle.

Mit dem Zuckergehalt der Trauben ist der Qualitätsmanager zum jetzigen Zeitpunkt zufrieden. Der Müller-Thurgau liege bei etwa 60 und der Solaris bei 70 bis 75 Öchsle. Dies seien für Neuen Süßen gute Werte. Darüber hinaus freut es ihn, dass die Trauben absolut gesund sind. "Der Sommer war zwar zu trocken, aber dafür haben wir bislang keine Probleme mit der Fäulnis, weil es so gut wie nicht geregnet hat", erklärt Schätzle. Der Most werde nun im Keller filtriert und am Freitag in Flaschen abgefüllt. Schon am Montag stehe er beim Badischen Winzerkeller für den Verkauf bereit.

Noch zwei weitere Tage hat das Unternehmen für die Lese von Trauben für den Federweißen eingeplant, und zwar am Dienstag, 21., und am Dienstag, 28. August. Dann würden neben Müller-Thurgau auch Trauben der roten Sorte Regent angenommen. Insgesamt wird die Breisacher Kellerei in diesem Jahr wohl zwischen 400 000 und 500 000 Liter Neuen Süßen in den Handel bringen.

Zufriedener Winzer
Harald Wochner ist Winzer in Merdingen und bewirtschaftet rund 43 Hektar Reben. Am Dienstagmorgen wurden seine Solaristrauben auf einer Fläche von rund 80 Ar um 5 Uhr bei noch kühlen Temperaturen mit dem Vollernter gelesen. Gegen 10 Uhr steht er mit seinem Traktor schon an der Annahmestation des Badischen Winzerkellers, um die Trauben anzuliefern. "Gerade bei hohen Temperaturen ist es wichtig, dass die Trauben schnell zu uns kommen und rasch verarbeitet werden", sagt Schätzle. Durch die neu installierte große Brückenwaage gehe die Annahme noch rascher als bislang vonstatten.

Geringe Säurewerte
Auch Harald Wochner ist zufrieden: "Menge und Qualität stimmen, die Trauben sind sehr gesund", betont er. Der Winzer hat rund 25 Bottiche angeliefert, was etwa 12 000 Kilogramm Trauben entspricht. Er geht davon aus, dass er in diesem Jahr pro Ar rund 120 Kilogramm Trauben ernten wird, was leicht über dem langjährigen Durchschnitt liegen würde. 2017 war seine Ausbeute gerade einmal die Hälfte. In den Weinbergen hat Wochner beobachtet, dass die Reifeentwicklung trotz der Hitze gut ist. Aufgrund der vielen Sonnenstunden sei die Färbung der Trauben optimal. "Innerhalb von drei Tagen waren zum Beispiel beim Spätburgunder 70 Prozent der Beeren blau", erläutert er. Die Niederschläge vom Montag hätten dem Laub eine Erfrischung gebracht, aber nicht mehr. "Die alten Reben sind trotz der Trockenheit noch wüchsig, nur die 2- bis 3-Jährigen mussten wir mit Wasser versorgen", erzählt der Winzer weiter.

Diese Beobachtungen hat auch Schätzle bei der Begutachtung verschiedener Rebstücke gemacht. Die Beerenhaut werde langsam weich und die Farbe sei ausgezeichnet. Nur die Säurewerte seien etwas gering. Deshalb wird der Badische Winzerkeller wie viele andere Betriebe nach Angaben von Kellermeister Ottmar Ruf in diesem Jahr die Moste ansäuern. Beide erwarten fruchtige, aromatische und bekömmliche Weine, "wie sie der Markt will", sagt Schätzle. Insgesamt sehe es sehr gut aus. Auch die Kirschessigfliege spiele in diesem Jahr keine Rolle.

Klasse vor Masse
Manche Experten haben für 2018 eine extrem große Ernte vorhergesagt, auch weil die Anzahl der Trauben je Stock beachtlich hoch ist. Weil es jedoch kaum geregnet hat, wird es laut Schätzle wohl eine sehr ordentliche, aber keine übergroße Erntemenge geben. "Bei uns geht Klasse vor Masse", betonen Schätzle, Escher und Ruf gemeinsam. Sie rechnen mit rund 20 Millionen Kilogramm Trauben, ein durchschnittlicher Jahrgang liege zwischen 17 und 18 Millionen. Im vergangenen Jahr gab es aber nur 14 bis 15 Millionen Kilogramm, weshalb der Badische Winzerkeller die Menge dieses Jahr gut gebrauchen könne. Beginn der Hauptlese wird nach Einschätzung von Schätzle am 3. September sein.