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09. September 2011
Bahnsteige werden länger, Züge nicht
Bis zum Papstwochenende werden die längeren Bahnsteige im Bahnhof Gottenheim fertig / Für längere Züge fehlen die Wagen.
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Verlängert werden am Gottenheimer Bahnhof die Bahnsteige 1 (Fahrtrichtung Breisach, links), 2 (Mitte, Fahrtrichtung Freiburg) und 3 (rechts, für die Kaiserstuhlbahn). Foto: mario schöneberg
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Ganz neu: mit der erneuerten Signaltechnik gibt es jetzt auch Leuchtanzeigen an den Bahnsteigen. Foto: Mario Schöneberg
GOTTENHEIM. In zwei Wochen sollen die verlängerten Bahnsteige am Gottenheimer Bahnhof fertig sein. Nicht nur sollen, sondern müssen: Denn zum Papstbesuch in Freiburg werden sie schon gebraucht. Denn dann werden Züge mit fünf gekoppelten Wagen in beiden Richtungen verkehren und auch am bisher zu kurzen Bahnsteig 2 halten. Aber nur zum Papstbesuch.
Was einst die Schmuddelecke der Gemeinde war, das mausert sich. Da ist der Bahnhofbau selbst, der schmuck saniert wurde und nun mit dem "Gerome’s" sogar ein originelles Lokal beherbergt. Und jetzt wird die Funktionalität des Bahnhofs verbessert, der ja den Knoten im Bahnnetz westlich Freiburgs darstellt: Nur hier können sich die Züge beider Fahrtrichtungen auf der eingleisigen Bahnlinie Breisach-Freiburg begegnen, zudem ist hier, an Bahnsteig 3, der Umsteigepunkt auf die Züge der Kaiserstuhlbahn.Dazu werden die Bahnsteige verlängert, in westlicher Richtung. "Es sieht ganz gut aus, wir haben keine Zweifel, dass die längeren Bahnsteige in zwei Wochen fertig sind" erklärte auf Nachfrage Uwe Schade, Geschäftsführer der Regio-Verbund-Gesellschaft RVG, der sich selbst diese Woche ein Bild vom Fortgang der Arbeiten gemacht hat. Diese liegen zwar in der Hand der Deutschen Bahn, als Eigentümerin der Bahnanlagen. Aber, so Schade, "wir sind Projektträger und dürfen hinterher bezahlen", weshalb die RVG, die wiederum im Auftrag des Nahverkehrszweckverbandes ZRF handelt, ein Interesse am planmäßigen Fortgang der Arbeiten hat. Die Bedachung des Fahrradständers am Bahnsteig 1 ist schon versetzt, die Betonumrandung für die verlängerten Bahnsteige steht. Nun muss noch der Übergang über die Gleise am Westende der verlängerten Bahnsteige angelegt werden. Dann werden sie asphaltiert und wären somit pünktlich am Samstag, 24. September, wenn der Papst in Freiburg eintrifft, auch benutzbar.
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Doch werden sie überhaupt noch gebraucht? "Wir hatten ursprünglich an einen Pendelverkehr zum Haltepunkt Neue Messe gedacht" erklärt Ekkehard Duwe, technischer Geschäftsführer der Breisgau-S-Bahn (BSB), die auf der Strecke fährt. Tatsächlich kämen ihre Schienenfahrzeuge nah an die Orte der Großveranstaltungen mit dem Papst, die Messe am Samstag und den Flugplatz am Sonntag. Aber, so erklärt Uwe Schade, die S-Bahn könne keinen Ansturm von mehreren Tausenden Fahrgästen bewältigen, weshalb sie von Samstag 14.30 Uhr bis Sonntag 17 Uhr an der Neuen Messe gar nicht halten wird. Am Sonntag wird die BSB sogar zwischen 8 und 14 Uhr nur noch zwischen Breisach und Freiburg-West pendeln, also auch nicht mehr den Freiburger Hauptbahnhof anfahren. "Aus Sicherheitsgründen" erklärt Uwe Schade, denn während der Papstmesse auf dem Flugplatz sollen dort keine Züge vorbeifahren.
Und dennoch haben die S-Bahn und mit ihr die verlängerten Bahnsteige in Gottenheim eine wichtige Aufgabe am Papstwochenende. Denn die BSB wird am Samstagabend länger und häufiger fahren als sonst und am Sonntag bereits nach 4 Uhr in der Frühe ihren Betrieb starten. Für Spätheimkehrer sowie Frühaufsteher in Sachen Papst spielt die S-Bahn also eine wichtige Rolle. Und dafür wird die S-Bahn auch in beiden Fahrtrichtungen gleichzeitig Züge mit fünf Wagen einsetzen. "Unsere Flotte ist voll ausgelastet, wir setzen dann nämlich auch unseren 21. Wagen, den Reservewagen ein" erklärt Duwe für die BSB, die an diesem Wochenende auch auf ihrer zweiten Strecke, im Elztal, mit Hochbetrieb rechnet.
Fünf Wagen in beiden Zügen – dem nach Freiburg und dem nach Breisach – die sich in Gottenheim begegnen, das geht nur, wenn der Bahnsteig 2 in Gottenheim, so wie es jetzt geschieht, auf über 125 Meter Länge ausgebaut wird. "An Bahnsteig 1, der 150 Meter lang wird, könnten sogar Züge mit sechs Wagen halten" erklärt Duwe. So lang sind auch die anderen Haltepunkte an der Strecke, bis auf Freiburg-West und den künftigen Bahnsteig 2 in Gottenheim.
Doch sechsteilige Züge, die man etwa im morgendlichen Berufsverkehr von Breisach nach Freiburg sehr wohl brauchen könnte, wird es schon deshalb nicht geben, weil die BSB dazu nicht die nötigen Wagen hat. Nicht einmal für den Begegnungsverkehr für zwei Fünfwagen-Züge, wie am Papstwochenende, werde es hinterher im S-Bahn-Alltag reichen, erklärt Ekkehard Duwe. Zum einen müsste eine solche größere Verkehrsleistung vom regionalen Verbund und dem Land erst einmal bestellt und bezahlt werden. Zum anderen aber, so Duwe, fehle der BSB der dafür nötige Wagen. Neue Fahrzeuge dieser koppelbaren Dieseltriebwägen weisen eine andere Steuertechnik auf als die schon einige Jahre alte Fahrzeugflotte der S-Bahn. Auch würde sich, vor dem Hintergrund der für das Ende des Jahrzehnts geplanten Elektrifizierung der Strecke, eine Neuanschaffung mit Diesel nicht rechnen. Und gebrauchte Fahrzeuge mit passender Steuerungstechnik seien keine zu haben. "Diese Züge sind ein Erfolgsmodell, bei uns genauso wie auf anderen Bahnlinien" erklärt Duwe. Nirgendwo auf den Bahnstrecken, wo solche Züge zum Einsatz kommen – zum Beispiel in der Ortenau oder im Hohenzollerischen – gebe es überzählige, nicht ausgelastete Wagen, die man gebraucht kaufen oder vielleicht ausleihen könnte.
Für Pendler wäre damit nach der Abreise des Papstes wieder S-Bahn-Alltag mit dicht gedrängten Stehplätzen im Berufsverkehr angesagt. Bis vielleicht doch irgendwann woanders ein, zwei Wagen des zur BSB-Flotte passenden Bautyps losgeeist werden können. So lange muss man sich mit dem optischen Schick der neuen Bahnsteige begnügen; die haben sogar noch eine Leuchtanzeige bekommen.
Wer jetzt lauter Potemkinsche Dörfer zu Ehren des Pontifex Maximus argwöhnt, der irrt. Die Bahnsteigverlängerung war nämlich ohnehin geplant, erklären Uwe Schade und Eckehard Duwe übereinstimmend. Denn die Signaltechnik an Gottenheims Bahnhof war veraltet. So ist der Sichtwinkel für die Zugführer an Bahnsteig 2 selbst bei vierteiligen Zügen bisher eigentlich zu kurz.
Autor: Manfred Frietsch


