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12. Dezember 2009
Baldinger gibt WG-Amt ab
Neuer Vorstand der Gottenheimer Winzer wird Geschäftsführer Schmidle in Personalunion
GOTTENHEIM. Die positiven Geschäftszahlen, die der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft (WG) Gottenheim, Michael Schmidle, in der Jahreshauptversammlung bekannt gab, gerieten fast zur Nebensache, als der Vorsitzende Werner Baldinger erklärte, nicht wieder für ein Vorstandsamt zur Verfügung zu stehen. Geschäftsführer Schmidle wurde später zu seinem Nachfolger gewählt.
"Der Weinjahrgang 2008 war für Winzer und Kellermeister ein qualitativ und quantitativ hochwertiger Jahrgang", zog der Geschäftsführer vor rund 80 Mitgliedern im Vereinsheim der Narrenzunft Bilanz. Die Trauben hätten gut reifen und zum richtigen Zeitpunkt geerntet werden können. Auf knapp 70 Hektar Fläche ernteten die 185 Gottenheimer Winzer knapp 882 000 Kilogramm Trauben mit einem durchschnittlichen Öchslewert von 87 Grad. Dies entspricht einem Hektarertrag von 12 700 Kilogramm. 61 Prozent der Ernte entfielen auf den Spätburgunder, mit durchschnittlich 91 Grad Öchsle, es folgen Müller- Thurgau (25 Prozent, 77 Öchsle), Ruländer (7 Prozent, 92 Öchsle), Weißburgunder (5 Prozent, 89 Öchsle) sowie ein Prozent Regent und andere Sorten.Werbung
Geschäftsführer Schmidle betonte, dass sich auch bei den Auszahlungspreisen gute Qualität auszahle. So bekämen sieben Mitglieder weniger als 4000 Euro je Hektar, 16 andere jedoch 9000 Euro und mehr. Im Schnitt bekamen die Winzer 59 Cent je Kilo Trauben.
Die Bilanzsumme der WG liegt laut Geschäftsbericht bei rund 1,14 Millionen Euro in etwa auf Vorjahresniveau, der Bilanzgewinn von rund 2000 Euro soll in die Rücklagen fließen. Im Detail gab es aber gravierende Änderungen, so wurden Wertpapiere und Guthaben aufgelöst, im Gegenzug wurde in Grundstücke und Gebäude investiert. Größer Posten war der Kauf der ehemaligen Tankstelle in der Ortsmitte. Dieser Kauf sei neben den Feierlichkeiten zum 50-Jährigen Jubiläum das wichtigste Ereignis des Jahres gewesen, meinte Werner Baldinger. Er dankte allen Helfern, die so ein Fest mit großem Winzerumzug möglich gemacht hätten.
Man sei künftig mit dem Weinverkauf an exponierter Stelle im Dorf vertreten, freute sich der Aufsichtsratsvorsitzende Max Dersch. Seit Mai befinde sich in der Tankstelle das Büro der WG, der Verkaufsraum soll nach der Renovierung vermietet werden. Dort verkauft werden dann auch die prämierten Weine der Gottenheimer Winzer. Dersch berichtete beim Jahrgang 2008 von einer Silber- und zwei Bronzemedaillen bei der Bundesweinprämierung, bei der Gebietsprämierung gab es zudem eine goldene und vier weitere Silbermedaillen. Stolz sei man auch auf Michaela Baldinger, die erste badische Weinprinzessin aus dem Dorf. Zuletzt berichtete Dersch noch von der gesetzlichen Prüfung der WG durch den Genossenschaftsverband, die der WG geordnete Verhältnisse bescheinigt habe.
Bei den Wahlen wurde Bernd Sauer aus Buchheim für Joachim Dellenbach in den Aufsichtsrat gewählt und Uwe Meier in dem Gremium bestätigt. Ebenfalls acht Jahre war Werner Baldinger Vorsitzender der WG, weitere acht Jahre gehörte er dem Aufsichtsrat an. Er habe das Amt immer mit Freude ausgeübt, doch nun ließen berufliche und familiäre Gründe ein Weitermachen nicht mehr zu, erklärte Baldinger. Und er bleibe der WG ja als aktiver Winzer erhalten.
Nach längeren Diskussionen, ob die Posten des Geschäftsführers und des Vorsitzenden in einer Hand liegen sollten, wurde Michael Schmidle dann bei einer Stimmenthaltung zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er brauche die Unterstützung aller, betonte Schmidle. Aber er sei mit den anstehenden Aufgaben, die in Zeiten von Mitgliederschwund und niedriger Auszahlungspreise nicht leichter würden, bestens vertraut.
Max Dersch dankte dem scheidenden Vorsitzenden für seine Arbeit. Er habe die WG Gottenheim entscheidend gestaltet, würdigte Günter Hilmert vom Badischen Winzerkeller die Leistung Baldingers. Er sei ein guter Mittler zwischen Winzern und Vermarkter gewesen. Baldinger sei stets mit Herzblut bei der Sache gewesen, lobte ihn Bernhard Ritter, Referatsleiter Weinwirtschaft beim Genossenschaftsverband. Von vielen positiven Erlebnissen mit Werner Baldinger sprach Bürgermeister Volker Kieber. Er sei immer offen für neue Ideen gewesen. Ähnlich sah dies auch Karl-Heinrich Meier, Vorsitzender vom Tuniberg-Wein, der den Mut und die Entschlussfreude von Baldiger lobte.
Ehrungen: Für 40 Jahre Mitgliedschaft Erwin Schmidle, Helmut Wurster; Für 25 Jahre Klara Band, Peter Gerteisen, Kurt Hartenbach, Erna Krispin, Joachim Meier, Franz Schätzle, Lothar Schmidle, Rosemarie Schmidle, Wilhelm Walter.
Autor: Mario Schöneberg
