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08. September 2011
Beim Badnerlied spielten 80 koreanische Musikstudenten mit
BZ-INTERVIEW mit Gottenheimer Musikern über ihre Erlebnisse in Südkorea / Konzertauftritte in großen Sälen / Freundliche und hilfsbereite Menschen.
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Voller Eindrücke von der Koreareise des Musikvereins Gottenheim sind (von links) Martin Liebermann, Felix Hartenbach und Siegfried Ziebold. Foto: mario schöneberg
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Voller Eindrücke von der Koreareise des Musikvereins Gottenheim sind (von links) Martin Liebermann, Felix Hartenbach und Siegfried Ziebold. Foto: mario schöneberg
GOTTENHEIM. Musik verbindet die Menschen über Kontinente hinweg. Dies erlebten die 43 Mitglieder des Gottenheimer Musikvereins auf ihrer 15-tägigen Reise nach Südkorea. BZ-Mitarbeiter Mario Schöneberg befragte drei von ihnen über den Ausflug auf die andere Seite der Erde: den Vereinsvorsitzenden Martin Liebermann, der selber kein Instrument spielt, den Klarinettisten Felix Hartenbach (15) und Siegfried Ziebold, Saxophonist und mit 56 Jüngster der Traditionskapelle "Old Boys".
BZ: Herr Liebermann, Ihr Fazit als Reiseleiter?
Liebermann: Die Reise war, schlicht gesagt, ganz toll. Auch wenn es eine Konzertreise war und man privat vielleicht mehr Sightseeing gemacht hätte. Doch gerade der musikalische Teil war beeindruckend. In Freiburg würde man lachen, wenn wir anfragen, ob wir als kleiner Musikverein im Konzerthaus spielen dürfen. In Korea haben wir dreimal in einem vergleichbar großen Konzertsaal gespielt und einmal sogar auf der Seebühne in Jeju. Wir haben für unsere Auftritte stets viel Lob bekommen, das macht stolz. Auch unterwegs hat alles sehr gut funktioniert, ich hatte im Vorfeld für 160 Euro Medikamente gekauft, aber nichts davon gebraucht. Schön war auch, dass kurz vor Abflug noch die Förderzusage für unseren Kulturaustausch vom Auswärtigen Amt gekommen ist, 200 Euro je Person.
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BZ: Einmal um die halbe Welt, wie war der Flug?
Liebermann: Die Flüge liefen allesamt reibungslos, die Lufthansa war uns als Gruppe gegenüber sehr entgegenkommend, auch beim Gepäck. Immerhin hatten wir große Instrumente und Weinkartons als Präsente dabei. Einige von uns sind zum ersten Mal im Leben geflogen und dann gleich so weit!
BZ: Waren Sie viel in Bussen unterwegs?
Hartenbach: Oh ja, sehr viel. Die Busse waren etwas kleiner als bei uns, hatten nur eine Tür und keine Toilette. Dafür aber eine richtige Sound-Anlage und einen Flachbildschirm für jeden. Das Fahren selber war sehr komisch. Oft sehr schnell und mit ruckartigem Bremsen und Gasgeben, da konnte man kaum schlafen.
Ziebold: Gut war, dass wir wegen dem vielen Gepäck zwei Busse hatten, einen Partybus für die jüngeren und einen für die älteren, in dem es etwas ruhiger zuging.
BZ: Wie war das Zusammenspiel mit dem studentischen Zeloso- Orchester ins Seoul?
Ziebold: Sehr schön, einige konnten englisch, viele aber auch nicht. Doch wir hatten die gleichen Noten und dann verständigt man sich einfach über die Musik. Immerhin hat Zeloso 80 Musiker. Und dann spielen auf einmal 115 Musiker gemeinsam das Badner-Lied. Das war schon beeindruckend.
BZ: Andere Länder, anderes Essen, wie hat es geschmeckt?
Liebermann: Ich kann sagen, wir haben stets gut gegessen, sei es koreanisch, Burger oder sogar mal Schnitzel, die es in einer Kantine extra für uns gab.
Ziebold: Beim Essen war es überall sauber, alles war frisch zubereitet. Wir konnten uns nie beschweren. Auf einem Markt habe ich sogar mal Giersch gegessen, das wächst sonst bei mir im Garten. Einzig das auf dem Boden sitzen war für die Älteren beschwerlich, doch da haben sich die Gastgeber immer bemüht, eine Lösung zu finden. Auf Nachfrage gab es für uns auch Gabeln, Messer jedoch nie. Überraschend lecker waren auch die Bratwürste, die es überall am Spieß gab.
Hartenbach: Wegen dem scharfen Essen ist uns oft die Nase gelaufen. Doch in Korea ist es tabu, sich zu schnäuzen. Da sind wir oft auf Toilette gegangen.
BZ: Wie waren die Konzerte?
Hartenbach: Meist sehr gut besucht, zwei kamen sogar im Fernsehen. Ungewöhnlich war, die Zuschauer klatschen schon, wenn der Dirigent kommt. Auch das Spielen mit Verstärker auf der Seebühne war ungewohnt, gut waren jedoch die Mikrofone für die Solisten. Wir hatten zwar kürzere Auftritte als zuhause, doch nach Flug und Busfahrt waren sie trotzdem sehr anstrengend.
Ziebold: Es war schon toll, mal vor so großem Publikum, einmal waren es gut 800 Leute, zu spielen. Die Koreaner klatschten gerne mit, besonders bei flotten Stücken wie Polka, da haben sie Zugaben gefordert. Sehr professionell liefen besonders die Konzerte in den großen Sälen, hier gab es eine tolle Akustik.
BZ: Was gibt es in Korea zu sehen, wie sind die Menschen, was war anders?
Hartenbach: Seoul ist krass mit den riesigen Wohnblöcken und dem Häusermeer. Besonders gut zu sehen vom Fernsehturm.
Ziebold: Dennoch ist die Stadt sehr weitläufig und durch die grünen Hügel zwischendrin auch sehr aufgelockert. Seoul hat eine fantastische U-Bahn, klimatisiert und mit 80 Cent je Fahrt sehr günstig. Alles ist auch sehr sauber, man fühlt sich sicher. Und es gibt wenig Hunde.
Hartenbach: Überraschend ist auch das Kabelgewirr zwischen den Dächern, das passt nicht so recht, sonst ist alles so modern. Und auf den landestypischen Märkten gibt es Merkwürdiges zu sehen, zum Beispiel ganze Haifische auf einem Eisblock. Und viele lebende Tiere.
Ziebold: Die Menschen müssen sehr gut improvisieren können, das habe ich auch bei unseren Reiseführern gemerkt. Doch für Gäste finden sie immer eine Lösung.
Liebermann: Überall waren alle sehr hilfsbereit, es gab viel Personal, Trinkgeld wollte aber niemand. Und wir sind oft, auch von Fremden, eingeladen worden.
Ziebold: Die Menschen waren sehr neugierig auf uns, wir wurden oft angesprochen, auch gefragt, ob wir Hilfe brauchen. Europäer sind in Korea wohl selten. An das Wetter habe ich zwei Erinnerungen, anfangs war es in Seoul feucht und es gab Smog, später war es richtig schön. Unsere Reiseleiter wiederum hatten alles durchgeplant und waren etwas hektisch. Die mussten wir etwas bremsen. Sie waren aber auch stets sehr hilfsbereit und flexibel.
Liebermann: Sehenswert waren auch der Königspalast, die Tempel, der erloschene Vulkan auf Jeju, die Lavahöhlen, die Königsgräber oder das historische Dorf.
BZ: Haben Sie vor Ort Freunde gefunden?
Hartenbach: Viele haben gleich vor Ort nach den Konzerten ihre Facebook- Kontakte ausgetauscht. Gut war, dass es überall w-lan gab und das sogar kostenlos.
Liebermann: Wir müssen sehen, wie das wird mit der Gegeneinladung für das Zeloso- Orchester. Und dann gibt es noch den Kontakt zu dem "Heart to Heart Orchestra" mit geistig behinderten jungen Musikern. Sie wollen demnächst mal nach Europa kommen. Wir haben auf jeden Fall die Adressen ausgetauscht. Das Wiedersehen mit unserem ehemaligen Dirigenten Donoung Lee war herzlich, aber leider zu kurz. Er hat wohl wie die meisten Koreaner Dauerstress.
BZ: Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Ziebold: Die riesigen Märkte, auf denen es alles gibt. Meistens in sehr vielen, sehr kleinen Geschäften. Und die Bautätigkeit überall im Land. Wenn man den langen Flug nicht scheut, ist Korea sehenswert.
Hartenbach: Das Kabelgewirr in Seoul und dass alles blinkt und beleuchtet ist. Und das wir uns als Gruppe so gut verstanden haben, egal ob alt oder jung.
Liebermann: Von Sightseeing her der Blick von oben auf Seoul, vom musikalischen unser famoses Konzert auf Jeju und vom menschlichen her das Treffen mit dem "Heart to Heart" Orchester.
Autor: schö


