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29. Dezember 2011

Beim Szenenbild in der Krippe führt der Nachwuchs Regie

BZ-SERIE WEIHNACHTSZEIT – KRIPPENZEIT: Schon der Krippenaufbau in der Gottenheimer Kirche St. Stephan ist ein Familienspaß mit reichlich Moos und Stroh.

  1. Foto: Manfred Frietsch

  2. Foto: Julius Wilhelm Steckmeister

BREISGAU. Egal wie unterschiedlich sie auch sind – Jesuskind, Maria, Josef, Ochs und Esel gehören zu jeder Krippe. In der Serie "Weihnachtszeit – Krippenzeit" stellt die Breisgau-Redaktion Krippen in Kirchen und Wohnzimmern im Freiburger Umland vor, sowie Leute, die Krippen selbst bauen. Heute: die Krippe in der katholischen Kirche St. Stephan in Gottenheim.

Ursprünglich hat die Weihnachtskrippe wohl einmal auf dem Seitenaltar der Kirche St. Stephan, die, gekrönt von einem Storchennest über dem Gottenheimer Ortskern liegt, gestanden. Sie wurde, erzählt man sich, von einem Simonswälder Krippenbauer extra für diesen Platz maßgeschneidert. Seit ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg findet die neue Krippe nun unterhalb des Seitenaltars Platz. Aufgestellt wird sie immer am 22. Dezember.

Unverkennbar handelt es sich bei der Gottenheimer Krippe, die seit Ende der 40er Jahre alljährlich vom Weihnachtsfest bis zur Taufe des Jesuskindes eine Woche nach Dreikönig den Innenraum von St. Stephan ziert, um den Typ einer orientalischen Landschaftskrippe. Über einen weitläufigen Abhang aus Moos und Geröll führen Kieswege hinauf zur Stadt Bethlehem, einer hölzernen Mischung aus orientalischen Bauten und mittelalterlicher Ritterburg. Im Zentrum des Landschaftsensembles, markiert durch den schön beleuchteten und als "Stern von Bethlehem" bekannten geschweiften Kometen, steht der Stall. Neben reichlich Stroh befinden sich hier die menschlichen und tierischen Protagonisten, Maria, Josef, Ochse und Esel. Allein die Wiege mit dem Jesuskind ist noch leer. Der Heiland bezieht erst am Heiligen Abend in sein kärgliches Bettchen.

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"Bis dahin lege ich ihn wieder in die Sakristei", sagt Anna Eberle. Die Zwölfjährige assistiert ihrer Mutter, der Gottenheimer Messnerin Susanne Eberle, die seit nunmehr 14 Jahren für den Aufbau der Weihnachtskrippe verantwortlich ist. Und dass auch Anna in Sachen Krippenaufbau schon eine "alte" Häsin ist, merkt man an der Präzision und Bestimmtheit, mit der sie die unterschiedlichen Figuren an ihre Plätze stellt.

Unterschiedlich sind die Figuren in der Tat, denn unter die farbigen Gipsgestalten der Nachkriegszeit haben sich auch einige kleinere Holzfiguren gemogelt, von denen keiner so genau sagen kann, ob sie noch von der Vorkriegskrippe stammen. "Die stellen wir einfach etwas nach hinten, dann sieht es aus, als ob sie aus der Ferne kommen", sind sich Mutter und Tochter einig.

Vom Stil her orientieren sich die etwa 30 Zentimeter großen Krippenfiguren an ihren frühen Vorbildern aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Sie sind jedoch weder wie diese aus Holz geschnitzt noch mehrere hundert Jahre alt.

"Wahrscheinlich kommen sie von Alberts Ambs aus Simonswald", hat Susanne Eberle in Erfahrung gebracht. Sicher ist, dass sie seit 1949 in Gottenheim sind. Und ein wenig ramponiert aber gerade deswegen charmant kommen die Figuren denn auch daher. "Besonders an den Nasen sind viele kaputt", stellt die Nachwuchskrippenaufbauerin mit Kummerfalte auf der Stirn Anna fest.

Dann weist sie weiter konzentriert Hirten, Schafen und sonstigen Darstellern ihren Platz zu. Ihr jüngster Bruder spielt derweil mit einem Schaf und der Zweitälteste begrüßt den "Zigarettenraucher". Den Spitznamen hat eine der kleineren Figuren bekommen, die Flöte spielt und alle Jahre wieder aus dem Tor eines Turmes heraus tritt.

Und während die Heiligen Drei Könige erst in rund 14 Tagen auf den Plan treten werden, haben die Eberles bereits jetzt sichtlich Freude an der Gottenheimer Weihnachtskrippe.

Autor: Julius Steckmeister