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28. Oktober 2009

Die Spritze soll vor "Zell-Terrorist" schützen

Der Mediziner Ernst Tabori referierte über die Grippeimpfung

  1. Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber ließ sich gleich nach dem Vortrag von Ernst Tabori impfen. Foto: Mario Schöneberg

GOTTENHEIM (schö). Rund 100 Interessierte verfolgten im Gottenheimer Feuerwehrhaus den Vortrag zum Thema Grippe und Grippeschutzimpfungen, den Ernst Tabori, in Gottenheim wohnender Facharzt für Hygiene- und Umweltmedizin und Ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene am Universitätsklinikum, auf Einladung der Gemeinde hielt.

"Die Grippe ist ein Zell-Terrorist, sie kidnappt die Zellen, macht sie zum Komplizen und tötet sie am Ende", fasst Ernst Tabori die Wirkung der Influenzaviren bildhaft zusammen. Und gesunde Ernährung, Sport oder Sauna schützten nicht vor Infektion – das könne allein die Impfung, für die er in seinem gut einstündigen, äußert unterhaltsamen Vortrag ausdrücklich warb. Schließlich töte die Grippe jährlich mehr Menschen, als im Straßenverkehr ums Leben kämen.

Wie gefährlich eine Grippe-Pandemie werden könne zeigte der Mediziner anhand der "Spanischen Grippe" von 1918 auf. Damals seien rund ein Drittel der Weltbevölkerung infiziert gewesen und 50 bis 80 Millionen Menschen gestorben. Heute koste die saisonale Grippe in Deutschland jährlich etwa 5000 bis 8000 Menschen das Leben, in besonderen Jahren auch mehr. So habe die Grippewelle Anfang 2005 in nur drei Wochen 20 000 Menschenleben gefordert. Umso unverständlicher sei die geringe Impfquote von rund 16 Prozent der deutschen Bevölkerung, so Tabori. Bei medizinischem Personal läge die Quote sogar noch darunter, was erschreckend sei.

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Die klassische Influenza habe meist ein klares Krankheitsbild, erläutert Tabori. Sie fange abrupt an, die Patienten klagten über Kopf- und Gliederschmerzen, hohes Fieber, Husten, Schüttelfrost und Herz- Kreislaufprobleme. Man habe ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Der geschwächten Körper sei auch anfälliger für bakterielle Infektionen. Schnupfen hingegen gebe es bei einer Grippe kaum. Überhaupt seien eine simple Erkältung und eine Grippe zwei verschiedene Krankheiten – eine Grippeimpfung schütze deshalb auch nicht vor einer Erkältung.

Jedes Jahr komme die Grippe in neuer Gestalt daher. Das bedeute, dass sich die Virenstämme verändern, aber noch als solche erkennbar sind. Daher sei jedes Jahr eine neue Impfung gegen die aktuelle Version erforderlich. Manche Grippearten tauchten auch nach Jahren wieder auf – so habe beispielsweise die aktuelle Schweinegrippe Ähnlichkeit mit der Grippe von 1957. Damals erkrankte Menschen könnten also noch immer immun sein. Die Virenstämme, erläutert der Arzt, würden von Forschern ständig beobachtet. Gefährlich werde die Grippe vor allem dann, so der Infektologe, wenn in einem Menschen die Viren der normalen Grippe mit einer gefährlicheren Art zusammen kämen. Hieraus könnte eine neue Art entstehen, die sowohl eine Ansteckungsgefahr als auch eine hohe Todesrate in sich trage. Ob und wie gefährlich die Schweinegrippe werden wird, sei daher noch nicht abzusehen. Weil sich Schwein und Mensch aber sehr ähnlich seien, könne es passieren, dass in den Tieren eine neue Grippeart entsteht und die Gefahren potenziert werden.

Eine Impfung sei daher in jedem Fall sinnvoll, nicht zuletzt weil jeder geimpfte Mensch eine weitere Ausbreitung verhindere und auch die Gefahr neuer Mutationen verringere. Besonders wichtig sei die Grippeimpfung laut ständiger Impfkommission für ältere, chronisch kranke oder immunschwache Menschen, betonte der Arzt. Ebenfalls geimpft werden sollte medizinisches Personal.

Übertragen werden die Viren durch Tröpfchen, die die Menschen über die Schleimhäute – Auge, Nase und Mund – aufnehmen. Besonders über die Hände könne man dabei mit den Viren in Kontakt kommen, immerhin können sie mehrere Stunden auf Oberflächen – beispielsweise Türklinken – durchhalten. Handhygiene hält Tabori daher für sehr wichtig, um die Infektionskette zu unterbrechen.

Autor: schö