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08. Juli 2010
Feste ohne Suff und Prügel
Gottenheim nimmt als erster Ort in der Kaiserstuhlregion an Präventionprojekt "Festkultur" teil.
GOTTENHEIM. Als erste Gemeinde im Bereich des Polizeireviers Breisach tritt Gottenheim dem gemeinsam vom Landkreis, der Polizei und den Suchtberatungsstellen getragenen Projekt "Festkultur" bei. Es soll künftig bei Festen und Veranstaltungen Ausschreitungen und Alkoholexzesse verhindern helfen.
"Wir bekommen oft Anfragen von Vereinen und Organisationen, wie sie ein Fest organisieren können, das auch den Veranstaltern Spaß macht", erklärte Kreisjugendreferentin Claudia Brotzer bei einem Pressetermin im Gottenheimer Rathaus. Schließlich lasse durch die schlechten Erfahrungen – gerade mit alkoholisierten und aggressiven Jugendlichen – die Bereitschaft der Ehrenamtlichen nach, ein Fest zu organisieren. Daher werbe man seit September des vorigen Jahres auch im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald für das 2008 im Landkreis Sigmaringen entwickelte Projekt "Festkultur", bei dem sich die Gemeinden freiwillig auf einheitliche Regelungen bei Hallenvergaben und anderen Veranstaltungen verpflichten. Man wolle diese Regelungen aber bewusst nicht von oben herab verordnen, sagte die Jugendreferentin, sondern gemeinsam mit den Veranstaltern erarbeiten. Denn eine gute Vorbereitung sei die halbe Miete für ein schönes Fest und die Organisatoren hätten durch ihr Hausrecht viele Gestaltungsmöglichkeiten. Es solle sich so wieder eine Kultur der Feste etablieren. Auch wenn die Regelungen kein Allheilmittel seien, habe man doch in Sigmaringen gute Erfahrungen damit gemacht. Elf Landkreise seien mittlerweile mit im Boot, informierte Brotzer. Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald sei Gottenheim die 26. Gemeinde, die der Selbstverpflichtung zustimme.Werbung
Hierzu gibt es ein Eckpunktepapier, das unter anderem zeitliche Vorgaben für Veranstaltungen enthält. So sollen die Programme wieder eher beginnen und die Veranstaltungen am Wochenende spätestens um 3 Uhr enden. Jugendschutz- und Gaststättengesetz sollen konsequent eingehalten werden, besonders beim Einlass und der Alkoholabgabe an Jugendliche. Mitgebrachter Alkohol sowie erst recht Waffen und Drogen sollen abgenommen werden, die Veranstalter sorgen zudem für geeignetes und geschultes Ordnungspersonal mit klar benannten und erreichbaren Verantwortlichen. Außerdem soll es keine Lockangebote mit billigem Alkohol geben.
Als das Projekt "Festkultur" bekannt geworden sei, habe man auch im Polizeirevier Breisach gleich Kontakt mit den Bürgermeistern aufgenommen, erläuterte der Bötzinger Postenleiter Armin Zeller. Denn die Erfahrungen zeigten, je später ein Fest stattfinde, umso mehr Probleme gebe es, gerade durch das "Vorglühen" bei Jugendlichen. Das Ziel müsse es sein, dem die Spitze zu nehmen. Gerade die Bekämpfung des "Kampftrinkens" bei der jüngeren Generation müsse im Vordergrund der Präventionsarbeit stehen, ergänzte Bernd Seiter, für die Prävention in der Führungsgruppe des Polizeireviers Breisach zuständig.
Bürgermeister Volker Kieber wiederum sah die Schwerpunkte ebenfalls in der Jugendarbeit. Oft seien Jugendliche schon mit 13 bis 15 Jahren betrunken und müssten in die Klinik. Künftig werde man die Einhaltung der Genehmigungen für die Feste am Ort stärker kontrollieren. Nach guten Erfahrungen bei der diesjährigen Fasnacht will man nun beim Hahle-rai-Fest mit den Vereinen die Vorgaben, zum Beispiel durch einen Ordnungsdienst, konsequenter umsetzen.
Autor: Mario Schöneberg
