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07. August 2010

"Für alles wächst ein Kraut

BZ-SERIE "DER NATUR AUF DER SPUR": Heil- und Hexenkräuterweg in Gottenheim zum Auftakt.

  1. Foto: Antonia Felber

  2. Foto: Antonia Felber

  3. Foto: Antonia Felber

BREISGAU/TUNIBERG. In vielen Orten rund um Freiburg haben Gemeinen Lehrpfade angelegt. Ob auf einem Wein-, Wald- oder Naturlehrpfad – es gibt immer Lehrreiches zu erfahren. Heute über den Heil- und Hexenkräuterweg in Gottenheim.

"Ein Männlein steht im Walde…" Irrtümlicherweise wird häufig angenommen, damit sei der Fliegenpilz gemeint. Wer den Heil- und Hexenkräuterweg in Gottenheim gegangen ist und die Schilder aufmerksam inspiziert hat, weiß es besser: Gemeint ist die Hagebutte, die im Volksmund auch "Hetschepetsche" genannt wird.

Bei Weinfreunden bekannt und beliebt ist bereits die Gottemer "Rebhisli-Tour", welche den Wanderer, an den Weinbergschutzhütten vorbei, durch die alten Rebberge führt. Dem selben Weg folgt auch die Kräuterwanderung für Heilpflanzenfreunde. Unterhaltsam und manchmal humorvoll sollen Spaziergänger dazu angeregt werden, den Rebhisliweg unter anderen Gesichtspunkten zu erkunden, wobei auch das Winzerwissen nicht zu kurz kommt.

Der Rundweg ist etwa fünf Kilometer lang und kann vom Bahnhof in Gottenheim aus begonnen werden. Anfangs darf man sich nicht verwirren lassen, sondern sollte einfach den Pfeilschildern der Rebhisli-Tour folgt. Kurz hinter dem Friedhof stößt man dann auf das erste Lehrschild des Heil- und Hexenkräuterwegs. Die Tour führt hauptsächlich über Feldwege oder Hohlgassen und bietet gerade in der Abendsonne schöne Landschaftseindrücke. Mit etwas Glück erhascht man einen Blick auf eine Eidechse, die sich von der Sonne verwöhnen lässt wie der badische Wein. Für Familien mit Kindern kann der Spaziergang interessant sein. Für Kinderwagen mit kleinen Rädern ist er jedoch weniger geeignet.

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Der interessierte Wanderer wird auf dem Weg dazu eingeladen, Erstaunliches und Nützliches über heimische Heilpflanzen zu erfahren und manches selbst einmal auszuprobieren. Die jeweils abgebildete Pflanze lässt sich auf der Strecke bis zum nächsten Wegweiser finden, besonders in den Frühjahrs- Sommer- und Herbst-Monaten.

Ein altes Sprichwort besagt: "Es ist für alles ein Kraut gewachsen." Was durchaus stimmt: Der Heil- und Hexenkräuterweg zeigt die vielseitigen Wirkungen von ganz gewöhnlichen und häufigen Pflanzen auf, sei es für Erkältungen, Magen,- oder Verdauungsbeschwerden oder Nierenleiden. Auf den Tafeln sind der volkstümliche Name, die heilende Wirkung und der Volksglaube im Bezug auf die Heilpflanze zu finden. So hilft zum Beispiel ein Brombeerblättertee gegen Durchfall, wenn man im Herbst zu viele frische Nüsse oder "Neuen Süßen" genossen hat.

Manche Pflanzen dienten als Orakel: Reißt man ein Blatt am Stängel des Breitwegerichs ab, so zeigen die herausragenden Fäden an, wie viele Kinder man bekommen wird. Ähnlich geht das bekannte Gänseblümchenspiel, bei dem die Blütenblätter nacheinander ausgerissen werden, zu dem Spruch "Er (oder sie) liebt mich von Herzen, mit Schmerzen, über alle Maßen, gar nicht…" Zudem gibt es die Rubrik "Was der Winzer weiß", in der die Bedeutung der Pflanze für den Weinbau beleuchtet wird.

So weisen beispielsweise Brennnesseln, die auch "Gichtrute" genannt werden, auf einen stickstoffreichen Boden hin. Wie der Bauer, hat auch der Winzer seine Regeln: "So wie der Holunder blüht, Rebe und auch Lieb‘ erglüht. Blühen beid‘ im Vollmondschein, gibt’s viel Glück und guten Wein."

Autor: Antonia Felber